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Lausitz-Büro der RLS Brandenburg

Stolpersteine für Senftenberg

Lausitzer-Kohle-Rundbrief

Die Umweltgruppe Cottbus informiert regelmäßig über aktuelle Entwicklungen in der Diskussion um die Weiterführung und den Neuaufschluss von Tagebauen in der Lausitz, um die Problematik der CCS-Technologie und um den Ausstieg aus der Atomindustrie. Der neue Lausitzer-Kohle-Rundbrief kann auf dem Informationsportal "Lausitzer Braunkohle" eingesehen werden.

26. FilmFestival Cottbus - Festival des osteuropäischen Films

Faltblatt zum Förderpreis

Sorben-Wenden-Gesetz

Mythen und Fakten zur Flüchtlingspolitik

Spielplan der NEUEN BÜHNE Senftenberg

Spielzeitheft 2016/2017 der NEUEN BÜHNE Senftenberg

Ja zum sauberen See! Die Bürgerinitiative Altdöberner See lädt ein

Neues Dossier zur Politik mit/gegen Griechenland der Zeitung "neues deutschland"

Deutsch-Europa gegen SYRIZA. Folgt nach dem griechischen Frühling ein »deutscher Herbst«? Ein neues Dossier der Tageszeitung »neues deutschland« bietet auf 72 Seiten ausführlichen Lesestoff zur aktuellen Situation in der Griechenland-Krise. Neben einer detaillierten Chronologie vom Zeitpunkt des Abbruchs der Gespräche über ein zweites Kreditprogramm (26. Juni) bis zur Parlamentsabstimmung in Athen über ein zweites Paket Gläubiger-Auflagen (20. Juli) gibt es ein großes aus dem »New Statesmen« übernommenes Interview mit Varoufakis, eine Vielzahl von Dokumenten (Schäuble-Papier, Brüssel-Abschlussdokument, Rede Tsipras EP/2, IWF-Schuldentragfähigkeitsanalyse etc…). Breiten Raum werden die Debatte zur Problematik innerhalb und außerhalb der europäischen und deutschen Linken einnehmen, mit zahlreichen Beiträgen von Polit- und Wirtschaftsexperten. Dazu wie gewohnt übersichtliche Grafiken zur Situation. 

25. FilmFestival Cottbus - Festival des Osteuropäischen Films

Demo für einen gerechten Welthandel

Publik Forum

Jede Unterschrift zählt gegen TTIP und CETA

Zum Neuen Jahr 2015

Ergebnisse der Landtagswahl in Brandenburg

Volksinitiative gegen Massentierhaltung in Brandenburg

Das breite Aktionsbündnis Agrarwende Berlin-Brandenburg hat im März 2014 eine Volksinitiative begonnen, die sich für eine Agrarwende zum Erhalt und zur Förderung ländlicher Räume, bäuerlicher Landwirtschaft und gesunder Lebensmittel einsetzt. Koordiniert wird die Unterschriftensammlung beim BUND in Potsdam. Weitere Informationen gibt es unter agrarwen.de oder durch Klick auf das Bild bzw. die Unterschriftenliste.

Gerd-Rüdiger Hoffmann

 

Bitte beachten Sie: Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann ist zur Wahl des Brandenburger Landtags am 14. September 2014 nicht mehr angetreten und seit dem 8. Oktober 2014 kein Landtagsabgeordneter mehr.

Dieser Internetauftritt wird daher gegenwärtig umfassend umgearbeitet, was jedoch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Wir bitten um Ihr Verständnis.

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7. Dezember 2016

Enkeltauglich? Was bedeutet nachhaltige Politik in Brandenburg?

19.00 Uhr, Tenglers Buchhandlung, Markt11, 01968 Senftenberg

mit Anita Tack, MdL (Sprecherin für Stadtentwicklungs-, Bau-, Wohnungs- und Verkehrspolitik der Fraktion DIE LINKE. im Landtag Brandenburg) und Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann (Philosoph, Afrikawissenschaftler)

in der Reihe "Reden über Philosophie, Kunst und Politik" und in Kooperation mit Tenglers Buchhandlung Senftenberg

Das Lausitz-Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg lädt sehr herzlich ein zu einer Buchvorstellung mit anschließender Diskussion.

ANITA TACK, geboren 1951 in Dresden, studierte an der Hochschule für Architektur und Bauwesen in Weimar Städtebau und Gebietsplanung. Sie war vor der „Wende“ u.a. in verantwortlicher Position bei der Bezirksplankommission Potsdam. Seit 1994 ist sie Mitglied des Landtages Brandenburg und in ihrer Fraktion mit Regionalplanung und Verkehrspolitik betraut. Von 2009 bis 2014 war sie Ministerin für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz.

An diesem Abend stellt Anita Tack ihr im WeltTrends-Verlag erschienes Buch "Enkeltauglich. Nachhaltige Politik für Brandenburg" vor, in dem sie auf ihre Arbeit im von ihr so genannten „Ministerium für Lebensqualität“ zurückblickt. Das Buch kann auch in Tenglers Buchhandlung erworben werden.

Der Verlag kündigte das Buch mit folgenden Worten an: „Wer den Enkelinnen und Enkeln in die Augen
schaut, begreift, was Nachhaltigkeit bedeutet: Nicht nur um die nächsten Jahre geht es, sondern um Jahrzehnte und Zukunft überhaupt. Anita Tack war von 2009 bis 2014 Ministerin für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz in Brandenburg. Nun blickt sie zurück auf ihre Arbeit und erinnert an erfolgreich verwirklichte Vorhaben wie auch an Widerstände und ungelöst Gebliebenes. Dabei ist das Buch mehr als ein Rückblick: Es soll die Diskussion um Nachhaltigkeit befördern, um dem Ziel der Enkeltauglichkeit ein Stück näher zu kommen.“

Die Veranstaltung findet am Mittwoch, dem 7. Dezember 2016, 19 Uhr, in Tenglers Buchhandlung statt.

Konferenz der Rosa-Luxemburg-Stiftung und Bundestagsfraktion DIE LINKE

 

Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen: Große Ziele. Große Aufgaben. Für einzelne Bewegungen viel zu groß. Für einzelne Parteien unerreichbar. Deshalb wird immer mehr die Frage diskutiert: Wie kommt zusammen, was zusammen gehört? Welchen ökologischen Geist brauchen Verteilungskämpfe? Was tun Umweltbewegungen gegen Armut im Hier und Jetzt? Was hat Geschlechtergerechtigkeit mit dem Schutz der Umwelt zu tun? Wie überzeugend sind unsere Alternativen dafür, auch den Alltag zu ändern? Wann endlich gibt es wieder gemeinsame Aktionen gegen Krieg und Vertreibung? Welche Leitideen und Leitprojekte braucht ein Plan B? 

Wer Antworten auf diese Fragen sucht, muss nicht bei Null beginnen. Im Gegenteil: Die erfolgreichsten Kampagnen der Gegenwart sind getragen von einem links-ökologischen Geist. Zum Beispiel Volksentscheide für Stromnetze und Wasserversorgung in öffentlicher Hand, Widerstand gegen Freihandelsabkommen, Projekte der Klimagerechtigkeit, Aktionen für eine Energiewende in eigener Regie, Blockaden von Kohlegruben und Pipelines, Demonstrationen gegen unsinnige Großprojekte. Der Veränderungswille kommt vor allem dann in Bewegung, wenn sich die Abwehr des Falschen mit Visionen der Gerechtigkeit verbündet. Auf diesem Wege gibt es viele Hoffnungszeichen, aber noch mehr Fragezeichen. Beides soll zur Sprache kommen – vor allem mit Blick auf die politische, aber auch die eigene lebensweltliche Praxis. 

Mehr Informationen gibt es durch einen Klick auf das Bild. 

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26. November 2016

Das (sorbische) gute Leben – Entwicklungsperspektiven für die Lausitz

4. Tagung zum Themenbereich der regionalen Selbstverwaltung und der Sorben/Wenden, 26.11.2016, BTU Cottbus/Chóśebuz

Broschüre zur Konferenz von 2014

Das Regionalbüro Cottbus/Chóśebuz der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg lädt sehr herzlich alle Interessierten ein zu einer weiteren, der mittlerweile 4. Konferenz zum guten Leben an die Brandenburgisch-Technische Universität ein. Sie findet am Samstag, 26.11.2016, von 11 bis ca. 18 Uhr als Kooperationsveranstaltung von BTU und RLS Brandenburg in Cottbus/Chóśebuz statt.

Die Veranstaltung findet auch in Erinnerung an den kürzlich verstorbenen Johannes Kapelle statt, einem streitbaren Verfechter für die Bewahrung der Schöpfung und der niedersorbischen Kultur sowie einem Vorbild zivilgesellschaftlichen Engagements, der auch die Tagung im vergangenen Jahr bereicherte.

In der Einladung heißt es: "Die Debatte um die Zukunft der Lausitz – insbesondere „nach der Kohle“ – nimmt Fahrt auf. Wo viele insbesondere auf die Wirtschaftsförderung schauen, wollen wir mit der Tagung wieder einen Schritt zurück treten und die kulturellen Potentiale der Lausitz in den Blick nehmen. Wir wollen auf die lokalen und regionalen Identitäten schauen und daraus Entwicklungsperspektiven für die Lausitz ableiten und diskutieren. Regionale Identität ist ein Schlüsselelement der Institutionalisierung von Region und Voraussetzung regionalpolitischer Handlungen, die darauf basieren müsses, dass eigenmotivierte, lokale Akteure selbstständig ihr Handeln an übergeordneten Zielsetzungen ausrichten.

Den Fokus legen wir hierbei insbesondere auf die sorbische/wendische Kultur. Zum einen könnte man annehmen, dass diese für ihre Angehörigen eine Bindung an die Region darstellt, die sie veranlasst, an Stelle einer Exit-Option – den Weg aus der Region hinaus – häufiger die Voice-Option – das Engagement für und Investition in die Region – zu wählen. Zum anderen bietet die sorbische/wendische Kultur auch ein Repertoire, das als gemeinsame Ressource für regionale Entwicklungsstrategien genutzt werden kann.

Als alleiniger Träger einer regionalen Identität ist die sorbische/wendische Kultur aber sicher nicht ausreichend. Auch ist ihr Geltungsanspruch als regionale Identität umstritten. Dies wird z.B. in den Diskussionen um das angestammte Siedlungsgebiet der Sorben/Wenden deutlich, in denen die Gestaltung des Verhältnisses von sorbischer/wendischer und deutscher Identität verhandelt wird.  Aber auch aus Sicht der sorbischen/wendischen Bevölkerung selbst stellt sich die Frage, wie das Sorbische/Wendische heute zeitgemäß gefasst und auch gelebt werden kann. Hier konkurrieren u.a. Identitätskonstruktionen, die das Sorbische/Wendische eher eng fassen und solchen Ansätzen, die es als hybride Identität(en) begreifen.

In den Blick genommen werden auf der Tagung insbesondere aktuelle Tendenzen, also Studien zur regionalen Identität, die derzeitigen verschiedenen Bemühungen um Transformationsperspektiven der Lausitz aber auch die Entstehung einer sorbischen/wendischen politischen Interessenvertretung (serbski sejm), die dann ebenfalls eine an Leitbildern orientierte Entwicklung in den Blick nehmen muss.

Ob es Ansätze eines spezifischen kulturellen „Guten Lebens“ der Sorben/Wenden gibt oder ob solche Entwicklungen über- und interkulturell regional gefasst werden müssen, soll mit verschiedenen Expert*innen und Interessierten in der Tradition der mittlerweile 4. Tagung zum Themenbereich der regionalen Selbstverwaltung und der Sorben/Wenden diskutiert werden."

Um Anmeldung wird gebeten, die Kontaktdaten, den Ablaufplan und weitere Informationen finden Sie unter diesem Link

  

4. November 2016

Das Lausitzbüro der Rosa-Luxemburg-Stiftung trauert um Siegfried Klein (11.10.1939 – 20.10.2016)

Er war eine treue Seele der Linken im Revier, einer der auch in schweren und unübersichtlichen Zeiten zur Stange hielt, wie man hier so sagt. Und die so reden über ihn, die sagen das mit Hochachtung von einem Genossen, der stets zur Stelle war in Wahlkämpfen oder auch bei Festen und größeren Versammlungen. Auf ihn war Verlass.

Dabei hielt er fest an einmal gewonnenen Überzeugungen, dass die Welt nämlich zu bessern sei, dass Sozialismus und Freundlichkeit im Umgang miteinander dabei eine Rolle zu spielen hätten, und dass man selber etwas tun müsse, damit auch was wird. Dogmatisch war er dennoch nicht, allein deshalb nicht, weil ihn die Niederlage des Sozialismusversuchs im kleineren Teil Deutschlands nicht nur betroffen hat, sondern vor allem dafür sorgte, bisher scheinbar sicheres Wissen zu bedenken und Neues zu lernen. Lange Reden waren seine Sache nicht, Drumherumrederei ohnehin nicht. Empfindlich beim Einstecken der Rückschläge war er nicht, jedoch äußerst empfindsam gegenüber ungerechten oder ideologisch vorgeprägten Urteilen gegenüber anderen Menschen.

Gemeinsam mit seiner 2014 viel zu früh verstorbenen Frau Eva lebte er in den letzten Jahren dafür, den durch die Nazis in Senftenberg verfolgten und ermordeten Jüdinnen und Juden ein ehrendes Andenken zu bewahren. Für die Aktion „Stolpersteine für Senftenberg“, von Eva Klein während einer Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung im Januar 2006 ins Leben gerufen, engagierte sich Siegfried Klein auch nach ihrem Tod zielstrebig und zunehmend ungeduldiger werdend. Eva Klein wie auch Siegfried Klein haben sich große Verdienste erworben, um die Opfer zu ehren und an ein dunkles Kapitel in der Geschichte der Stadt zu erinnern. Dabei sind Freundschaften mit Angehörigen der Opfer entstanden, die für Siegfried Klein ein großer Gewinn waren. Auch die freundschaftliche Zusammenarbeit mit Menschen unterschiedlicher Weltanschauungen an dieser gemeinsamen Aufgabe, so betonte er immer wieder, trug zu einer neuerlichen Horizonterweiterung bei.

Wenige Tage nach seinem 77. Geburtstag ist Siegfried Klein gestorben. Unser Mitgefühl ist bei seinen Angehörigen und engsten Freunden. Wir trauern mit ihnen und mit allen, die Siegfried Klein als gütigen, hilfsbereiten und geradlinigen Menschen kannten.

Wir werden ihn vermissen.

Cathleen Bürgelt und Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann

(PDF-Datei)

 

 

31. Oktober 2016

Dorffest in Atterwasch

Auch in diesem Jahr lädt das Bündnis für Heimat und Zukunft in Brandenburg am Reformationstag nach Atterwasch ein. Das Fest in dem vom Braunkohletagebau bedrohte Dorf steht unter dem Motto "Reformation jetzt".

Hintergrund dafür ist die These des Wirtschaftswissenschaftlers Christian von Hirschhausen, die Energiewende sei die Reformation des 21. Jahrhunderts. Daraus leitet sich die Forderung ab nach "einer grundlegenden Erneuerung der brandenburgischen Energiepolitik, die die Zerstörung weiterer Dörfer, Äcker, Wiesen und Wälder verbindlich ausschließt".

Zum Programm heißt es auf der Homepage:

"Um 10 Uhr beginnt die Veranstaltung in der über siebenhundert Jahre alten Feldsteinkirche von Atterwasch mit einem Gottesdienst zur Bewahrung der Schöpfung, den der langjährige Pfarrer Mathias Berndt hält. Anschließend wird ein Film über die zu DDR-Zeiten unter großen Mühen errichtete Kerkwitzer Kirche gezeigt, mit dem das ebenfalls vom Tagebau bedrohte Nachbardorf nächstes Jahr am offiziellen Stationenweg des Reformationsjubiläums teilnehmen wird. Gegen 11.30 Uhr können die Besucher sich bei Bratwurst, Schmalzstullen, Kürbissuppe und warmen Getränken stärken, die von der Freiwilligen Feuerwehr und den Landwirtschaftsbetrieben angeboten werden.

Als Höhepunkt des Dorffestes geplant ist ein Podiumsgespräch über den Strukturwandel in der Lausitz – ohne neue Tagebaue – an dem Wirtschaftsminister Albrecht Gerber, EPH-Eigentümer Daniel Kretinsky, Grüne-Liga-Sprecher Rene Schuster und die aus Atterwasch stammende Kreistagsvorsitzende Monika Schulz-Höpfner teilnehmen sollen. Während die beiden letztgenannten Teilnehmer bereits zugesagt haben, steht die Antwort von Gerber und Kretinsky noch aus. „Wir sind gespannt, wie ernst die Landesregierung und EPH den angekündigten Dialog mit den betroffenen Dorfbewohnern nehmen“, sagte Bauernbund-Geschäftsführer Reinhard Jung, der das Podiumsgespräch moderieren wird.

Als weitere Gäste erwartet werden Anna Dziadek von der erfolgreichen Bürgerinitiative gegen den geplanten Tagebau Gubin in Polen und Dagmar Schmidt, Vorsitzende des Vereins Lausitzer Perspektiven. Am Nachmittag klingt das Dorffest bei Kaffee und Kuchen aus und es besteht Gelegenheit, sich in geselliger Runde über die nächsten Aktionen zur Verteidigung der Heimat zu verständigen."

 

 

27. Oktober 2016

In der Sonne von Bozen. Das Siegesdenkmal in Bozen und sein Dokumentationszentrum als Versuch, die komplexe Geschichte des Faschismus in Südtirol zu verarbeiten

Beitrag in der November-Ausgabe der österreichischen Monatsschrift "Volksstimme. Politik und Kultur"

Völlig zu Recht erhielt das im Oktober 2014 eröffnete Warschauer Museum „POLIN – Museum zur Geschichte der polnischen Juden“ den Europäischen Museumspreis 2016, denn hier werden neue Maßstäbe bei der Vermittlung historischer Zusammenhänge gesetzt. Auch unter museumspädagogischen und gestalterischen Geschichtspunkten hat dieses Museum Herausragendes zu bieten.

Dazu passt scheinbar gar nicht, dass die internationale Expertengruppe zur Verleihung dieses begehrten Preises auch ein vor zwei Jahren eröffnetes sehr umstrittenes Museum mit einer lobenden Erwähnung bedachte, nämlich das Dokumentationszentrum unter dem sanierten faschistischen Siegesdenkmal in Bozen. 

Nach dem Besuch in Warschau und in Bozen hat sich Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann für die österreichische Monatsschrift "Volksstimme. Politik und Kultur" in einem längeren Beitrag mit beiden Ansätzen zu einer modernen Gedenkkultur auseinandergesetzt. Dieser Beitrag erscheint in der aktuellen November-Ausgabe und kann auch hier eingesehen werden.

 

 

16. September 2016

Argumentationstraining gegen rechte und rassistische Positionen

Einladung zum Workshop während der Interkulturellen Woche in Lübbenau

Zugleich zur steigenden Zahl geflüchteter Menschen, die aktuell in Deutschland Asyl suchen, ist eine Zunahme rassistischer Parolen und Mobilisierungen in allen Teilen der Bevölkerung zu beobachten. Asylfeindliche und rassistische Positionen finden sich in medialen Debatten ebenso wie in Auseinandersetzungen im unmittelbaren sozialen und politischen Umfeld. Dies stellt demokratische Akteure und Akteurinnen vor neue Herausforderungen.

Um diesen Herausforderungen gemeinsam zu begegnen, bieten die Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg und das Kommunalpolitische Forum Brandenburg ein Argumentationsseminar an - gestaltet von Juliane Lang (M.A. Gender Sudies/Erziehungswissenschaft) und Timm Köhler (MSc Osteuropastudien) – beide sind Teil des Teams von „Gegenargument – Ein Argumentationsseminar“.  

Der vierstündige Workshop an der Bunten Bühne Lübbenau (Güterbahnhofstraße 57-61, 03222 Lübbenau/Spreewald) gibt ein Überblick zu rechten und rassistischen Argumentationstechniken. Ausgehend davon werden in interaktiver Diskussion eigene Gesprächsstrategien erarbeitet. Wichtiger Teil des Seminars ist es, Gegenargumente und Gesprächstechniken zu erproben.

Das Angebot richtet sich an alle, die sich klar gegen Rassismus und Ausgrenzung einsetzen wollen und sich hierfür ein argumentatives Training wünschen. Eintritt frei. Anmeldung ist bis 1. September erbeten unter Telefon 0331 8170432 oder per E-Mail an info@bbg-rls.de

Eine Angabe der Institution, des Engagements und der Motivation ist wünschenswert und erleichtert es den Referent_innen, den Workshop entsprechend der Wünsche der Teilnehmenden zu gestalten. 

 

 

19. August 2016

Interkulturelle Woche im Landkreis: "Vielfalt. Das beste gegen Einfalt"

Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz hat auch in diesem Jahr wieder die verschiedenen Aktionen koordiniert, die im Rahmen der INTERKULTURELLEN WOCHE 2016 stattfinden. Zum Start hat der Landkreis eine Pressemitteilung veröffentlicht, darin heißt es: "Unter dem Motto 'Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt' wartet der Landkreis Oberspreewald-Lausitz gemeinsam mit verschiedenen Institutionen und Kommunen erneut mit zahlreichen vielseitigen Veranstaltungen auf, die allesamt das Zusammenleben in Vielfalt auf Basis der Grund- und Menschenrechte signalisieren. Das Programmheft mit Veranstaltungen vom 19. August bis 28. Oktober ist erschienen [...].  Auf dem Programm stehen neben romantischem Kino unter dem Sternenhimmel viele spannende Ausstellungen, Konzerte, ausgelassene Familienfeste, interessante Gesprächsabende, sportliche Wettkämpfe ebenso wie märchenhafte und kulinarische Weltreisen – alles unter dem Motto 'Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt'. 'Das ist ein starkes Motto für das Jahr 2016. Es zeigt: Die Zivilgesellschaft ist stark und selbstbewusst – die Vielfalt wird sich durchsetzen gegen die Einfalt. Es ist ein Motto, das bewusst die Millionen Menschen stärkt, die sich für ein Zusammenleben in Vielfalt auf der Basis von Grund- und Menschenrechten einsetzen', so Kathrin Tupaj, Integrationsbeauftragte der Kreisverwaltung Oberspreewald-Lausitz."

Auch das Lausitzbüro der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg beteiligt sich mit drei Veranstaltungen daran:

  • DO, 15.08.2016, 19 Uhr: Sorben/Wenden im 'vormundschaftlichen Staat' 1947 bis 1961 - Vortrag und Gespräch mit Dr. Pětš Šurman (Historiker, Sorbisches Institut) und Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann (Philosoph) in Tenglers Buchhandlung in Senftenberg 
  • FR, 16.09.2016, 16 Uhr: Argumentationstraining gegen rechte und rassistische Positionen - in Kooperation mit dem Kommunalpolitischen Forum im Land Brandenburg in der Bunten Bühne Lübbenau 
  • FR, 14.10.2016, 19 Uhr: "Windrad auf dem Dach" - literarisch-musikalischer Abend mit dem sorbischen Schriftsteller Jurij Koch und dem Sänger und Komponist Matthias Kießling im Bürgerhaus Wendische Kirche in Senftenberg 

Zum kompletten Programm als PDF-Datei ...

Die Broschüre gibt es auch auf den Internetseiten des Landkreises, der mitwirkenden Kommunen, Vereine und Initiativen sowie in gedruckter Form in den teilnehmenden Einrichtungen und im Bürgerbüro der Kreisverwaltung. Das Bürgerbüro befindet sich im Glasbau am Standort Dubinaweg in Senftenberg (MO-DO: 8-18 Uhr, FR: 8-15 Uhr). 

 

 

25. August 2016

Sorben/Wenden im "vormundschaftlichen Staat" 1947 bis 1961

Pětš Šurman während seines Vortrags im Hof von Tenglers Buchhandlung, moderiert wurde der Abend von Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann

Bericht zur Veranstaltung von Monika Auer

"Sorben/Wenden im „Vormundschaftlichen Staat“ 1947 bis 1961 – Vortrag und Gespräch mit Dr. Pětš Šurman, Historiker am Sorbischen Institut, so lautete die Einladung des Lausitzbüros der Rosa- Luxemburg-Stiftung Brandenburg zu einer Veranstaltung innerhalb der Reihe „Reden über Philosophie, Kunst und Politik“ am 25. August 2016 in Tenglers Buchhandlung in Senftenberg. Grundlage des Vortrags sollte das kürzlich erschienene Buch von Pětš Šurman sein: Sorbische Interessen und staatliche Minderheitenpolitik in der DDR. Quellenedition (1947 – 1961), Bautzen 2016.

Etwa zwanzig Interessierte, darunter Mitglieder der Domowina-Ortsgruppe Senftenberg, waren gekommen. Die Anwesenden waren auf Wissenschaftliches gefasst, auf Sachlichkeit und Strenge in verwendeten Dokumenten, so wie es sich für einen Historiker geziemt. Gerd-Rüdiger Hoffmann, Moderator und Gesprächspartner sagte in seiner Begrüßung, als er auf das Buch verwies, etwas provokatorisch: „Es handelt sich sicherlich nicht um ein spannendes Buch, das man zu Weihnachten verschenken kann und in einem Zug durchliest.“ Damit hatte er nur teilweise recht. In einem Zug durchlesen kann man dieses Werk vermutlich nicht, aber es wurde ein spannender Abend.

Pětš Šurman, der 1997 an der Freien Universität Berlin zur sorbischen nationalen Bewegung nach dem Zweiten Weltkrieg promoviert hat, konnte anhand der 190 veröffentlichten Dokumente, seines umfangreichen Quellenstudiums sowie seines großen Hintergrundwissens vieles beleuchten, was zum Teil als gegensätzliche Positionen beim Betrachten der Minderheitenpolitik der DDR aufeinanderprallt. Viele Vorurteile und Gerüchte wurden angesprochen und die Zuhörer erfuhren interessante Fakten. Zum Beispiel, dass es in Sachsen bereits 1948 ein vom Parlament beschlossenes Sorbengesetz gab, in Brandenburg hingegen im September 1950 eine Sorbenverordnung durch die Regierung beschlossen wurde oder dass die Domowina als Dachverband sorbischer Vereine unter der sowjetischen Besatzungsmacht eine sorbische Massenorganisation wurde, die bis zum Ende der DDR, anders als Parteien und andere Massenorganisationen, nie Mandatsträgerin war. Auch dass es ein Programm „Zweisprachige Lausitz“ gab, in dessen Folge die zweisprachige Beschilderung von Orten, Bahnhöfen und staatlichen Einrichtungen vorgenommen wurde, die vermutlich in den 1970er Jahren sang- und klanglos verschwand, so auch in Senftenberg, weil dann von der „Sozialistischen Lausitz“ die Rede war.

Gerade auch im Hinblick auf die Wiederaufnahme Senftenbergs ins angestammte wendische/sorbische Siedlungsgebiet waren die Ausführungen von Dr. Šurman hochinteressant, wie viele Nachfragen bewiesen. In Senftenberg hat sich in den letzten drei Jahren eine rege Beschäftigung mit sorbischer Sprache und Geschichte entwickelt, zunächst ausgehend von wenigen, die aber immer mehr Interessenten fand. Die Vorträge sind sehr gut besucht, die wöchentlichen Gesprächskreise und die Intensivlehrgänge der Schule für niedersorbische Sprache und Kultur Cottbus werden seit Jahren angenommen und in den Ortsteilen lebt wendisches/sorbisches Brauchtum ganz selbstverständlich fort.

Vor fast zwei Jahren wurde ein Domowina-Ortsverband in Senftenberg gegründet. Günter Paulisch, Impulsgeber und Gründungsmitglied, drückte sein dringendes Anliegen an diesem Abend so aus: „Wie können wir unseren Mitmenschen vermitteln, dass die Sorben eine wichtige Nationalität in Deutschland sind und nicht nur ein kultureller Verein?“

Der Grundtenor bei den meisten an diesem Abend war, dass Schutz und Förderung von Minderheiten eine große Bereicherung für die jeweiligen Regionen darstellt, sprachlich, kulturell, touristisch, wirtschaftlich und dass es nicht auf die Anzahl der Menschen in einem Gebiet ankommt, die sich zu einer Minderheit bekennen. Europäische Vereinbarungen, die Gesetzeskraft in Deutschland haben, verbieten genau dieses, nämlich Minderheitenfragen allein durch Mehrheitsentscheid zu beschließen.

Die Senftenberger Domowina-Ortsgruppe wird jedenfalls nicht aufhören die Chancen dieses Vorhabens für die Region zu vermitteln."

Bericht als PDF-Datei ...

Auch das Lausitz-Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung wird sich dieser Aufgabe weiterhin annehmen, am 14. Oktober 2016 ist so zum Beispiel der sorbische Schriftsteller Jurij Koch zu Gast bei einer Veranstaltung in Senftenberg und stellt seine Tagebuchaufzeichnungen vor, musikalisch kommentiert von Matthias Kießling.

 

 

28. Juli 2016

Senftenberger Schülerinnen und Schüler bitten um Spenden für die Verlegung von sieben Stolpersteinen im November 2016

Im Rahmen des Projekts „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ hat eine Gruppe von Schülerinnen und Schüler der Bernhard-Kellermann-Oberschule Senftenberg gemeinsam mit der Schulsozialarbeiterin Veronika Pohl und mit Unterstützung von Cathleen Bürgelt vom Lausitzbüro der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg das Schicksal der beiden Senftenberger Familien Jacobowitz und Marcus recherchiert, die aufgrund ihrer jüdischen Wurzeln in der Zeit des Nationalsozialismus diffamiert, ausgegrenzt und verfolgt wurden – und sich durch ihre Flucht nach Palästina bzw. nach China zum Teil noch rechtzeitig retten konnten.

Im Ergebnis dieses Schulprojektes werden am Freitag, dem 11. November 2016, sogenannte STOLPERSTEINE zum Gedenken an das Schicksal der Familien in Senftenberg verlegt werden.

Die Idee der STOLPERSTEINE geht auf den Kölner Künstler und Bildhauer Gunter Demnig zurück. Vor dem letzten selbst gewählten Wohnort werden kleine Messingtafeln in den Gehweg eingelassen, auf denen geschrieben steht: „Hier wohnte ...“. Gunter Demnig sagt: „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“

In diesem Sinne wurden seit 2007 in Senftenberg und Hörlitz bereits vierzehn STOLPERSTEINE zur Erinnerung an Bürgerinnen und Bürger verlegt, die während der Zeit des Nationalsozialismus aus religiösen, politischen oder anderen Gründen ausgegrenzt, verfolgt und ermordet wurden. 

Nun können im Herbst 2016 durch die Arbeit des Schülerinnen und Schüler sieben weitere STOLPERSTEINE verlegt werden, und zwar für Max Jacobowitz, Lea Elisa Jacobowitz, Charlotte Jacobowitz und Günther Stefan Jaobowitz sowie für Ludwig Marcus, Else Marcus und Edith Marcus.

Die Verlegung eines Stolpersteines kostet 120 Euro, womit der Künstler die gesamten Kosten abgedeckt, die für die Erstellung und Prägung Steines, die Koordination, seine Mitarbeiter, die Anreise usw. entstehen.

Aus diesem Grund bitten die Schülerinnen und Schüler sehr freundlich um Spenden. Auch kleine Beträge sind gern willkommen – wie bei den bisherigen Verlegungen auch empfinden wir es ein schönes Symbol, wenn die Stolpersteine durch Spenden der Bürgerinnen und Bürger finanziert würden.

Wir danken ganz herzlich für Ihre Unterstützung.

Spendenquittungen können bei Angabe der Adresse gern ausgestellt werden, entweder auf der Überweisung oder nachrichtlich an die Schulsozialarbeiterin Veronika Pohl.

Schulförderverein der Bernhard-Kellermann-Oberschule e.V.

IBAN: DE31 1805 5000 3010 0129 09

Stichwort: Stolpersteine

Vielen Dank für die Unterstützung.

Bei Fragen können Sie sich gern an uns wenden.

* Veronika Pohl // Schulsozialarbeiterin an der Bernhard-Kellermann-Oberschule, Telefon: 03573-3637715

* Cathleen Bürgelt // AG Stolpersteine für Senftenberg, c/o Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg, Regionalbüro Lausitz, E-Mail: stolpersteine.senftenberg@gmx.de, Telefon: 0176-20548695

Spendenaufruf als PDF-Datei ...

 

 

22. Juli 2016

"SATKULA oder die Wa(h)re Landschaft" - Ausstellung von Karl Vouk in der Liesker Kirche

bis zum 17. August 2016 in der Kirche zu Lieske/Lěska (SOA/SO von 10-12 Uhr und 14-16 Uhr sowie nach Absprache)

Das Serbski muzej Chóśebuz/Wendisches Museum Cottbus ist vom 22. Juli bis 17. August 2016 mit einer Ausstellung zu Gast in der Kirche in Lieske/Lěska, die den Zyklus SATKULA des Künstlers Karl Vouk zeigt. 

Seit 2013 beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Natur und hat in der nun ausgestellten Werkserie verbriefte (Verfassung-)Rechte mit Fotografien in Kontrast gesetzt, die den Raubbau an der Natur und die Zerstörung der Kultur der Sorben/Wenden als Folge der Braunkohletagebaue in der Lausitz dokumentieren.

Alle Interessierten sind zur Eröffnung der Ausstellung "KARL VOUK. SATKULA oder die Wa(h)re Landschaft" am Freitag, dem 22. Juli 2016, sehr herzlich um 18 Uhr in die Kirche nach Lieske/Lěska eingeladen. Zur Eröffnung sprechen Pfarrer i. R. Dieter Schütt (Kirchgemeinde Lieske), Christina Kliem (Wendisches Museum Cottbus), Sabine Sieg (Stiftung für das sorbische Volk) und der Künstler Karl Vouk. 

Zudem wird eine Klanginstallation von Gregor Kliem (Leipzig) zu erleben sein, an der Orgel Arnold Rißler. 

Die Ausstellung kann jeweils samstags und sonntags von 10 bis 12 sowie von 14 bis 16 Uhr in der Kirche in Lieske/Lěska besichtigt werden - oder aber andere Termine sind nach Absprache möglich (Telefon: 035751 12690 oder 035751 1209).  

Zur Einladung ... 

 

 

31. August 2016

Wissenschaftlich-publizistischer Förderpreis der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg

Bewerbungsfrist endet am 31. August 2016

Jährlich schreibt die Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg einen Förderpreis aus, um damit junge Autor_innen oder Künstler_innen, deren Werk sich mit der Gesellschaft im Sinne Rosa Luxemburgs beschäftigt, zu unterstützen.

Wer nicht älter als 35 Jahre ist und ein wissenschaftliches , publizistisches  oder künstlerisches Werk geschaffen hat, das als fertiges Manuskript vorliegt und auf seine Veröffentlichung wartet, kann sich um den Förderpreis bestehend aus einem Preisgeld in Höhe von 500 Euro, der Übernahme der Druckkosten für eine Publikation mit bis zu 250 Seiten (bei Texten) sowie 20 freien Autorenexemplaren bewerben. Die Bewerbungsfrist endet am 31. August.

Weitere Informationen zum Preis und zu den Bewerbungsanforderungen ... 

 

 

5. August 2016

Einladung zum musikalisch-philosophischem Abend mit Jörg KO Kokott

Das Regionalbüro Lausitz lädt gemeinsam mit Tenglers Buchhandlung sehr herzlich ein zu einem musikalisch-literaischen Abend mit dem Sänger, Mimen, Gitarrist, Komponist und Textautor Jörg KO Kokott - am Freitag, 5. August 2016, ab 19 Uhr, bei schönem Wetter im Hof von Tenglers Buchhandlung am Markt 11 in Senftenberg.

GENIESSEN ODER KONSUMIEREN?

„Konsumieren ist eine Form des Habens, vielleicht die wichtigste in den heutigen ‚Überflussgesellschaften’...“, schreibt Erich Fromm in seinem 1976 erschienenen Buch „Haben oder Sein“, das in der deutschen Übersetzung den Untertitel trägt „Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft“. Und weiter heißt es bei ihm: „Der moderne Konsument könnte sich mit der Formel identifizieren: Ich bin, was ich habe und was ich konsumiere.“ Genuss jedoch, das stellt Fromm immer wieder klar, ist etwas Anderes. Wenn wir noch kurz auf philosophischer Ebene bleiben wollen, dann sollten wir es mit Immanuel Kant halten. In seiner Schrift „Kritik der Urteilskraft“ (1790) hebt er mahnend den Zeigefinger und schreibt, dass das Genießen das Wort sei, „womit man das Innige des Vergnügens bezeichnet“.

So betrachtet ist Konsum im Vergleich zum Genuss eine recht passive Angelegenheit. Genießer sind wohl eher, sogar mit allen Sinnen, die aktiveren Zeitgenossen. Apropos „Genossen“: Wegen des ritualisierten Umgangs mit diesem Wort kaum zu glauben, dennoch wahr, „Genuss“ und „Genosse“ kommen aus dem Althochdeutschen und sind wortverwandt. Genossen sind hier ursprünglich Menschen, die gemeinsame Erfahrungen haben, gemeinsam genießen und nützen wollen und die sich aufeinander verlassen können.

Und davon singt Jörg KO Kokott? Nein, das nicht, aber auf solche Gedanken kann man bei seinem Programm „Genuss“ durchaus kommen und darüber zu reden wird bei dieser Veranstaltung von Tenglers Buchhandlung und Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg ausreichend Gelegenheit sein.

KO Kokott, der exzellente Gitarrist und Sänger mit der eigenartig schönen warmen Stimme, kann in Senftenberg erneut mit großer Anhängerschar rechnen. Mit Hingabe und Genuss zeigt er in diesem Programm, dass es keine Sünde ist zu genießen. Gerade in unserer hektisch beschleunigten Zeit tut es gut, sich seinen Texten, Anekdoten und Liedern zu widmen und sich zum Genießer verwandeln zu lassen.

Bei schönem Wetter findet die Veranstaltung auf dem Hof der Buchhandlung statt. Restkarten gibt es noch in der Buchhandlung (Markt 11, 01968 Senftenberg/Zły Komorow; Telefon: 03573 794570). Für den ursprünglich geplanten Termin am 31. Mai 2016 erworbene Karten sind weiterhin gültig.

Einladung als PDF-Datei ...

 

 

1. Juli 2016

Schulprojekt präsentiert Stolperstein-Recherchen zu zwei Senftenberger Familien

außerdem: Aufführung der szenischen Lesung "Rutkas Tagebuch" mit Schüler_innen der Bernhard-Kellermann-Oberschule

Die Bernhard-Kellermann-Oberschule Senftenberg und die Arbeitsgruppe "Stolpersteine für Senftenberg" laden sehr herzlich ein zu einer Veranstaltung, die am Freitag, 1. Juli 2016, ab 10 Uhr, in der Aula der Bernhard-Kellermann-Oberschule (Bernhard-Kellermann-Str. 2a, 01968 Senftenberg) stattfinden wird. 

An diesem Vormittag werden Schülerinnen und Schüler die Ergebnisse ihrer Recherchen vorstellen, die sie im vergangenen Schuljahr zu den beiden Senftenberger Familien Jacobowitz und Marcus unternommen haben. Im Rahmen des Projekts „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ beschäftigten sie sich mit dem Schicksal der beiden Familien, die aufgrund ihrer jüdischen Wurzeln in der Zeit des Nationalsozialismus diffamiert, ausgegrenzt und verfolgt wurden – und sich durch ihre Flucht nach Palästina bzw. nach China zum Teil noch rechtzeitig retten konnten.

Die Schülerinnen und Schüler werden auch das Vorhaben präsentieren, am 11. November 2016 Stolpersteine zum Gedenken an diese Senftenberger Bürgerinnen und Bürger zu verlegen. 

Im Anschluss an die Präsentation besteht am 1. Juli auch die Möglichkeit, die Aufführung von „Rutkas Tagebuch“ mitzuerleben. Es handelt sich dabei um ein außergewöhnliches Schultheaterprojekt, das ebenfalls an der Bernhard-Kellermann-Oberschule im vergangenen Jahr und mit Unterstützung der Rosa-Luxemburg realisiert werden konnte. Zwei Schülerinnen und ein Schüler haben sich unter der Regie des Dramaturgen Karl H. Gündel (Dresden) mit den Tagebuchaufzeichnungen des jüdischen Mädchens Rutka Laskier aus dem polnischen Ghetto Będzin auseinandergesetzt und eine szenische Lesung erarbeitet. Die lückenhaften Aufzeichnungen erfassen den Zeitraum zwischen Januar und April 1943. Sie enden abrupt mit dem Abtransport eines Großteils der Familie in das Vernichtungslager Auschwitz. „Rutkas Tagebuch“ ist keine Heldengeschichte, sondern ein Menschenschicksal, das unter bestimmten Bedingungen jedem zustoßen kann. Dieser Gedanke ist auch der dramatische Ansatzpunkt der szenische Lesung: Zwei Mädchen von heute, die durch eine anonyme Macht ihres normalen Alltages beraubt werden, bis sie nur noch Nummern ohne Namen sind.

Der Bürgermeister der Stadt Senftenberg, Andreas Fredrich, wird am 1. Juli als Schirmherr des Projektes „Schule ohne Rassismus“ ebenfalls anwesend sein und zu den Gästen sprechen.

Wer Interesse hat, an der Veranstaltung teilzunehmen, wird sehr freundlich gebeten, sich anzumelden: 

* per E-Mail an stolpersteine.senftenberg@gmx.de oder 

* per Telefon unter 03573-3637715.

Die Einladung als PDF-Datei ... 

 

 

9. Juni 2016

Vortrag zu verschiedenen Definitionsvarianten des sorbischen/wendischen Siedlungsgebietes

Veranstaltung der Niedersorbischen Sprachschule im Bürgerhaus Wendische Kirche mit Měto Nowak

Sorbisches/Wendisches Siedlungsgebiet vor der Novellierung des Sorben/Wenden-Gesetzes (aus: Nowy Casnik vom 8.1.2013)

Die Schule für Niedersorbische Sprache und Kultur lädt herzlichein zu einer Veranstaltung im Bürgerhaus Wendische Kirche in Senftenberg. Am Donnerstag, dem 9. Juni 2016, wird das Mitglied des Rates für sorbische/wendische Angelegenheiten beim Landtag Brandenburg, Měto Nowak, einen Vortrag zu den verschiedenen Definitionen des Siedlungsgebietes der Sorben/Wenden im Land Brandenburg halten.

Das so genannte angestammte Siedlungsgebiet der Sorben/Wenden ist ein oft emotional und heiß diskutiertes Thema, was gerade in den vergangenen Monaten im Zuge der Novellierung des Sorben/Wenden-Gesetzes in Brandenburg noch einmal deutlich wurde. Doch wie wurde dieses Gebiet und von wem festgelegt und wo genau liegt es? Welche Kriterien gelten heute und welche Auswirkungen hat dies?

In der Veranstaltung werden unterschiedliche Definitionsvarianten und Darstellungen aus wissenschaftlicher, kultureller, wirtschaftlicher und politisch-juristischer Perspektive mit dem Schwerpunkt im 20./21. Jahrhundert vorgestellt.

Die Veranstlatung beginnt um 19 Uhr, der Eintritt beträgt 4,50 Euro.

Zum Thema passend sei an dieser Stelle auch auf die Ausarbeitungen von Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann verwiesen, die auf der Themenseite zum Sorben/Wenden-Gesetz eingesehen werden können.

 

 

4. Juni 2016

Stresstest für dubiosen Braunkohle-Käufer gefordert

Möglichkeit zur Mitzeichnung einer Petition an den Brandenburgischen Finanzminister

Auf Campact kann man gegenwärtig eine Petition unterzeichnen, die den Brandenburgischen Finanzminister Christian Görke (DIE LINKE) auffordert, den Energiekonzern einem Stresstest zu unterziehen.

An EPH soll die Braunkohlesparte von Vattenfall verkauft werden - obgleich unklar ist, ob der Konzern überhaupt in der Lage ist, mögliche Folgekosten der Tagebaue zu tragen, und ob die von Vattenfall gebildeten Rücklagen dafür auch gesichert werden können.  

Hier geht´s zur ausführlichen Petition, Hintergründen und zur Möglichkeit, diese zu unterzeichnen.

Die "Grüne Liga. Netzwerk ökologischer Bewegungen" hat auf ihrer Homepage in den letzten Wochen ausführlich über die Hintergründe des Verkaufs der Braunkohlesparte berichtet und dabei unter anderem auch von der April-Sitzung des Braunkohlenausschusses in Cottbus/Chóśebuz berichtet, auf der das Wirtschaftsministerium des Landes Brandenburg einräumen musste, dass die Rekultivierungskosten der Tagebaue bei einem Verkauf an die tschechische EPH letztlich vom brandenburgischen Steuerzahler bezahlt werden könnten. Die Behörden haben die Möglichkeit einer Sicherheitsleistung ungenutzt gelassen und damit die Gefahr eines weiteren Milliardengrabs gerade nicht gebannt.

Weitere Informationen dazu ...

Zu vielen Informationen zum Verkauf der Braunkohlensparte ...

 

 

9. Mai 2016

Łužyski camp – Lausitzer Klima- und Energiecamp vom 9. bis 16. Mai 2016 in Proschim/Prožym statt

Pfingstsamstag große Demonstration für den Kohleausstieg

Bereits zum sechsten Mal findet gegenwärtig das Łužyski camp – Lausitzer Klima- und Energiecamp statt, vom 9. bis 16. Mai 2016 in Proschim/Prožym. 

Wir zitieren hier die Pressemitteilung der Organisator_innen: 

"Am Montagabend, den 9. Mai 2016, wird um 19:30 das 6. Lausitzer Klima- und Energiecamp im Proschim (Welzow) eröffnet. Das Dorf Proschim ist derzeit vom neuen Tagebau Welzow Süd II bedroht und steht damit sinnbildhaft für die zerstörerischen Folgen des Braunkohleabbaus in der Lausitz. KlimaaktivistInnen aus ganz Deutschland und Europa werden dort vom 9. bis 16. Mai ihre Zelte für das Lausitzcamp aufschlagen.

Auch in diesem Jahr hat das Organisationsteam des Camps ein vielseitiges Programm gestaltet. Neben politischen Workshops und Vorträgen zum Kohleabbau, zu erneuerbaren Energien und verschiedenen anderen gesellschaftskritischen Themen wie dem Handelsabkommen TTIP, finden auch ein Volleyballturnier, ein Theaterstück sowie vielfältige Aktionsworkshops statt. Einer der diesjährigen Höhepunkte des Camps ist eine gemeinsame Demonstration aus einem breiten Bündnis verschiedener Organisationen und Initiativen am 14. Mai gegen neue Tagebaue. „Wir freuen uns auf ein abwechslungsreiches Camp. Wir werden durch Aktionen, aber auch durch Information und Austausch ein starkes Zeichen gegen den Braunkohleabbau setzen“, sagt Josephine Lauterbach aus dem Organisationteam des Lausitzcamps. 

Klimaschutz braucht Kohleausstieg

Das Lausitzcamp richtet sich gegen die Verbrennung von Kohle als eine der größten Ursachen der globalen Erderwärmung. Um den Klimawandel zu bremsen, müssen mindestens 80 Prozent der weltweit bekannten fossilen Ressourcen im Boden bleiben. Trotz des neuen Klimaabkommens von Paris wird in Deutschland, vor allem in Brandenburg und Sachsen, weiterhin eine kohlefreundliche Politik betrieben. Der nun bevorstehende Verkauf von Vattenfalls Braunkohlesparte an den tschechischen Energieriesen EPH wird die Förderung der Lausitzer Braunkohle auf Jahrzehnte hin fortsetzen. „Diese Investition in die Lausitzer Braunkohle ist eine klimapolitische Katastrophe“, so Josephine Lauterbach. Vor dem Hintergrund der massiven Gefahren durch eine weltweite Klimaveränderung fordert das Lausitzcamp einen sozial- und umweltverträglicher Kohleausstieg.

Neue Investoren kaufen also nicht nur einen Industriezweig ohne Zukunft, sie kaufen auch den Widerstand vor Ort mit, den das Lausitzcamp seit 2011 unterstützt. „ Angesichts der Dringlichkeit der voranschreitenden Erderwärmung mit ihren katastrophalen Folgen für Menschen und Ökosysteme halten wir den friedlichen Protest, also auch Zivilen Ungehorsam, gegen die Kohleverstromung sowie Blockaden gegen die Kohleinfrastruktur für notwendig und legitim. Protestaktionen richten sich jedoch nicht gegen die die Arbeiter*innen der Kohleindustrie oder gegen die Polizei“, stellt Marvin Kracheel, ebenfalls Mit-Organisator des diesjährigen Camps, klar. 

Das Lausitzer Klima und Energiecamp ist Teil des breiten Widerstands gegen die zerstörerische Politik von Vattenfall und weiterer Braunkohleinvestoren und setzt sich für eine ökologische, demokratische und soziale Energieversorgung ein. Damit versteht es sich als Teil der internationalen Klimagerechtigkeitsbewegung."

Das Programm des 6. Lausitzer Klima- und Energiecamps finden Sie hier.

Informationen zur Demonstration am Pfingstsamstag gibt es hier

 

 

14. April 2016

Staat und Kultur - ein schwieriges Verhältnis. Oder: Kunst ist frei, steht aber unter Haushaltsvorbehalt

Ehemaliger Kulturminister und Vorsitzender des Kulturbunds Dr. Hinrich Enderlein zu Gast in Senftenberg

Das Regionalbüro Lausitz der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg e.V. lädt herzlich ein zu einer weiteren Veranstaltung in der Reihe "Reden über Philosophie, Kunst und Politik". Am Donnerstag, 14. April 2016, ist Dr. Hinrich Enderlein (Vorsitzender des Kulturbundes Brandenburg und Minister a.D.) zu Gast in Senftenberg und diskutiert mit Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann (Philosoph, Afrikawissenschaftler) zum Thema "Staat und Kultur - ein schwieriges Verhältnis. Oder: Kunst ist frei, steht aber unter Haushaltsvorbehalt". Die Veranstaltung findet in Tenglers Buchhandlung (Senftenberg, Markt 11) statt und beginnt um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. 

Nachdem der in Kleinmachnow lebende Autor und Karikaturist HARALD KRETZSCHMAR im November 2015 in der Reihe REDEN ÜBER PHILOSOPHIE, KUNST UND POLITIK in einem Vortrag Kritisches zum Thema „Auftragskunst“ kommentierte, ist diesmal der Liberale und ehemalige brandenburgische Kulturminister DR. HINRICH ENDERLEIN bei DR. GERD-RÜDIGER HOFFMANN zu Gast, um aus etwas anderer Perspektive dieses Thema fortzusetzen. Denn die Frage, welche Aufgaben der Staat bei der Förderung von Kunst und Kultur übernehmen sollte und welche besser nicht, treibt Kulturpolitikerinnen und Kulturpolitiker vor allem der Landesebene immer wieder neu um. Aber auch die Betroffenen ihrer Kulturpolitik, die Künstlerinnen und Künstler und Kulturarbeiterinnen und Kulturarbeiter, diskutieren mitunter heftig dieses Thema. Parteienstreit ist im Vergleich zu anderen Politikfeldern hier eher selten anzutreffen. Immer wieder finden sich fraktionsübergreifend Ansätze, um Probleme zu lösen oder die Haushaltspolitiker der jeweiligen Fraktionen mit etwa gleichen Fragen zu nerven. Wenn an diesem Abend ein liberaler und ein linker Kulturpolitiker diskutieren, dann stellen sich auch andere Fragen:

Was heißt in der Kulturpolitik „liberal“, was bedeutet hier „links“? Und worin besteht der Unterschied? Oder ist das die falsche Frage, die uns eine enge parteipolitische Brille aufdrängt? Geht es nicht vielmehr darum, Rahmenbedingungen für die freie Entfaltung von Kunst und Kultur zu schaffen? Und ist es nicht ohnehin so, dass die Kulturpolitikerinnen und Kulturpolitiker, egal welcher Fraktion oder Partei zugeordnet, immer wieder auch bei den eigenen Leuten als die „Sonderlinge“ im harten Politikgeschäft gelten?

Vielleicht kann es aber auch sein, dass sich dann doch linke Ansätze von liberalen unterscheiden. Gibt es auch wesentliche Unterschiede, wenn es um Musikschulen, Theaterförderung oder Museen geht? Hoffmann und Enderlein kennen sich zwar aus langer gemeinsamer Arbeit, hatten jedoch bisher wenig Gelegenheit, solche Fragen intensiver zu diskutieren. Das soll jetzt öffentlich nachgeholt werden.

HINRICH ENDERLEIN, am 9. Mai 1941 in Luckenwalde geboren; Studium der Geschichts- und Politikwissenschaften sowie Slawistik an der Universität Marburg, wissenschaftliche Arbeit am Tübinger Osteuropa-Institut; FDP-Abgeordneter im Landtag Baden-Württemberg; Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Brandenburg von 1990 bis 1994; Ehrenvorsitzender der FDP Brandenburgs seit 2006; Vorsitzender mehrerer Vereine, darunter des Kulturbundes und des Verbandes der Musik- und Kunstschulen in Brandenburg.

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4. April 2016

Die Verteidigung der Träume - Buchvorstellung mit Luc Jochimsen

19.00 Uhr, Lernzentrum Cottbus, Stadt- und Regionalbibliothek, Berliner Straße 13/14, 03046 Cottbus/Chóśebuz

Luc Jochimsen: Verteidigung der Träume, Buchcover, Quelle: Aufbau-Verlag

Eine Veranstaltung im Rahmen des 24. Cottbuser Bücherfrühlings in Kooperation mit der Stadt- und Regionalbibliothek Cottbus/Chóśebuz

Luc Jochimsen, die unbequeme Journalistin, Panorama-Moderatorin, HR-Chefin und Kultur-politikerin, zieht die Bilanz eines ganz und gar ungewöhnlichen Lebens. Sie war überall die erste Frau: als Fernsehjournalistin, in der Panorama-Redaktion, in der Chefredaktion des Hessischen Rundfunks. In der Nachkriegsmännerwelt des Journalismus setzte sie sich mit ihrer unbequemen linken Haltung, die immer die Schwachen der Gesellschaft stützte, durch und wurde zu einer der bekanntesten Journalistinnen Deutschlands. Von 2005 bis 2013 saß sie für die Linkspartei/PDS im Deutschen Bundestag und machte auch dort mit streitbaren Aktionen von sich reden.

Ihre Autobiographie schildert den Weg einer unangepassten Frau, die ihren Traum von einem gerechten und guten Leben für alle stets verteidigte.

Die Veranstaltung findet im Rahmen des 24. Cottbuser Bücherfrühlings in Kooperation mit der Stadt- und Regionalbibliothek Cottbus/Chóśebuz statt (LERNZENTRUM Cottbus, Stadt- und Regionalbibliothek, Berliner Straße 13/14, 03046 Cottbus/Chóśebuz). Beginn ist um 19 Uhr. 

Weitere Informationen auf der Internetseite des Aufbau-Verlags.

 

 

3. April 2016

Osterspaziergang gegen die Abbaggerung durch den Tagebauc Nochten II

Auch in diesem Jahr lädt das Bündnis "Strukturwandel jetzt - kein Nochten II" zu Spaziergang und Kundgebung für die Rettung der von diesem Tagebau bedrohten Dörfer ein.

Der diesjährige Osterspaziergang beginnt am 3. April um 14.00 Uhr am Bahnhof Schleife. Die Route führt wieder entlang der Straße nach Rohne hinein und biegt an der Feuerwehr/ Dorfplatz in den Trebendorfer Weg und endet am Sportplatz/an der Mehrzweckhalle. Dort findet auch die Kundgebung statt. Wer nicht so gut zu Fuß ist, kann sich um ca. 14:45 am Dorfplatz Rohne anschließen.

Das Motto der Veranstaltung „Swjěte su nam naše strony a wjeski“ bezieht sich auf eine Zeile der sorbischen Hymne.

Weitere Informationen unter www.strukturwandel-jetzt.de

 

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8. März 2016

Gruß zum Internationalen Frauentag

„Die Besonderheit der Spezies Mensch liegt in seiner außerordentlichen Fähigkeit, über seine Kräfte und Energien hinauszuwachsen, unter der Bedingung, dass er ein höheres Ziel hat.“

Dieser Satz der französischen Wissenschaftlerin, Widerstandskämpferin und Überlebende des Frauen-KZ Ravensbrück GERMAINE TILLION (1907 – 2008) fasst den gesamten Schmerz, aber auch den unbeugsamen Optimismus einer Frau zusammen, die durch die Hölle ging und sich mit aller Kraft und klugem Humor zeitlebens für ein besseres Leben und die Rechte der Frauen in der ganzen Welt einsetzte. In einer Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung mit den Schauspielerinnen SYBILLE BÖVERSEN und HANKA MARK sowie GERD-RÜDIGER HOFFMANN besteht die Möglichkeit, das Leben und Denken dieser Frau näher kennenzulernen.

Dienstag, 22. März 2016, 17 UHR, WENDISCHE KIRCHE SENFTENBERG (ab 16 Uhr Kaffee und andere Getränke zu freundlichen Preisen) 

 

 

22. März 2016

Germaine Tillion (1907-2008): Wissenschaftlerin und Widerstandskämpferin mit Leidenschaft und Verstand

Lesung und Gespräch im Rahmen der Brandenburgischen Frauenwoche mit den Schauspielerinnen Sybille Böversen und Hanka Mark sowie dem Philosophen und Afrikawissenschaftler Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann

GERMAINE TILLION gehört zu den vier Frauen, die ihre letzte Ruhestätte im Panthéon gefunden haben, jenem Ort in Paris, an dem die Helden der Nation beigesetzt werden.

Geboren wurde sie am 30. Mai 1907 in Allègre und verbrachte ihre Jugend in Clermont-Ferrand. Später studierte sie erfolgreich in Paris Ethnologie. 1934 begab sie sich auf eine erste Studienreise nach Algerien, um das Volk der Chaouis zu studieren. Bis 1940 folgten drei weitere Studienreisen.

Die Kapitulation Frankreichs und das Verhalten Marschall Pétains nach dem Überfall Deutschlands nahm sie mit Verachtung zur Kenntnis. Sie ging in den Widerstand und wurde Kommandantin der Gruppe der Résistance um das „Musée de l’Homme“ in Paris. Nach einer Denunziation erfolgte am 13. August 1942 die Verhaftung. Am 21. Oktober 1943 wurde sie in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert. Sie erhielt den Status einer „Verfügbaren“, den niedrigsten Status in der Gefangenenhierarchie, der jene Frauen bezeichnete, die jederzeit für jede beliebige Arbeit eingesetzt werden konnten. Durch ihre intellektuelle Überlegenheit und ihren Humor war sie im Lager bei Mitgefangenen hoch angesehen. Heimlich schrieb sie 1944 das Libretto zu einer makabren und doch irgendwie komischen Operette, die im Jahre 2007 anlässlich ihres 100. Geburtstages in Paris uraufgeführt wurde. Im März 1945 wurde ihre Mutter in Ravensbrück ermordet. Germaine Tillion gehörte im April 1945 kurz vor der Befreiung zu den Frauen, die durch das schwedische Rote Kreuz gerettet werden konnten.

Nach dem Krieg arbeitete sie wieder als Wissenschaftlerin, war aber auch politisch aktiv. Sie versuchte während des Algerienkrieges zwischen Befreiungskämpfern und Frankreich zu vermitteln und setzte sich schließlich für die Unabhängigkeit Algeriens ein. 1951 gründete sie gemeinsam mit anderen eine Kommission gegen Folter und Lager, die auch die Praxis der Gulag in der Sowjetunion verurteilte. Das führte zu Auseinandersetzungen mit ehemaligen kommunistischen Mitgefangenen. Sie schrieb Bücher über Ravensbrück sowie ethnologische Studien über Algerien. Am 19. April 2008 starb Germaine Tillion kurz vor ihrem 101. Geburtstag.

DR. GERD-RÜDIGER HOFFMANN (geb. 1952) wird in seinem Vortrag einzelne Facetten des Lebens von Germaine Tillion beleuchten. Die Schauspielerinnen HANKA MARK (geb. 1983) und SYBILLE BÖVERSEN (geb. 1946) lesen Auszüge aus dem Buch „Die verlorene Unschuld“ von Germaine Tillion, das 2015 in deutscher Übersetzung erschienen ist.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der diesjährigen Brandenburgischen Frauenwoche "Frauengenerationen im Wechselspiel" statt. Sie beginnt am 22. März 2016 (Dienstag) um 17 Uhr im Bürgerhaus Wendische Kirche Senftenberg (Baderstr. 10, 01968 Senftenberg), der Eintritt ist frei. 

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10. März 2016

Senftenberg ist Zły Komorow, nur beschlossen ist es (noch) nicht

Kommentar zur Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 9. März 2016 zum fraktionsübergreifenden Antrag

von Gerd-Rüdiger Hoffmann

Eine Mehrheit der in der Stadtverordnetenversammlung Senftenberg / ZłyKomorow erkennt an, dass die Stadt die gesetzlich festgelegten Kriterienfür die Zugehörigkeit zum sorbischen/wendischen Siedlungsgebiet erfüllt. Trotzdem wurde ein entsprechender Antrag abgelehnt.

Gestern, am 9. März 2016, stand als Punkt 1.15 der Stadtverordnetenversammlung Senftenberg auf der Tagesordnung „Antrag zur Feststellung der Zugehörigkeit der Stadt Senftenberg zum angestammten Siedlungsgebiet der Sorben/Wenden - Antrag mehrerer Stadtverordneter“. Das neue Sorben/Wenden-Gesetz legt fest, dass Gemeinden, die bisher nicht als Bestandteil des Siedlungsgebietes aufgelistet sind, nach Prüfung eines entsprechenden Antrages bis Mai 2016 aufgenommen werden können. Den Antrag können die Gemeinden selber, der Sorben/Wenden-Rat beim Landtag oder beide gemeinsam stellen. Die einflussreiche Mitwirkung der Kommunen wurde durch Druck der kommunalen Spitzenverbände des Landes Brandenburg erwirkt. Die Entscheidung trifft das zuständige Ministerium in Potsdam, wobei eine nochmalige Anhörung im Hauptausschuss des Landtages vorgesehen ist. Als Kriterium für die Aufnahme gilt, dass eine kontinuierliche sprachliche oder kulturelle Tradition bis zur Gegenwart nachweisbar sein muss.

Dieses Kriterium ist für Senftenberg/Zły Komorow erfüllt. Das sieht auch die Mehrheit der Stadtverordneten so, so dass damit zu rechnen war, dass der von vier Abgeordneten unterschiedlicher Fraktionen (CDU, DIE LINKE, SPD, UWS) eingereichte Antrag beschlossen wird. Es kam anders. Bei zwei Enthaltungen stimmten 14 der anwesenden Abgeordneten dafür und 14 dagegen, also Ablehnung. Ob nun Zufall oder nicht, zumindest bei den Sozialdemokraten nicht unüblich, die zwei Befürworter des Antrages in der SPD-Fraktion fehlten bei der Sitzung. Die SPD war es auch, die das Ansinnen der Initiatorin dieses Antrages Dr. Gudrun Andresen (CDU), den anwesenden Sorben/Wenden Rederecht zu erteilen, verhinderte. Damit konnten im weiteren Verlauf der Sitzung peinliche Uninformiertheit, Unkenntnis des Sorben/Wenden-Gesetzes und Falsches zum Thema „Sorben oder Wenden“ nicht richtiggestellt werden. Der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Reiner Rademann (SPD) berief sich gar auf „Empirisches“. Er hätte sich in der Stadt umgehört und nur eine Person gefunden, die der Meinung war, das könne man so machen mit dem Siedlungsgebiet. Alle anderen hätten das Ansinnen kategorisch abgelehnt. Es gäbe doch wohl andere Probleme. Klares Fazit für Rademann: Da eine Mehrheit Senftenberg nicht als Bestandteil des sorbischen/wendischen Siedlungsgebietes haben wolle, müsse es auch ein klares Votum bei den Abgeordneten geben. Damit steht dieser Abgeordnete als Musterbeispiel für die Probleme, die im Umgang mit der relativ fortschrittlichen Minderheitenpolitik des Landes Brandenburg immer wieder bei Behörden und Abgeordneten aller Ebenen zutage treten.

Zuerst ist das Unkenntnis der Gesetzeslage. So ist zum Beispiel immer wieder die Rede davon gewesen, dass doch die Domowina den Antrag stellen solle. Im Gesetz ist das natürlich nicht vorgesehen, handelt es sich doch bei der Domowina um einen Verein. Die Unkenntnis internationaler Vereinbarungen, die in Deutschland verbindlich gelten, wird nicht einmal als Defizit empfunden. Kein gutes Zeichen für den europäischen Gedanken.

Weiterhin ist erschreckend, wie die Bemühungen zur Belebung der sorbischen/wendischen Kultur der in der Stadt und in der Region lebenden Wenden ignoriert wird. Auch die Domowina-Gruppe der Stadt wurde bei Anhörungen in Fraktionen immer wieder unter Rechtfertigungsdruck gesetzt. Dabei spricht allein die Anzahl der Aktivitäten in der Stadt für sich. Vom Niedersorbisch-Unterricht an einer Oberschule, gut besuchten Sprachkursen, Lesungen, Konzerten, Ausstellungen, Vorträgen bis zum regelmäßig stattfindenden zweisprachigen Gottesdienst in der Wendischen Kirche reicht das Angebot.

Schließlich wird der tiefe Sinn der Minderheitenpolitik des Landes wohl nicht verstanden: Es ist quasi die Krone der Demokratie, wenn gegenüber Interessen von Minderheiten sehr bewusst vorgesehen ist, dass eine Mehrheit nicht die Macht der größeren Zahl in Anschlag bringen sollte, sondern dass die Minderheiteninteressen zu schützen sind.

Hier liegt der rationale Kern der „Bauchschmerzen“ von Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD), wenn er es als bedenklich ansieht, dass eine Mehrheit über eine Minderheit befinden soll. Inzwischen, so scheint es, geht auch er davon aus, dass seine Stadt die Kriterien für die Zugehörigkeit zum Siedlungsgebiet erfüllt. Wenn die Sorben/Wenden-Vertretung auf Landesebene einen entsprechenden Antrag stellt und dieser Antrag positiv vom Land beschieden wird, dann ist wohl damit zu rechnen, dass die Mehrheit der Abgeordneten und der Bürgermeister diesen Beschluss unterstützen werden. Jedenfalls betonten mehrere Abgeordnete während der Debatte, dass sie trotz ihrer Nein-Stimme in der Stadtverordnetenversammlung anerkennen, dass Senftenberg traditionell zum Siedlungsgebiet gehört. Einige würdigten auch die aktuellen Aktivitäten ihrer wendischen Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Insgesamt war es jedoch beschämend, wie wenig gerade diese Bemühungen Anerkennung fanden. Der Fraktionsvorsitzende der Fraktion DIE LINKE Wolf-Peter Hannig betont völlig zu Recht, dass eine intensive Förderung des Sorbischen/Wendischen in der Stadt allein schon aus moralischen Gründen auf der Tagesordnung stünde, weil in der Vergangenheit durch politische Systeme und den Bergbau diese Kultur regelrecht überrollt wurde.

Für die anwesenden Sorben/Wenden waren solche Beiträge ermutigende Signale, jedoch war es insgesamt deprimierend, wieder einmal als Objekte der Begutachtung durch teilweise höchst inkompetente Lokalpolitiker ohne Möglichkeit der Erwiderung lediglich einem Spektakel beizuwohnen, das nicht frei von diskriminierenden und paternalistischen Momenten war.

Förderung und Ermutigung oder wenigstens Neugierde oder meinetwegen bloß die Hoffnung, dass sich sorbische/wendische Kultur touristisch vermarkten ließe, kamen nicht zum Tragen. Man kann nur hoffen, dass sich die Sorben/Wenden der Stadt jetzt nicht entmutigt oder genervt zurückziehen. Es wäre schade, wenn alle bisher erfolgreichen Bemühungen umsonst wären. Es wäre schade, wenn viele Einwohnerinnen und Einwohner nicht einmal erfahren würden, was ihnen ohne Bewahrung und Pflege der sorbischen/wendischen Kultur entgeht. Schließlich ist hier zu lernen, wie wertvoll der gleichzeitige Umgang mit mehreren Kulturen sein kann.

Interkulturelle Kompetenz heißt das Prinzip, dass es zu fördern gilt. Nicht der Antrag spaltet oder schadet der Stadt, wie einige Abgeordnete meinten, sondern das provinzielle Gehabe einiger der lokalen Volksvertreter.

Eine Aufgabe bleibt natürlich, nämlich dafür zu sorgen, dass der Wert des Sorbischen/Wendischen für Senftenberg sinnlich erlebbar für möglichst viele wird. Diese Aufgabe kann die Minderheit nicht alleine bewältigen.

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4. März 2016

Ausstellung über Sorben/Wenden in der Lausitz - bis Ende März im Bürgerhaus Wendsiche Kirche

Besichtigung möglich MO-FR 9-12 Uhr, DO 12-18 Uhr und SOA 10-12 Uhr

Auf Initiative sorbischer/wendischer Einwohnerinnen und Einwohner Senftenbergs ist in der Wendischen Kirche bis Ende März eine Informationsschau über die Sorben/Wenden in der Lausitz zu sehen. Auf insgesamt 16 Tafeln informiert diese kleine Ausstellung über 1.400 Jahre Geschichte, Sprache, Kultur, politische Situation, Institutionen, Bildungswesen, Kunst, Literatur, Film und Bräuche der Sorben/Wenden sowie über die Geschichte der Domowina.

Es besteht also die Möglichkeit, sich in relativ kurzer Zeit mit umfangreichen Informationen zu versorgen, um selber einschätzen zu können, was das Sorbische/Wendische heute noch ausmacht und was der Region verloren ginge, würde die Tatsache ignoriert werden, dass Senftenberg nach dem neuen Sorben/Wenden-Gesetz die Kriterien erfüllt, um auch offiziell zum sorbischen/wendischen Siedlungsgebiet gezählt zu werden.

Wenn auch nicht Gegenstand der Ausstellung, so ist auch darauf hinzuweisen, dass das Sorbische/Wendische in der Stadt lebt. Davon zeugen die zahlreichen Vorträge, gut besuchte Niedersorbisch-Sprachkurse, Vorträge, Ausstellungen, Konzerte sowie Versammlungen der örtlichen Domowina-Gruppe. Die meisten Veranstaltungen sind von sorbischen/wendischen Einwohnerinnen und Einwohnern der Stadt selbst organisiert worden.

Im Grunde geht es darum, diesen Umstand als Bereicherung für alle zu begreifen, daran zu arbeiten, dass Senftenberg durch die bewusste Pflege und Präsentation der sorbischen/wendischen Kultur ein spezifisches Merkmal der Region und damit einen weiteren Glanzpunkt für Gäste und Einheimische vorweisen kann.

Die Ausstellung kam durch die freundliche Unterstützung der Sorbischen Kulturinformation LODKA (Cottbus) zustande.

Zu besichtigen ist die Informationsausstellung zu folgenden Zeiten:

Montag bis Freitag: 9 bis 12 Uhr

sowie während der Öffnungszeiten des Eine-Welt-Ladens:

Donnerstag: 12 bis 18 Uhr

Sonnabend: 10 bis 12 Uhr

Für Gruppen können weitere Termine vereinbart werden. Der Eintritt ist frei.

Einladung als PDF-Datei ...

Zu weiteren Informationen zum Sorben/Wenden-Gesetz ...

und weitere Informationen sind in der Rubrik "Themen" unter "Sorben/Wenden und Minderheitenpolitik" zusammengestellt.

Zu bisherigen Veranstaltungen des Lausitz-Büros der RLS Brandenburg zum Themenfeld ...

 

 

 

7. Dezember 2015

Zły Komorow: Warum Senftenberg zum angestammten sorbischen/wendischen Siedlungsgebiet gehört

Eine Argumentation von Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann

Gehört Zły Komorow/Senftenberg zum angestammten sorbischen/wendischen Siedlungsgebiet? Unter historischen und kulturellen Gesichtspunkten ist diese Frage recht deutlich zu beantworten: Ja, die Stadt wie das Umfeld gehören dazu. Das neue Standardwerk „Sorbisches Kulturlexikon“ belegt unter dem Stichwort „Senftenberger Region“ für ein Lexikon erstaunlich umfangreich, dass Zły Komorow/Senftenberg zum sorbischen/wendischen Siedlungsgebiet gehört und es eigentlich nur darum geht, diese Tatsache auch offiziell anzuerkennen. Auch mein Artikel im sorbischen Kulturmagazin „Rozhlad“, wenn auch aus aktuellem Anlass teilweise zu polemisch geraten, liefert Fakten zur Beantwortung dieser Frage.

Daraus zu schlussfolgern, dass der Antrag auf Zugehörigkeit der Stadt zum sorbischen/wendischen Siedlungsgebiet nur noch eine formale Angelegenheit sei, wäre jedoch ein fataler Fehler. Denn wenn auch nach den entsprechenden gesetzlichen Regelungen Zły Komorow eindeutig dem sorbischen/wendischen Siedlungsgebiet zuzuordnen ist, so ist damit noch lange nicht geklärt, wie durch einen formal richtigen Beschluss Senftenberg tatsächlich mit sorbischer/wendischer Kultur und Tradition beseelt werden kann und von den Einwohnerinnen und Einwohnern auch als Zły Komorow wahrgenommen wird. Es geht um mindestens drei Fragen, die beantwortet werden müssen bzw. wenigstens in eine durch Offenheit und Streben nach Erkenntnisgewinn gekennzeichnete Debatte geholt werden sollten, um das Sorbische/Wendische in der Stadt und im Umfeld mit Leben zu erfüllen: nach dem angestammten Siedlungsgebiet, nach dem Subjekt des Sorbischen/Wendischen und nach dem kulturellen und politischen Klima. 

Zum gesamten Text und weiteren Informationen ... 

 

 

17. Februar 2016

Polen heute: Aktuelle Fragen der Erinnerungspolitik

Dr. Holger Politt zu Gast beim Lausitz-Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg in Senftenberg

Museum des Warschauer Aufstandes (Fotos und Bearbeitung: G.-R. Hoffmann)

Im Jahre 2014 wurde das Museum der Geschichte der polnischen Juden (Muzeum Historii Żydów Polskich), inzwischen allgemein unter dem Namen POLIN bekannt, in Warschau eröffnet. Ob es sich hierbei um ein Museum im herkömmlichen Sinne handelt, das sei dahingestellt, auf jeden Fall ist es ein herausragender Ort kultureller und politischer Bildung mit einem sehr modernen Konzept. Gegenüber vom Museum befindet sich das Denkmal für die jüdischen Kämpferinnen und Kämpfer des Ghetto-Aufstandes von 1943. Natürlich ist es ein sehr emotionaler Ort, aber bewusst wird darauf verzichtet, die Museumsbesucher vor allem emotional zu „überwältigen“. Gefragt sind mündige und interessierte Besucherinnen und Besucher.

Das anlässlich des 60. Jahrestages des Warschauer Aufstandes von 1944 eröffnete Museum (Muzeum Powstania Warszawskiego) kann nicht bloß als Ergänzung zum POLIN gesehen werden, sondern stellt in gewisser Weise unter geschichtsphilosophischen und museumspädagogischen Aspekten einen Kontrast dazu dar. Die Fotos auf der Vorderseite dieser Einladung zeigen den Raum des Museums, der den „Kinderhelden“ gewidmet ist und einen vor dem Museum aufgestellten Wegweiser mit den Orten von polnischen Militäreinsätzen der letzten Jahre.
Doch ist das der oft herbeizitierte polnische Nationalismus? Ist es das, was die jetzige Regierung meint, wenn sie eine positivere Darstellung der polnischen Geschichte in den Medien durchsetzen will?

Nach dem Besuch der beiden Museen und Gesprächen mit dem Philosophen HOLGER POLITT im Herbst 2015 in Warschau war für GERD-RÜDIGER HOFFMANN klar, dass es keine einfachen Antworten geben kann. Holger Politt nahm die Einladung nach Senftenberg an, um einige der Fragen zur aktuellen Erinnerungspolitik in Polen in einem Vortrag zu behandeln.

DR. HOLGER POLITT, geboren 1958, lebt und arbeitet in Warschau, wo er von 2003 bis 2009 das Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung leitete. Er ist Übersetzer und Herausgeber von Schriften Rosa Luxemburgs und publiziert regelmäßig zur aktuellen politischen Situation in Polen.

Die Veranstaltung am Mittwoch, dem 17. Februar 2016, beginnt um 17 Uhr und findet im Frühstücksraum der Pension Mandy (Kreuzstr. 27, 01968 Senftenberg) statt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. 

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22. Januar 2016

Vortrag zu Antonio Gramsci (22.1.1891-27.4.1937): Politik als Kultur

in der Reihe "Reden über Philosophie, Kunst und Politik" mit Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann

Das Lausitzbüro der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg lädt herzlich ein zu einer weiteren Veranstaltung in der Reihe "Reden über Philosophie, Kunst und Politik". Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann wird sich am Freitag (!), dem 22. Januar 2016, um 19 Uhr in Tenglers Buchhandlung (Senftenberg, Markt 11) Antonio Gramsci widmen, der an diesem Tag vor 125 Jahren geboren wurde.

ANTONIO GRAMSCI lesen ist nicht die einfachste Aufgabe. Das liegt nicht daran, dass seine Sprache besonders akademisch und lediglich für ein philosophisch gebildetes Fachpublikum geeignet wäre. Eher trifft im Vergleich zu anderen philosophischen Texten seiner Zeit das Gegenteil zu. Bei ihm kommen hohe Bildung und existentielle Lebensfragen zusammen, anders als im Kanon der Lehrbücher. Denn seine wichtigsten Ideen schrieb er im faschistischen Gefängnis zwischen 1927 und 1935. Er hatte also nur sehr bedingt Zugang zu Büchern, Zeitschriften und Zeitungen. Er war gezwungen, sich zum Beispiel an Schriften von Marx lediglich zu erinnern. Exaktes Zitieren oder andere akademische Standards für wissenschaftliche Bücher waren ihm verwehrt. Doch vielleicht genau deshalb gelang es ihm, das ihm besonders Wichtige mit eigenen verständlichen Worten zu formulieren, ohne Hinweis auf Quellen von Autoritäten. Seine 32 „Gefängnishefte“ umfassten schließlich über 2.000 Seiten. Die wissenschaftliche Ausgabe im Argument-Verlag bringt es mit Erläuterungen auf über 3.000 Seiten. Antonio Gramsci musste die Arbeit an den „Gefängnisheften“ auf Grund der gesundheitlichen Folgen seines Gefängnisaufenthaltes abbrechen.

BIOGRAPHISCHES: Vor 125 Jahren, am 22. Januar 1891, wurde Antonio Gramsci in Ales auf Sardinien geboren. Er war Mitbegründer der Kommunistischen Partei Italiens, bis zu seiner Verhaftung Abgeordneter des italienischen Parlaments, einer der originellsten und weltweit wirkmächtigsten Theoretiker des Marxismus, vom Lehrbuch-ML jedoch ignoriert. Er starb, erst 46 Jahre alt, am 27. April 1937.

GERD-RÜDIGER HOFFMANN wird sich nach einer kurzen Einführung in Gramscis Werk besonders mit der Frage beschäftigen, wie zwar Kultur weitgehend als das aufzufassen ist, was im Volke verankert ist, jedoch Politik nicht bloß darauf aus sein kann, „populistisch“ diese Stimmungen und Gewohnheiten zur Erlangung der „Hegemonie“ zu nutzen. Demokratie ohne kulturellen Bildungsanspruch, also ohne das Einlassen auf Neues und bisher Unbekanntes, schützt kaum vor Demagogie und diktatorischen Tendenzen.

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13. Januar 2016

Rundbrief des Lausitzbüros der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg e.V.

Einladung zu Bildungsabenden im Jahr 2016 und Bilanz der Arbeit im Jahr 2015

Liebe Freunde politischer und kultureller Bildung, sehr geehrte Damen und Herren,

für das Jahr 2016 wünschen wir Ihnen alles Gute, vor allem stets freundliche Menschen in Ihrer Nähe und die Muße, sich nicht immer nur mit den erstbesten Zeitungsmeldungen für die Bewertung einer doch recht bewegten und unübersichtlichen Zeit zufriedenzugeben. An Informationen mangelt es wahrlich nicht. Jedoch: Wissen ergibt sich daraus immer weniger auf direktem Wege.

Vielleicht hat Sie unser Gruß zu den Feiertagen im Internet erreicht. Auch hier warben wir für einen Perspektivenwechsel, für Neugierde auf Anderes und bisher Unbekanntes, wenn wir meinten, dass selbst eine andere Sicht auf das Weihnachtsfest, eigentlich die Rückkehr zur eigentlichen Bedeutung von Weihnachten, zu größerem Glück verhelfen könnte als das Einlassen auf aufdringliches marktstrategisches Reden der Verkäufer der Überproduktion mit dem Weihnachtsmann an der Spitze. Das geheimnisvolle niedersorbische Bescherkind, wie manch andere sorbische Tradition, könnte eine entspannende Alternative sein.

Rückblickend auf das Jahr 2015 können wir sagen, dass wir zwar nicht für jeden Geschmack etwas zu bieten hatten, aber dem Anspruch nach anspruchsvoller politischer und kultureller Bildung treu waren. Es wird deshalb auch weiterhin speziellere Veranstaltungen in der Reihe REDEN ÜBER PHILOSOPHIE, KUNST UND POLITIK geben. Wir werden jedoch nach Möglichkeiten suchen, auf Literatur zu den einzelnen Themen nicht nur hinzuweisen, sondern nach dem Lesen sich auch austauschen zu können. Die erste Veranstaltung in diesem Jahr am 22. Januar bietet sich dazu regelrecht an, denn Antonio Gramsci sollte vor allem gelesen werden.

Wir wollen auch weiterhin unspektakuläre Bildungsveranstaltungen anbieten, denn  Bildung braucht auch Zeit und Ruhe. Die gängige Event- und Talkshow-Kultur überlassen wir gern anderen. So war uns beim THEATERPROJEKT „Rutkas Tagebuch“ mit SchülerInnen der Kellermannschule unter Leitung von Karl Gündel nicht nur das Ergebnis wichtig, sondern der Prozess der intensiven Beschäftigung mit einem bitteren Kapitel europäischer Geschichte. Doch auch das Ergebnis trug dazu bei, dass dieses Projekt als Höhepunkt der Arbeit des Lausitzbüros eingeschätzt werden kann. Es war ein großer Erfolg auch für zwei Schülerinnen und einen Schüler, die schließlich das Stück über das jüdische polnische Mädchen, das 1943 in Auschwitz ermordet wurde, auch in Polen aufführen konnten. Obwohl im gegenwärtigen Stadium kaum öffentlichkeitswirksam, das STOLPERSTEINPROJEKT ist nach wie vor wichtiges Anliegen des Lausitzbüros der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Senftenberg.

Ein weiterer Höhepunkt war ohne Zweifel die fünfte Kulturkonferenz PROVINZ VERSUS PROVINZIALITÄT in Kooperation mit dem Theater NEUE BÜHNE Senftenberg unter dem Titel „Weltgeschichte und Geschichten aus der Provinz“. Diese Reihe, die weit über das Land Brandenburg hinaus Beachtung fand, ist beendet. Allerdings wurden einige Themen in anderen Zusammenhängen aufgegriffen. So wird die Regionalgruppe Berlin/Brandenburg der Kulturpolitischen Gesellschaft Deutschlands (KuPoGe) in Zusammenarbeit mit uns eine neue Reihe mit dem Titel „Transformationen im Kulturbereich“ beginnen, wobei an wechselnden Orten im Land über besondere Probleme des Flächenlandes Brandenburg nach 1989 diskutiert werden soll.
GRIECHENLAND und die SORBEN/WENDEN-POLITIK waren wichtige Schwerpunkte 2015. Letzterer wird uns auch 2016 beschäftigen. Ein Höhepunkt dürfte eine Lesung mit anschließender Diskussion mit dem sorbischen Schriftsteller Jurij Koch im Oktober werden. Darauf freuen wir uns schon sehr. Außerdem stimmen wir uns weiterhin mit der Domowina und anderen sorbischen/wendischen Gremien ab und beraten kommunale Abgeordnete auf diesem Gebiet.

Den FACHTAG ZUM THEMA FLÜCHTLINGSPOLITIK hatten wir eigentlich bereits für Dezember 2015 geplant. Er fand nun am 8. Januar im Landratsamt statt und war keineswegs so erfolgreich, wie wir es uns erhofft hatten.  Womöglich wollten wir zu viel an einem Nachmittag erreichen – vom Erfahrungsaustausch über Professionalisierung der Geflüchteten Helfenden bis hin zur Vernetzung von Verwaltung und ehrenamtlichen Initiativen. Unsere Erwartungshaltung, die Erwartungen der über 40 Teilnehmer/innen und die Herangehensweise der Referent/innen aus Berlin passten nicht so recht zusammen. Wir werden den Fachtag im Austausch mit den Referent/innen und Teilnehmer/innen intensiv auswerten: Die Probleme sitzen tiefer und stellen eine echte Herausforderung für politische Bildung auf diesem Feld dar. Zum Beispiel wird sich die Frage stellen müssen, wie wir damit umgehen, dass in der Hilfe für Geflüchtete ehrenamtlich Aktive nicht immer frei von tief verwurzelten rassistischen Einstellungen sind. Wir werden zunächst ein paar Handreichungen zum Thema Flüchtlingspolitik auf der Webseite www.gerd-ruediger-hoffmann.de zusammenstellen und gemeinsam mit der großen Rosa-Luxemburg-Stiftung überlegen, wie wir das eigentliche Anliegen des Fachtags, solidarisch Geflüchteten zu helfen – aber wie?, weiter bearbeiten können.

Aus aktuellem Anlass, um eine weitere Konfliktlinie zu nennen, mussten wir uns während der Klausurtagung des Vorstandes und des Kuratoriums der RLS Brandenburg im Dezember mit der Frage DISTANZ UND NÄHE ZUR LINKSPARTEI beschäftigen. Klar ist, dass die Partei weder weisungsberechtigt gegenüber der Stiftung und für sie tätige Ehrenamtliche ist, noch in erster Linie die Plattform für Auftritte von Abgeordneten und Funktionären bildet. Wir haben die feste Absicht, weiterhin die Arbeit der Landtagsfraktion und der Regierung solidarisch zu begleiten und zu kooperieren. Unsere Referent/innen wählen wir nach thematischen Schwerpunkten und Kompetenz aus, nicht nach machtpolitischen oder parteitaktischen Gesichtspunkten. Selbstverständlich sind Abgeordnete, Regierungsmitglieder und in der Partei Aktive mit ihrem Wissen bei uns gefragt, wie auch wir mit unserem Wissen und unseren Erfahrungen zur Verfügung stehen. Stets gelten dabei die Prinzipien der Bildungsarbeit unserer Stiftung, nämlich Überwältigungsverbot, Kontroversitätsgebot und kein Eingriff in Wahlkämpfe zum Beispiel.

Wir werden auch weiterhin auf VERANSTALTUNGEN ANDERER aufmerksam machen, denen wir inhaltlich verbunden sind.

VERANSTALTUNGEN DER ROSA-LUXEMBURG-STIFTUNG BRANDENBURG im gesamten Land sind zu finden unter: www.brandenburg.rosalux.de

Unsere PLANUNG FÜR DAS JAHR 2016 ist noch nicht abgeschlossen, aber Kunst und Politik, jüdische Kultur, Antifaschismus und Erinnerungspolitik stehen als Schwerpunkte fest. Auch werden wir uns an der brandenburgischen Frauenwoche wieder aktiv beteiligen.

Außerdem werden wir in Zusammenarbeit mit den LISA-FRAUEN regelmäßig auch Nachmittagsveranstaltungen zu aktuellen politischen Themen anbieten. Der Start ist am 17. Februar 2016 um 17 Uhr in der Kreuzstraße 27 („Pension Mandy“) mit einem Vortrag von Dr. Holger Politt (Warschau) über ERINNERUNGSKULTUR IN POLEN.
Schreiben Sie uns, wenn Sie Wünsche und Ideen haben. Soweit es im Ehrenamt und ohne Büro vor Ort möglich ist, wollen wir gern auch Neues versuchen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann und Cathleen Bürgelt

 

 

8. Januar 2016

Fachtag für ehrenamtlich Aktive, Verwaltungsangestellte und Abgeordnete, die soldiarisch Geflüchteten helfen wollen

14 bis 18 Uhr, Landratsamt, Senftenberg/Zły Komorow

Das Lausitz-Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg lädt herzlich ein zu einem Fachtag zum Thema 

Solidarische Willkommenskultur - aber wie? 

In Kooperation mit dem Landratsamt Oberspreewald-Lausitz und der Netzwerkstelle „Jugendarbeit und demokratische Kultur“ des Landkreises Oberspreewald-Lausitz (Kultur- und Freizeitzentrum „Pegasus“ in Senftenberg/Zły Komorow) veranstaltet die Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg diesen Fachtag für Menschen in der Region, denen daran gelegen ist, Geflüchteten noch professioneller zu helfen. Die Veranstaltung richtet sich vor allem an Aktive in zivilgesellschaftlichen Gruppen, an Verwaltungsangestellte auf kommunaler Ebene, Abgeordnete, Kultureinrichtungen, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, steht aber auch anderen Interessierten offen, die das Ziel dieses Fachtages unterstützen. 

DOROTHEA LINDENBERG und BRUNO WATARA AOURFOH („Projektentwicklung Weiterbildung Moderation Beratung - Fokus: Migration und Flucht“ – Berlin) werden diesen Fachtag gestalten und sehen in Absprache mit uns folgende Schwerpunkte vor: 

Die gegenwärtige Situation der Geflüchteten ist nicht nur für Rassisten und „besorgte Bürger“ Anlass, demokratische Strukturen, moralische Normen und rechtsstaatliche Standards insgesamt infrage zu stellen. Auch das in den letzten Monaten mehrfach geänderte Asylrecht und verschärfende Änderungen in Bundesgesetzen machen es auch Verwaltungen und Solidaritätsgruppen nicht leicht, den Überblick zu bewahren und vernünftiges Handeln auf diesem unübersichtlichen Feld zu koordinieren. 

Diesen Kontext bedenkend will die Fachtagung versuchen, gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen Überblick über geltende Rahmenbedingungen und sich ändernde gesetzliche Grundlagen zu gewinnen. Deshalb wird über geltendes Recht informiert und gleichzeitig über praktische Probleme diskutiert werden, ohne politische Fragestellungen zu vernachlässigen. 

Folgende Fragen sollen deshalb Thema der Fachtagung sein: 

  • Was wird in der Verwaltung vor Ort entschieden? Wo gibt es Handlungsspielräume auf kommunaler Ebene?
  • Wie und wo können Asylsuchende Widerspruch einlegen? Wie können wir sie dabei begleiten? Wie kann ich Flüchtlinge effektiv unterstützen? Was kann nur eine Rechtsanwältin oder ein Rechtsanwalt leisten? 
  • Wo müssen wir politisch agieren, weil sich die Situation nur dadurch verändern lässt? 
  • Welchen Einfluss haben wir auf die Rahmenbedingungen auf Landes- und Bundesebene?
  • Wie finden wir Bündnispartnerinnen und Bündnispartner? 
  • An wen kann sich gegebenenfalls unser Protest richten?
  • Wie kann die Öffentlichkeit uns in unseren Anliegen unterstützen?

Wir wollen Menschen in unterschiedlichen Positionen dabei unterstützen, solidarisch mit Flüchtlingen zu handeln, und fragen, wo es kommunalpolitischen Handlungsbedarf gibt. 

Da die Plätze begrenzt sind, wird um unbedingte Anmeldung bis spätestens 5. Januar 2016 per Mail unter rls-lausitz@posteo.de gebeten.

Wir bitten bei der Anmeldung unter rls-lausitz[at]posteo.de um folgende Angaben: Vorname und Name, Arbeits- oder Wohnort, Gruppe, Institution, Dienststelle, E-Mail-Kontakt, eventuell Grund der Anmeldung, Fragen oder Anregungen. 

Ausgeschlossen von der Veranstaltung sind Personen, die rechtsextremen Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige Menschen verachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind. Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und diesen Personen den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser zu verweisen.

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10. Dezember 2015

Sorben/Wenden - Das Recht auf Anderssein

19.00 Uhr, Tenglers Buchhandlung, Markt 11, 01968 Senftenberg

Die nächste Veranstaltung in der Reihe REDEN ÜBER PHILOSOPHIE, KUNST und POLITIK des Regionalbüros Lausitz der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg e.V. beschäftigt sich mit den Sorben/Wenden und dem Recht auf Anderssein. Zu Gast ist am Donnerstag, dem 10. Dezember 2015, bei Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann (Philosoph, Afrikawissenschaftler; Senftenberg) der sorbische Liederpoet Bernd Pittkunings aus Dešno/Dissen. Die Veranstaltung findet in Tenglers Buchhandlung am Markt 11 in Senftenberg statt und beginnt um 19 Uhr.

Das 2014 beschlossene neue Sorben/Wenden-Gesetz muss selbstverständlich umgesetzt werden. Das heißt jedoch auch, die Aufgaben zu beschreiben, die noch zu lösen sind, damit dieses durch Kompromiss entstandene Gesetz mit Leben erfüllt werden kann.

GERD-RÜDIGER HOFFMANN, seit Jahren in der Sorben/Wenden-Politik engagiert, sieht vor allem folgende Aufgaben:

„Erstens wird es darum gehen müssen, Bildungsarbeit im Land Brandenburg zu leisten, um klarzustellen, dass es in dem Gesetz nicht um eine Erweiterung des Siedlungsgebietes der Sorben/Wenden geht, sondern um das Anerkennen der Tatsache, dass viele Kommunen historisch und kulturell zum Siedlungsgebiet gehören. 

Geschichtskenntnisse werden gefragt sein.

Zweitens, damit in Verbindung steht, jene europäischen Standards im Bewusstsein der politisch Verantwortlichen des Landes zu verankern, die jeden Assimilationsdruck untersagen.

Drittens geht es darum, dass den Sorben/Wenden und ihrer Kultur Weiterentwicklung als Selbstverständlichkeit zugebilligt werden muss. Sorben/Wenden sind kein Ausstellungsobjekt im Museum.

Viertens geht es um die Frage, wie Minderheitenschutz in Zeiten der Globalisierung und hoher Mobilität bei Menschen, Waren und Kulturgütern zu bewerkstelligen ist. Die Forderung an die Minderheiten, schön autochthon und nur dort zu bleiben, wo sie herkommen, um gefördert zu werden, erscheint nicht mehr zeitgemäß.

Abgeordnete und Verwaltungsangestellte in Land und Kommunen werden sich auch die Mühe machen müssen, herauszufinden, welches die Gründe für teilweise irrationale Kontroversen und fast ins Rassistische gehende Vorbehalte gegenüber Sorben/Wenden sind.“

Nach einem Vortrag über gesetzliche Grundlagen und den Stand der kulturpolitischen und wissenschaftlichen Debatten sollen aktuelle Fragen diskutiert werden. 

Der Eintritt ist frei.  

 

 

5. Dezember 2015

Das gute Leben ist lokal – Das Konzept des „Guten Lebens in Harmonie" und die Sorben/Wenden

Tagung an der BTU Cottbus (Senatssaal im Hauptgebäude Zentralcampus), von 11 bis 18 Uhr

Bereits zum dritten Mal lädt das Regionalbüro Cottbus der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg e.V. zu einer Tagung zum Themenfeld "Das gute Leben" an die BTU nach Cottbus ein. In diesem Jahr findet die gemeinsame Veranstaltung von RLS Brandenburg und BTU mit dem Sorbischen Institut statt.

„Wie wollen wir eigentlich leben?" ist eine zentrale Frage der Philosophie seit ihren Anfängen. Durch die Entwicklung des Konzeptes des „Guten Lebens in Harmonie" durch Indigene in Südamerika wurde eine Diskussion angestoßen, die mittlerweile auch Europa erreicht hat. Sie wirft uns zurück auf die grundsätzlichen Fragen von Kultur, aber auch Religion. Die Beantwortung dieser Fragen – insofern sie überhaupt möglich ist – scheint regional sehr unterschiedlich auszufallen. Dies ist zunächst den naturräumlichen Bedingungen geschuldet, darüber hinaus aber auch kulturellen Rahmenbedingungen.

Eine Untersuchung und Diskussion dieser Fragen scheint insbesondere auch deshalb in der Lausitz interessant, weil das Konzept des „Guten Lebens" in seiner Entstehung von indigenen Minderheiten stammt, die sich mit diesem Konzept auch von Mehrheitskulturen abgrenzen wollten. Zwar wurden diese Auseinandersetzung in postkolonialen Gesellschaften geführt, sie könnten aber auch für die Frage der Beziehungen zwischen den Sorben/Wenden und der deutschen Mehrheitsgesellschaft relevant sein. Ob es Ansätze eines spezifischen kulturellen „Guten Lebens" der Sorben/Wenden gibt oder ob solche Entwicklungen über- und interkulturell regional gefasst werden müssen soll mit verschiedenen Expert*innen und Interessierten diskutiert werden. In der Tradition der mittlerweile 3. Tagung soll der Schwerpunkt hierbei gerade auf materiellen und nicht nur ideellen Aspekten der Kultur(en) liegen.

Um eine Anmeldung wird gebeten, am besten per E-Mail.

Der Ablaufplan der Tagung kann hier eingesehen werden.

Zur Tagung im vergangenen Jahr ist von Cathleen Bürgelt ein ausführlicher Bericht verfasst worden, der unter diesem Link ebenso zu finden ist wie die Dokumentation der bisherigen Tagungen.

 

 

16. November 2015

Zehn Monate mit Marx & Co.

Weiterbildungsangebot für Mitglieder der Partei DIE LINKE

Marx im Regal - Depot im Kunstgussmuseum Lauchhammer (Foto: Hoffmann)

DIE LINKE. bietet aufgrund des großen Erfolgs einen vierten Grundlagenkurs DIE LINKE 1.4. an. Am 5. Februar 2016 beginnt der etwa 10-monatige Kurs, der vier Wochenendseminare mit internetbasiertem Lernen auf einer eigens dafür eingerichteten Plattform kombiniert.

In der Ankündigung heißt es: "Es werden drei Teile mit den Titeln Mensch und Gesellschaft, Politische Bewegungen und Theorien und Kritik der Politischen Ökonomie angeboten, zu denen zahlreiche Lerntexte und Zusatzmaterialien sowie unterschiedliche Arbeitsaufgaben gehören. Neben den vier verbindlichen von Freitagnachmittag bis Sonntagmittag dauernden Wochenendseminaren muss mit einem wöchentlichen Selbststudium von mindestens sechs Stunden gerechnet werden. Nach allen Erfahrungen mit den vergangen Kursen macht das Programm den Teilnehmenden nicht nur außerordentlich viel Spaß, es macht auch Arbeit und verlangt Durchhaltevermögen."

Für weitere Informationen ... 

 

 

26. November 2015

Vortrag von Gerd-Rüdiger Hoffmann zur 56. Biennale in Venedig im Kunsttreff von pro ars lausitz e.V.

19.00 Uhr, Parkhotel, Steindamm 20, 01968 Senftenberg

Der Kunsttreff des Vereins pro ars lausitz e.V. hat Gerd-Rüdiger Hoffmann gebeten, seine Eindrücke von seinem Besuch der 55. und der 56. Biennale in Venedig im Rahmen eines Vortrags zur Diskussion zu stellen.

Diese Veranstaltung findet statt am 26. November 2015 im Parkhotel Senftenberg, am Steindamm 20. Unter dem Titel "Der ständige Konflikt zwischen Kunst, Politik und Markt" wird Hoffmann auch auf folgende Punkte zu sprechen kommen: Zur Geschichte der Biennale in Venedig; Die Grundidee der Biennale in einer sterbenden Stadt; Wettbewerb der Nationen auf dem Gebiet der Kunst; Skandal und Provokation; Kunstwert und Ausstellungswert von Kunstwerken; Kunst und Politik: Wie wirksam ist politische Kunst? Wie politisch ist erklärte unpolitische Kunst? Wie frei ist Kunst angesichts der Macht der Galeristen und Sponsoren? sowie Beispiele für Zensur in Venedig.

Die Veranstaltung ist öffentlich, das Platzangebot allerdings beschränkt. 

Ein kurzer Bericht befindet sich auf dieser Internetseite unter dem Eintrag vom 5. November 2015. 

 

17. November 2015

Zwei Veranstaltungshinweise: Zweisprachige Lesung zum 40. Todestag von Mina Witkojc in Senftenberg und Veranstaltung zum Jüdischen Kulturbund in Cottbus

Lesung zu Ehren von Mina Witkojc anlässlich ihres 40. Todestages

20.11.2015, Tenglers Buchhandlung Senftenberg

Yana Arlt vom Literaturzentrum "Ich schreibe" lädt ein zu einer Lesung in Deutsch und Niedersorbisch zum 40. Todestag der niedersorbischen Dichterin Mina Wikojc. Die Veranstaltung findet in Tenglers Buchhandlung (Markt 11, 01968 Senftenberg) statt und wird gemeinsam mit der Domowina-Ortsgruppe Senftenberg durchgeführt. Unterstützt wird Yana Arlt dabei von der Schauspielerin Hanka Mark. Beginn ist 19 Uhr. 

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Gegen alle Widerstände: DER JÜDISCHE KULTURBUND 1933 - 1941 

25.11.2015, Stadtmuseum Cottbus

 

Der Historische Heimatverein Cottbus e.V. und der Kulturverein "Bücherei Sandow e.V." laden alle Interessierten am 25. November 2015, 19 Uhr, ins Stadtmuseum Cottbus (Bahnhofstr. 22, 03046 Cottbus) zu einer Veranstaltung zum Jüdischen Kulturbund ein. 

Der Jüdische Kulturbund war eine kulturgeschichtlich singuläre Institution, von Kurt Singer und seinen Mitstreitern initiiert. Aufgebaut in Berlin 1933 und deutschlandweit verbreitet, sorgte die Organisation für die Beschäftigung und den Unterhalt von Schauspielern, Sängern, Intendanten, Musikern, Dirigenten und Schriftstellern. Der Kulturbund stand unter der strengen Kontrolle und Zensur der Nazis, wurde aber von Goebbels gerne gegenüber dem Ausland als Aushängeschild für die angebliche Toleranz des NS-Regimes gegenüber den jüdischen Mitbürgern benutzt.

Die Entwicklung des Kulturbundes begann mit Enthusiasmus und Energie. Dem zahlreichen, jüdischen Publikum wurden Konzerte, Opern, Theaterstücke, Vorträge, Ausstellungen und später auch Filme geboten, die dem Publikum und den Künstlern als identitätsstiftende Kraft dienten. Unter einem totalitären Regime leistete der Kulturbund „kulturellen Widerstand“ und erkämpfte ein Stück Menschenwürde und Freiheit.

Die Autorin des Buches, DR. GABRIELE FRITSCH-VIVIÉ, wird in ihrem Vortrag die Entwicklung und den Verlauf der Geschichte des Kulturbundes darlegen, die damalige politische Situation kurz umreißen und einige Protagonisten des Kulturbundes vorstellen und charakterisieren. 

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19. November 2015

Einladung des RLS-Büros Cottbus: Buchvorstellung mit Raúl Zelik

Das Cottbuser Regionalbüro der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg lädt herzlich ein zu einer Veranstaltung mit dem Autor Raúl Zelik. Unter dem Titel "Vermessung der Utopie" hat er gemeinsam mit Elmar Altvater ein "Gespräch über Mythen des Kapitalismus und die kommende Gesellschaft" bei Bertz + Fischer veröffentlicht, das er am Donnerstag, 19.11.2015, ab 19.30 Uhr im quasiMONO (Erich-Weinert-Str. 2, Cottbus) vor- und zur Diskussion stellen wird.

Der autoritäre Staatssozialismus sowjetischer Prägung ist gründlich gescheitert. Wie aber sieht es mit der Überlebensfähigkeit des Kapitalismus aus? Der Klimawandel, die Massenarmut in weiten Teilen der Welt, Arbeitslosigkeit, Sozialabbau und Verelendung auch in Europa, neoimperiale Kriege und Konflikte um Rohstoffquellen und Einflusszonen – das vom »freien Markt« produzierte Elend und seine Begleiterscheinungen verlangen nach einer grundlegenden Alternative. Doch ist eine Gesellschaft jenseits des Kapitalismus überhaupt noch vorstellbar? Die Gesprächspartner liefern eine radikal-kritische Analyse der Gegenwart. Und sie versuchen, eine utopische Gesellschaft zu skizzieren, die auf einem neuen Energiemodell, einer solidarischen Ökonomie und direkter Demokratie basiert – und die auf Vernunft gegründet ist. 

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12. November 2015

Ist das Kunst - oder kann das weg? Ein kritischer Kommentar zur "Auftragskunst"

19.00 Uhr, Pension Mandy, Kreuzstr. 27, 01968 Senftenberg

in der Reihe REDEN ÜBER PHILOSOPHIE, KUNST und POLITIK

mit Harald Kretzzschmar (Karikaturist, Autor; Kleinmachnow) und Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann (Philosoph, Afrikawissenschaftler; Senftenberg) 

 

Harald Kretzschmar ist bekannt dafür, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn er Position bezieht zu den Ereignissen in unserer Zeit. Als politisch denkender Mensch bleibt er dabei weder mit seinen Karikaturen, noch als Autor an der Oberfläche.

Die TeilnehmerInnen der Kulturkonferenzen der Rosa-Luxemburg-Stiftung im Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus 2014 und Anfang Juni 2015 in der NEUEN BÜHNE Senftenberg wissen bereits, dass Harald Kretzschmar eine klare Haltung zum Thema „Auftragskunst“ hat.

Diese wird er nun am 12. November 2015 in der Senftenberger Kreuzstraße 27 (Pension „Mandy“) in einem Vortrag und im Gespräch mit GERD-RÜDIGER HOFFMANN ausführlicher begründen.

KURZBIOGRAFIE KRETZSCHMAR
 
1931 in Berlin geboren, Schulbesuch in Dresden, Abitur an der Kreuzschule / 1950-55 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig / seit 1955 Mitglied im Verband Bildender Künstler Deutschlands und regelmäßiger freier Mitarbeiter des Eulenspiegels / 1971 Kunstpreis der DDR / 1974 Vorsitz der Zentralen Sektionsleitung Karikatur beim VBK / 1975 Gründer des „Satiricum“ Greiz / 1974-76 Lehrbeauftragter an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig / außer Karikaturen auch satirische Druckgrafik und Porträt-Terrakotten / seit 1990 Tageskarikaturist und philosophischer Cartoonist bei „neues deutschland“ / 1993-98 Kolumne „Zeitzeichner“ beim Magazin. Zahlreiche nationale und internationale Ausstellungen / Auszeichnungen und Buchveröffentlichungen, auch als Textautor / lebt mit seiner Frau in Kleinmachnow.

 

 

5. November 2015

Kunst, Markt, Marx, Events, Video-Flimmern und jede Menge Belehrung in Venedig

Ein Besuch der 56. Biennale in Venedig im Oktober 2015

Im Arsenale, einer der beiden Hauptausstellungsorte (Foto: Hoffmann)
Wangechi Muti (Kenya/USA) She’s got the whole world in her (2015) (Foto: Hoffmann)
Jenni Lea-Jones und Elena Bondi lesen in der Arena aus dem Kapital (Foto: Hoffmann)
Buchhandlung im Arsenale (Foto: Hoffmann)

von Gerd-Rüdiger Hoffmann 

Als 1895 die erste Biennale in Venedig stattfand, war das Bild von Giacomo Grosso Il supremo convegno (Die höchste Zusammenkunft) noch ein Skandal. Der spätere Papst Pius X., zu dieser Zeit noch Patriarch von Venedig, sah mit diesem Gemälde einen Angriff auf die Keuschheit und ersuchte den Bürgermeister Riccardo Selvatico, der gleichzeitig Präsident dieser Kunstschau war, das Bild zu entfernen. Der progressive Bürgermeister und Förderer freier Kunst blieb standhaft. Die Besucher wählten gar dieses Bild zu ihrem Lieblingsbild. Noch im Jahre 1895 wurde Selvatico abgewählt, jedoch die Gründungsidee und damit die Ambivalenz des Kunstortes Venedig blieb bis heute erhalten: Den morbiden Charme der Stadt nutzen, um sie als Kunstmetropole und Ort für die Tourismuswirtschaft vor dem ständig drohenden Untergang zu bewahren.

Bis heute sind die langen Besucherschlangen für die Biennale kennzeichnend, aber auch eine direkte und mehr noch diffuse Verquickung mit dem mächtigen Kunstmarkt, der Hang zur Eventkultur und das Inszenieren von Skandalen, der politische Anspruch auf „Welterklärung“, „Protest“ und „Fortschritt“. Die so hervorgerufene Erwartungshaltung muss dann natürlich immer wieder erneut enttäuscht werden, was auch zu erhöhter Aufmerksamkeit und produktiver Spannung führen kann.

Das war auch zur 56. Biennale so, für deren zentrale Ausstellung der Chefkurator Okwui Enwezor den Titel All the World’s Futures fand. Eine kritische Sicht auf die kapitalistische Globalisierung, genau wie auf paternalistisch-kolonialistisch geprägte Machtverhältnisse mit dem Kapital von Karl Marx im Mittelpunkt, sollte zum Tragen kommen.

Das gelingt sogar an mehreren Stellen. Selbst die Marx-Performance des britischen Künstlers Isaac Julien und das von der Rosa-Luxemburg-Stiftung geförderte Projekt Non consumiamo – to Luigi Nono von Olaf Nicolai in der Arena des Zentralpavillons im Giardini – ich hätte es nicht erwartet – müssen als gelungen betrachtet werden. Zudem heben sich die Marx-Inszenierungen wohltuend ab von belehrendem Video-Flimmern, personalisiertem Weltschmerz und dem Drang nach Provokation, wobei Letzteres heute oft nur noch für ein gelangweiltes Lächeln oder bestenfalls für Handy-Fotos reicht. Für Spannung sorgen dagegen immer wieder die oft totgeglaubten Nationalpavillons und Kollateralausstellungen. Jedenfalls wird an anderer Stelle über dieses Kunstereignis in dieser seltsamen und dennoch schönen Stadt ausführlicher zu berichten sein.

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2. November 2015

25. Filmfestival Cottbus - Osteuropa zwischen neuer Urbanität und traditionellem Heimatverständnis - 3. bis 8. November 2015

Das Filmfestival Cottbus - Festival des osteuropäischen Films feiert in diesem Jahr sein 25. Jubiläum und lädt unter dem Motto "Osteuropa zwischen neuer Urbanität und traditionellem Heimatverständnis" vom 3. bis 8. November nach Cottbus/Chóśebuz ein. 

„Natürlich schlägt sich die globale Stimmung auch in den Beiträgen zur Jubiläumsausgabe des FilmFestival Cottbus nieder. Die Filmemacher reflektieren die Vergangenheit, die Zukunft und die Gegenwart, geben Statements ab, dokumentieren Geschehenes oder versuchen, den Blickwinkel ihrer Zuschauer zu ändern“, so Programmdirektor Bernd Buder. „Keine Angst!“, fügt er hinzu, „Wir zeigen mitnichten nur düsteres Kino aus Ost- und Mitteleuropa. Viele Filmemacher kommentieren ihre Gesellschaft mit schwarzem Humor oder aus sehr persönlichen Blickwinkeln oder drehen Genrefilme, die es – technisch wie narrativ – mit der internationalen Konkurrenz durchaus aufnehmen können.“

In der Pressemitteilung des Filmfestival wird das diesjährige Programm wie folgt vorgestellt: 

"Zwölf Beiträge gehen in diesem Jahr im Wettbewerb Spielfilm ins Rennen um eine der begehrten Glasskulpturen namens „Lubina“ (sorb. „Die Liebreizende“) und geben dabei einen Überblick über die wichtigsten Trends des aktuellen osteuropäischen Films. Ebenso wie der Kurzfilmwettbewerb, der mit neun bis 15 Filmen zeigt, wie sich der Kurzfilm in Osteuropa zu einer eigenen Kunstform entwickelt hat und gleichzeitig eine Möglichkeit bietet, künftige Talente zu entdecken. Daneben vergleicht der U18 Deutsch-Polnische Wettbewerb Jugendfilm den Alltag Heranwachsender hierzulande und bei seinem östlichen Nachbarn. [...] 

Während der Wettbewerb die Vielfalt des osteuropäischen Kinos in seiner vollen Bandbreite von Arthaus bis Komödie zeigt, wendet sich die Sektion Spektrum mit ungewöhnlichen Filmen, welche die Grenzbereiche des Kinos vom Experimentalfilm bis zum Horror-Genre ausloten, an speziellere Zielgruppen. Die Reihe Nationale Hits präsentiert Blockbuster aus Mittel- und Osteuropa, die in der Gunst des heimischen Publikums zuweilen weit vor internationalen Kinohits aus Hollywood lagen. 

Der Fokus beschäftigt sich in diesem Jahr mit dem „Osteuropa der Städte“. So wird der urbane Geist der osteuropäischen Metropolen eingefangen, aber auch die damit verbundenen gesellschaftlichen Umbruchsituationen wie Landflucht und Gentrifizierung. Die Filmemacher richten ihre Kameras auf den Widerspruch zwischen der Suche nach individuellen Freiräumen und dem Bau von Repräsentationsarchitektur. Herausforderungen, vor denen nicht nur osteuropäische Gesellschaften stehen. 

Mit Filmen zum Thema Islam in Osteuropa greift das FilmFestival Cottbus ein weiteres hochaktuelles Thema auf: Wie wirken sich historische Extremsituationen wie der Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan oder die Massaker an Muslimen während des BosnienKrieges auf das islamische Bewusstsein in Osteuropa und darüber hinaus aus? Welche Freiräume bietet die islamische Alltagskultur, und welche Grenzen? 

Die Polskie Horyzonty (Polnische Horizonte) laden seit 2010 zur Erkundung der zeitgenössischen Filmszene Polens ein – seit dem „Oscar“-Gewinn für „Ida“ eine der weltweit führenden Kinematografien. Ein ähnliches Anliegen verfolgt der Russkiy Den (Russischer  Tag), welcher einen aktuellen Querschnitt durch die reichhaltige Filmproduktion Russlands präsentiert. Zum „Trialog“ zwischen diesen beiden Ländern sowie Deutschland bittet das Deutsch-Polnisch-Russische Filmforum „Wandel in Erinnerung“. Eine Filmreihe zeigt hierbei die unterschiedlichen Reflexionen und Interpretationen der Transformationsprozesse in den 90erJahren und heute in (Ost-)Deutschland, Polen und Russland. Dazu gibt es eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion zu der u.a. die ehemalige Bürgerrechtlerin und Bundesbeauftragte für Stasi-Unterlagen a.D. Marianne Birthler ihr Kommen zugesagt hat. 

Die Möglichkeit zum Dialog mit Filmschaffenden bietet sich während der gesamten Festivalwoche zu den Filmgesprächen (Q & A) sowie zu den im vergangenen Jahr eingeführten MasterTalks – pointierte Impulsreferate von Profis der Branche. Zu den diesjährigen Referenten gehört u.a. der ungarische Kultregisseur István Szabó, „Oscar“- Preisträger und Ehrenpräsident des FilmFestival Cottbus. 

Das Anliegen, regionale Filmemacher und Themen in das Bewusstsein der aus aller Welt angereisten Gäste zu rücken, verfolgt die Sektion Heimat | Domownja während der Festivalwoche. Bereits am Vorabend der Festival-Eröffnung gibt es bei der 13. Cottbuser FilmSchau einen Einblick in das regionale Filmschaffen. Diese Veranstaltung fungiert als ein „kleines“ Festival für engagierte und talentierte Filmschaffende aus der Region. 

Das FilmFestival Cottbus findet ebenfalls seine Heimat in ausgewählten und außergewöhnlichen Festivalspielstätten. Den glanzvollen Rahmen für die Eröffnung des 25. Festivaljahrgangs am 3. November 2015 bietet das Große Haus des Staatstheater Cottbus, während die Preisverleihung mit Abschlussfilm am 7. November in der als Festivalzentrum fungierenden Stadthalle Cottbus vorgesehen ist. Neben der Stadthalle wird das erfolgreich etablierte Spielstättennetz – vom historischen Weltspiegel über die zu Kinosälen umgerüsteten Kammerbühne und Glad-House-Saal sowie das kommunale Obenkino – bespielt. Zum 25. Geburtstag lädt das FilmFestival Cottbus zudem an besondere Orte der Stadt ein. Ein Special zum Drehort Park und Schloss Branitz läuft im Veranstaltungssaal der Gutsökonomie, das Raumflugplanetarium zeigt Fulldome-Filme, und im Dieselkraftwerk ist neben einer Filmvorführung, passend zum Fokus-Thema „Osteuropa der Städte“, eine FilmInstallation zu modernen sozialistischen Städtebau-Ideen der 1930er-Jahre zu sehen. 

Ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm mit Konzerten, Ausstellungen, Lesungen und Festivalpartys sorgt für Unterhaltung abseits der Kinosessel. 

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26. Oktober 2015

„Augen auf und selber denken“

Zum Tod von Dr. Klaus Böhnisch (10.10.1933–17.10.2015)

Ein Nachruf von Gerd-Rüdiger Hoffmann

„Augen auf und selber denken“ - diese Zeile aus seinem kurzen Gedicht „Rat“ und so manch Anderes bleiben.
Mein Lehrer und Freund Klaus Böhnisch ist wenige Tage nach seinem zweiundachtzigsten Geburtstag gestorben.

Ja, er war mein Lehrer auch im eigentlichen Sinn an der Erweiterten Oberschule „Walther Rathenau“ in Senftenberg, die heute Friedrich-Engels-Gymnasium heißt. Doch das Wort Lehrer kann sich für mich nicht bloß auf die wenigen Unterrichtsstunden bei ihm vor sechsundvierzig Jahren beziehen. Zwar war er auch als Lehrer an der Schule etwas Besonderes, weil er uns nie mit Fertigem kam. Das war schwierig für Leute, die verbindlich hören wollten, was sie denn zu denken und in Prüfungen zu wissen hätten. Gut, Schluderei mit der deutschen Sprache ließ er nicht zu. Da musste eben gründlich nach Lehrbuch gelernt werden. Jedoch immer dann, wenn alles klar schien im Politischen, gab es eine neue Frage anstelle eines Merksatzes.

Wenn es immer wieder für mich auch wichtige Lehrer gab, die vor allem vermeintlich klare Orientierung für politisches Denken anzubieten hatten, so war das bei Klaus Böhnisch anders. Während die einen das Fertige als Halt und Ziel anboten, so war es bei ihm die beständige Aufforderung, neugierig zu sein, sich darauf einzustellen, dass nichts Fertiges auf dem Markte der Orientierung und des Wissens zu haben sein wird. Denken müsse jeder selber, und Denken geht nicht im Kollektiv. Wer das nicht begreifen wollte, der bekam schon mal seinen Sarkasmus zu spüren. „Den Bürger in Uniform sehe ich selten, aber oft die Uniformen im Bürger“, schreibt er in seinem Buch „Lebenskürzlich“, das vor zwei Jahren erschien.

Sein Unterricht und seine Beiträge in den Philosophieveranstaltungen der Rosa-Luxemburg-Stiftung waren nicht frei von Didaktik, allerdings in einem sehr brechtschen Sinne. Doch mehr noch gilt, dass seine ständige Unruhe und das Anregende so herrlich undidaktisch daherkamen. So wirkten Besprochenes und Gefragtes eben länger. Es war nicht einfach, sich vor seinen Fragen und Belehrungen dieser Art zu drücken, in der Schule nicht und auch nicht viel später, wenn Klaus Böhnisch seine Runden durch die Stadt nahm und nicht nur die Buchhändlerinnen in lange Gespräche verwickelte. Der hoch gebildete Germanist Klaus Böhnisch konnte sehr milde gegenüber jungen Leuten sein, die sich im Schreiben von Gedichten und Geschichten ausprobierten. Um so mehr zählte dann ein Rat von ihm, dem Intellektuellen alter Schule ohne Internetanschluss.

Wenn die Dummheit auf der Straße und in den Zeitungen überhandnahm, dann war auch mal ein sehr trauriger Klaus Böhnisch zu erleben. Stille Wut stellte sich dann bei ihm ein. Das tat mir und anderen Freunden gar nicht gut.

Begeistern konnte er sich auch. Zum Beispiel beim Lesen von Ernst Bloch für klare Gedanken, die jedoch nichts Starres zuließen. Überhaupt Bloch! Hier war viel Gemeinsames zwischen uns. Und dass wir bei allem Ärger über dumme Menschen und Zustände, was immer eine gewisse Anmaßung mit sich bringt, keine Feindbilder nötig hatten.

„Gestern war nichts, / Heute bin ich, / Morgen war ich. / Übermorgen: / Kaum eine Spur.“ – hier irrte Klaus Böhnisch. Ich werde ihn nicht vergessen.

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31. Oktober 2015

Einladung des Bündnisses "Heimat und Zukunft" zum Dorffest nach Atterwasch am Reformationstag

Das Bündnis „Heimat und Zukunft“ lädt auch in diesem Jahr ein zum schon traditionellen Dorffest am Reformationstag ins vom Tagebau bedrohten Atterwasch (nahe von Guben). 

In der Pressemitteilung heißt es: "Die Veranstaltung beginnt um 10 Uhr in der mittelalterlichen Dorfkirche mit einem Gottesdienst zur Bewahrung der Schöpfung, in dem der neue Umweltpfarrer der Landeskirche Hans-Georg Baaske predigen wird.

Anschließend präsentiert der Berliner Schauspieler Jens-Uwe Bogadtke sein Theaterstück „Die Feuerwehr ist da“, das humorvoll, aber auch nachdenklich die Verbundenheit eines Feuerwehr-Kameraden aus dem Oderbruch mit seinem Heimatdorf thematisiert.

Zur Mittagszeit sorgt die Freiwillige Feuerwehr Atterwasch in Zusammenarbeit mit den örtlichen Landwirten für das leibliche Wohl: Bei Grillwurst, Schmalzstullen, Kürbissuppe und warmen Getränken kann man sich stärken und ins Gespräch kommen.

Um 13 Uhr findet zwischen Kirche und Pfarrhaus eine Kundgebung statt unter dem Motto „Kohleausstieg weltweit“. Es reden als Vertreter der vom Klimawandel betroffenen Regionen Melvin Purzuelo von den Philippinen und Hindou Oumarou Ibrahim aus dem Tschad sowie der Geschäftsführer des Brandenburger Bauernbundes Reinhard Jung.

Nach einer Kaffeetafel besteht noch Gelegenheit, in der Kirche den von Graswurzel tv gedrehten Film „Auf der Kippe“ über den Braunkohle-Widerstand in der Lausitz zu sehen.

„Unser Dorffest zeigt jedes Jahr, wie entschlossen wir sind, hier zu bleiben und uns gegen die menschenverachtenden Tagebau-Pläne zu wehren“, sagt Monika Schulz-Höpfner vom Bündnis „Heimat und Zukunft“: „Und dass wir nicht allein sind, sondern viele Menschen in Deutschland und der ganzen Welt unseren Kampf für eine umweltfreundliche Stromerzeugung unterstützen.“

Zur Homepage des Bündnisses "Heimat und Zukunft"

 

 

12. Oktober 2015

"Manifestliches" im Theater am Rand

Beitrag in der Zeitschrift "Das Blättchen" [18. Jg. (2015) Nr. 21]

Anlässlich der Premiere der Szenischen Lesung "Manifestliches" von Walfriede Schmitt am 3. Oktober 2015 im Theater am Rand hat Gerd-Rüdiger Hoffmann eine Rezension verfasst, die am 12. Oktober 2015 in der Zeitschrift "Das Blättchen" erschienen ist. Darin heißt es unter anderem: 

Wer den „Tag der deutschen Einheit“ nicht im Taumel des Offiziellen begehen, dennoch diesen Tag nicht ignorieren wollte, der konnte durchaus fündig werden. Nach dem Motto eines Wenzel-Liedes „Halte Dich von den Siegern fern, / Halte Dich tapfer am Rand!“ war das Theater am Rand im Oderbruch eine gute Adresse. Hier spielte bereits am Vorabend die „Bolschewistische Kurkapelle“ und ließ das voll besetzte Theater mit Eisler, Reiser und Brecht beben. 

Am Feiertag dann eine Premiere: Der Schauspieler Jens-Uwe Bogadke, Tobias Morgenstern am Akkordeon, der legendäre Conny Bauer an der Posaune sowie vor allem Walfriede Schmitt präsentierten eine Collage aus Marx-Texten und geschickt ausgesuchten Stellen aus dem 1920 zu erst erschienenen fiktiven Reisebericht „Der Papalagi“ von Erich Scheurmann. Das Buch zu „Manifestliches – Dialog zwischen Karl Marx und dem Südseehäuptling Tujavii“ schrieb Walfriede Schmitt selbst. Regie führte Olaf Winkler. Gern konnte man deshalb der Ankündigung glauben, dass die Namen der Mitwirkenden für Sinnlichkeit und Humor bürgten. Und wer das von Tobias Morgenstern und Thomas Rühmann geleitete Theater am Rand einmal gefunden hat, weiß ohnehin, dass Denken nicht notwendigerweise schlimm sein muss. Unterstützt haben das Vorhaben die kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Sigrid Hupach, Hans Modrow und die Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Dennoch gab es vor der Aufführung gute Gründe für eine gewisse Skepsis. Einmal wurde mit brechtscher didaktischer Strenge im Programmheft angekündigt, dass es Zeit sei, mit dem Jammern auf hohem Niveau aufzuhören. Aufklärung darüber sei angesagt, dass das Kapital dabei wäre, die alleinige Herrschaft in der Welt endgültig zu erringen und dass es deshalb höchste Zeit sei, „konzentriert hinzuschauen auf die beängstigenden Gründe für den Zustand dieser Welt“. 

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8. Oktober 2015

Einladung zum Gespräch mit dem Rabbiner der Dresdner Jüdischen Gemeinde Alexander Nachama

Eine Veranstaltung des Regionalbüros Lausitz der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg e.V. in Senftenberg

Rabbiner Alexander Nachama (Foto: Tobias Barniske)

Das Regionalbüro Lausitz der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg lädt sehr herzlich ein zu einem Gesprächsabend mit ALEAXANDER NACHAMA (Jg. 1983), der seit 2012 der seit 70 Jahren erste Rabbiner der Jüdischen Gemeinde in Dresden ist.

Er ist am Donnerstag, 8. Oktober 2015, 19 Uhr, zu Gast in der Reihe "Reden über Philosophie, Kunst und Politik" und erzählt im Gespräch mit Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann und Cathleen Bürgelt vom "JÜDISCHEN LEBEN IN DRESDEN IM JAHR 2015".

Die Veranstaltung findet im Bürgerhaus Wendsiche Kirche (Baderstr. 10) in Senftenberg statt. Der Eintritt ist frei.

„Wer keinen Juden kennt, der ist anfälliger für Antisemitismus.“ Das klingt sehr schlicht, um ein ernsthaftes Problem zu beschreiben. Den-noch scheint es so zu sein, dass Antisemitismus in besonders unverblümter Form vor allem dort auftritt, wo über jüdische Kultur, Geschichte und Religion wenig gewusst wird und jüdisches Leben im öffentlichen Leben kaum eine Rolle spielt. Dagegen mit den Mitteln der politischen und kulturellen Bildung anzugehen, das sieht die Stiftung mit dem Namen Rosa Luxemburg als eine ihrer wichtigen Aufgaben an. Rabbiner Alexander Nachama ist bereit, diesen Bildungsauftrag zu unterstützen und im Gespräch mit Cathleen Bürgelt und Gerd-Rüdiger Hoffmann über Tradition und Gegenwart jüdischen Lebens in Dresden zu sprechen sowie Fragen der Gäste zu beantworten.

ALEXANDER NACHAMA (Jahrgang 1983) ist seit November 2012 nach 70 Jahren der erste Gemeinderabbiner in Dresden. Bereits im Jahre 2005 schloss er eine Ausbildung als Kantor ab und studierte Judaistik an der Freien Universität Berlin und an der Universität Potsdam (2012 Master). Ebenfalls 2012 beendete er erfolgreich seine fünfjährige Rabbinerausbildung am Abraham-Geiger-Kolleg Potsdam.

Die JÜDISCHE GEMEINDE DRESDEN kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Die erste urkundliche Erwähnung einer jüdischen Gemeinde geht auf das Jahr 1265 zurück. Während der Pestjahre 1349 wurden während eines Pogroms die Dresdener Juden vertrieben oder ermordet. Aber noch im 14. Jahrhundert werden wieder Juden in Dresden urkundlich erwähnt. Eine mittelalterliche Synagoge in Dresden ist bereits früher nachweisbar. Die von Gottfried Semper entworfene 1840 feierlich geweihte Synagoge fiel in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 dem Nazi-Mob zum Opfer. Die etwa 6.000 Gemeindemitglieder wurden verfolgt, die meisten umgebracht. 1945 gab es noch 40 Gemeindemitglieder, gegenwärtig sind es etwa 700, wobei die meisten aus der ehemaligen Sowjetunion stammen.

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28. September 2015

Das Theater im Revier und Heinz Klevenow

Rede zur Matinee und Beitrag in der Zeitschrift "Das Blättchen" [18. Jg. (2015) Nr. 20)

Für den 30. August 2015 lud die NEUE BÜHNE Senftenberg zu eine Matinee ein, um den 75. Geburtstag von Heinz Klevenows, Schauspieler und erster Intendant am Senftenberger Theater nach 1989/90, zu feiern.

Gerd-Rüdiger Hoffmann hat dabei eine Rede gehalten, die in der Zeitschrift "Das Blättchen" am 28. September unter derm Titel "Das Theater im Revier und Heinz Klevenow" erschienen ist. Darin heißt es unter anderem: 

 

"Wer über Heinz Klevenow etwas sagen will, muss über Theater reden. [...] Seit der Gründung im Oktober 1946 ging es in Senftenberg, auf Niedersorbisch Zły Komorow, was aber zuerst durch die Nazis und dann durch Bergbau und Industrialisierung mehr und mehr verdrängt wird, immer wieder um das Weiterleben des Theaters. In der Provinz macht das viel Arbeit, denn hier ist gutes Theater nicht automatisch berühmtes Theater. Heinz Klevenow kennt die für Fremde seltsame Mentalität der Menschen im Revier und lässt sich darauf ein, für diese Theater zu machen. Der Spruch auf den Plakaten 'Ich bin Bergmann, wer ist mehr!' wurde von vielen gelebt, war ernst gemeint. Dann das Ende des Bergbaus. Doch ein Theater, das nicht mit Umbrüchen und Unberechenbarem zu tun bekommt und dieses meistert, ist vielleicht nicht so lebendig und vor allem nicht so langlebig wie das Theater Senftenberg. Gegründet im Oktober 1946 'auf Befehl' von Oberst Iwan D. Soldatow in einer Zeit des Hungerns, der Ungewissheit, aber auch der großen Hoffnung, dass die Menschen doch wieder zur Vernunft kommen mögen, waren es dann in der Geschichte des Hauses immer wieder neu zu schaffende Voraussetzungen für gutes Theater. Lediglich drei sollen genannt werden: Erstens: Zuerst muss Theater gewollt sein. [...] Zweitens: Weiterhin müssen Künstlerinnen und Künstler da sein, die Theaterspielen können, genau dieses Theater an diesem Ort wollen und dann auch noch von dieser Arbeit leben können. [...] Drittens: Schließlich müssen unter Künstlern stets auch solche sein, die über ihre künstlerische Arbeit hinaus es auf sich nehmen, gutes Theater zu organisieren – sich mit den Rahmenbedingungen herumzuschlagen, die eigenen Leute zu motivieren, mit den Kassenwarten und Bürokraten umzugehen und es sich mit Verbündeten und Feingeistern nicht zu verderben."  

 

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26. September 2015

Konferenz "Wenn Konzerne den Protest managen" an der Humboldt-Universität zu Berlin

im Rahmen der Linken Medienakademie 2015

Im Rahmen der Linken Medienakademie (LiMA) laden Robin Wood, Klimaretter.info und Lobby Control gemeinsam mit der LiMA zu einer Konferenz ein, bei der es um die Frage geht, wie Konzerne zivilgesellschaftliches Engagement beeinflussen oder steuern. "Wenn Konzerne den Protest managen..." so der Titel der Veranstaltung am 26. September 2015 an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Im Einladungstext heißt es: " Über Jahrzehnte haben Konzerne differenzierte Strategien entwickelt, um ihre ökonomischen Interessen gegenüber der Politik durchzusetzen. Doch der bisher übliche Lobbyismus in Brüssel, Berlin oder anderswo genügt nicht, wenn Unternehmen mit zivilgesellschaftlichem Widerstand konfrontiert sind, wie er sich etwa gegen Großprojekte (Straßen, Bahnhöfe, Flughäfen, Gentechnik etc.) formiert. Zunehmend fordert die Zivilgesellschaft nicht nur rechtsstaatlich korrekte und legale Entscheidungen ein, sondern auch gerechte und legitime. Unternehmen und Politik setzt das unter großen öffentlichen Druck.

Als eine Reaktion weiten auch Konzerne und deren PR-Agenturen ihre Handlungsfelder in den zivilgesellschaftlichen Bereich aus, der bisher vor allem den Sozialen Bewegungen vorbehalten war. Und sie, die Unternehmen, tun dies häufig verdeckt. Öffentlichkeitswirksamen Proteste werden inzwischen von Investoren oder Projektentwicklern einkalkuliert. Es wird nicht mehr nur versucht, diese zu verhindern oder zu ignorieren. Vielmehr ist es das Ziel, „Argumente zu managen“, Proteste zu übertönen oder zu neutralisieren – jedenfalls wird aktiv versucht, um die Meinungshoheit im öffentlichen (Diskurs-)Raum zu kämpfen.

Dabei kommt den Unternehmen und ihren Agenturen entgegen, dass Interessen in der modernen Gesellschaft weit ausdifferenziert sind. Neue Technologien und Vorhaben stoßen deshalb tatsächlich bei kleineren oder größeren Gruppen auf Akzeptanz – eine Gruppe von Befürwortern findet sich meist. Dies machen sich Unternehmen zunutze, indem sie derartige Gruppen unterstützen oder gar initiieren (wie es etwa in der Auseinandersetzung um den neuen Stuttgarter Hauptbahnhof mit der Kampagne „I love S21“ zu beobachten war). Konzerne und PR-Agenturen nutzen außerdem aus, dass zivilgesellschaftliche Aktionsformen (Bürgerinitiativen, Unterschriftensammlungen etc. pp.) per se ein positives Image besitzen – wessen Interessen damit vertreten werden, ob sie selbstlos sind und dem Gemeinwohl dienen, wird selten hinterfragt. Konzerne profitieren zudem von einer zunehmenden Unübersichtlichkeit: Technologien und Projekte werden immer komplexer und damit für viele Bürger schwerer verständlich. Das Internet hat zu einer Vervielfachung von Informationen geführt; es hat nicht nur sozialen Bewegungen neue Kanäle geöffnet, sondern es lassen sich auch Gerüchte, Falschinformationen, Denunziationen über sie verbreiten.

Diese neuen Unternehmensstrategien werden bisher weder von Sozialen Bewegungen und betroffenen Initiativen, noch von Journalisten und Medien ausreichend ernstgenommen und analysiert. Deshalb sollen sie auf einem Schwerpunkttag bei der LiMA15-Woche vom 21.-26. September an der HU Berlin behandelt werden. Neben der Aufklärung über diese Prozesse, in denen ökonomische Interessen mit den Mitteln der Zivilgesellschaft durchgesetzt oder unterstützt werden sollen, geht es insbesondere darum, erfolgreiche Gegenstrategien zu beleuchten und bekanntzumachen."

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Zum Themenschwerpunkt bei Robin Wood ...

 

 

25. September 2015

Lesung aus dem Buch "Gespräche über Rassismus - Perspektiven und Widerstände

Veranstaltung in Cottbus

Die Initiative "Flucht und Migration Cottbus" lädt herzlich ein zu einer Veranstaltung am 25. September im Orchestersaal im Probenzentrum (Lausitzer Str. 31, 03046 Cottbus/Chóśebuz) ein.

Der Herausgeber des Buches Zülfukar Çetin liest gemeinsam mit Menschen aus der Initiative aus dem Buch „Gespräche über Rassismus.

Der Rezensent Prof. Dr. Heinz-Jürgen Voß schreibt zusammenfassend über das Buch: „Einen auch nur einigermaßen umfassenden Einblick in den vorliegenden Band zu geben ist auf Grund der durchweg qualitativ hochwertigen und gelungenen Beiträge schwierig. 'Gespräche über Rassismus: Perspektiven & Widerstände' leisten eine aktuell notwendige Positionsbestimmung für Kämpfe gegen den in Europa und gerade auch in Deutschland erstarkenden Rassismus.“

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21. September 2015

Linke Medienakademie 2015: De-Fragmentierung

Vorträge, Workshops, Diskussionen, Filme, Ausstellung und anderes mehr

Die Linke Medienakademie (LiMA) ist ein gemeinnütziger, ehrenamtlich arbeitender Bildungsverein, der mediale Weiterbildung und Debatten möglichst vielen Menschen zugänglich machen möchte. Die nächste #LiMA15 findet vom 21. bis 26. September 2015 an der Humboldt-Universität zu Berlin statt und stellt unter dem Thema "De-Fragmentierung" die Auseinandersetzung mit der aktuellen Medienlandschaft und -politik in den Mittelpunkt. Zahlreiche Vorträge und Debatten werden von einem konzentrierten Weiterbildungsangebot begleitet. Das vorläufige Programm ist online und wird ständig ergänzt.

In dieser Woche gibt es auch eine ganze Reihe kostenloser Veranstaltungen, auf die an dieser Stelle besonders hingewiesen wird:

Montag 21. September, 16.00 Uhr: "Die Tageszeitung ist tot! Es lebe die Wochen- und Monatszeitung!" mit Jörg Staude (LiMA) (Moderation), Daniel Leisegang (Blaetter), Robert Dobschütz (Leipziger Zeitung), Michael Angele (der Freitag), Uwe Kraus (Harzzeit)

Montag 21. September, 19.00 Uhr: Einführungsvortrag: Die Historie der ''Lügenpresse'' mit Heiko Hilker (Dresdner Institut für Medien Bildung und Beratung)

Montag 21. September, 19.15 Uhr: ''Interesse(n) an der Wahrheit? Medien im Umbruch 1990 bis 2015'' mit Tom Strohschneider (Neues Deutschland) (Moderation), Daniela Dahn, Dietmar Bartsch, Sergej Lochthofen (Thüringer Allgemeine)

Dienstag 22. September, 19.00 Uhr: „Union Busting - Die Bekämpfung von Betriebsräten und Gewerkschaften als professionelle Dienstleistung" mit Katja Barthold (Mod.), Renate Gensch (ver.di), Elmar Wigand (Aktion Arbeitsunrecht e.V.) und Tilo Heijhal (Medienrechtler, LiMA e.V. Vorstandsvorsitzender) 

Mittwoch 23. September, 18.00 Uhr: „''Community communication'' in the context of violence against journalists in Mexico - The case of Oaxaca" mit Loreto Alejandra Bravo Muñoz (Palabra Radio, Mexiko)

Donnerstag 24. September, 19.00 Uhr: „Only 'good news' are 'good news'. Konstruktiver- vs. Katastrophenjournalismus" mit Susanne Götze (LiMA) (Mod.), Shila Meyer-Behjat (enorm Magazin), Uwe Krüger (Uni Leipzig), Felix Werdermann (der Freitag), Kathrin Hartmann

Freitag 25. September, 14.00 Uhr: „Liquid democracy - Erfahrungen und Ausblicke zu digitaler kontinuierlicher Mitbestimmung in Organisationen mit Liquid Democracy" mit Martin Delius (Piratenpartei)

Freitag 25. September, 17.00 Uhr: „Galoppierender Klimawandel und das Schneckentempo der Politik – Wie radikal darf und muss man sein, um die Welt zu retten?" mit Eva Mahnke & Benjamin v. Brackel (beide: klimaretter.info), Katrin Ganswind (Urgewald), Tobias Münchmeyer (Greenpeace) und Alois Vedder (WWF)

Freitag 25. September, 19.00 Uhr: „Demokratie online – Das Netz besser für demokratische Kontrolle und Mitbestimmung nutzbar machen!" mit Halina Wawzyniak (MdB DIE LINKE) (Mod.), Dr. Christina Deckwirth (Lobby Control), Prof. Dr. Martin Emmer (FU Berlin), Katharina Nocum (Campact) (angefragt)

Zudem gibt es auch einige Filme zu erleben und die Ausstellung "Was dürfen Karikaturen? Alles!" mit Arbeiten von Benoit Ribot, Gerhard Seyfried, Klaus Stuttmann und Rainer Hachfeld, die am 21. September um 17.30 Uhr im Foyer eröffnet wird.Am 24. September gibt es ab 17.30 Uhr auchdie Möglichkeit zum Gespräch mit den Künstern.

 

 

10. September 2015

Erratischer Marxismus? Oder gilt doch: "Warum Marx recht hat" (Terry Eagleton, 2012)?

Dritte Veranstaltung des Lausitz-Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg zur aktuellen Politik mit/gegen Griechenland

Marx im Kunstgussmuseum Lauchhammer (Foto: Hoffmann)

Das Regionalbüro Lausitz der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg e.V. lädt für Donnerstag, 10. September 2015, zur dritten Veranstaltung zur aktuellen Griechenland-Politik in diesem Jahr in Tenglers Buchhandlung (Markt 11, 01968 Senftenberg) ein. Beginn des Vortrags mit Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann (Philosoph, Senftenberg) in der Reihe "Reden über Philosophie, Kunst und Politik" ist 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. 

Zum Auftreten der „Halbstarken von Athen“(WAZ vom 5.2.2015) gehört für manchen Linken auch, dass sich Yanis Varoufakis „erratischer Marxist“ nennt. Denn es ist nicht unbedingt so, dass alle in der etablierten Linken die Situation im aktuellen Griechenland als Herausforderung für die Weiterentwicklung des Marxismus oder einer linken politischen Strategie begreifen. Einige sind durchaus damit beschäftigt, über die "Reinheit" der Lehre zu wachen und den Grad von Opportunismus bei der regierenden SYRIZA zu messen. Auch innerhalb von SYRIZA und in anderen linken Parteien Griechenlands gibt es Vorbehalte, wenn zum Beispiel Yanis Varoufakis sich wieder einmal theoretisch äußert und dabei nicht unbedingt die klassischen Vokabeln des Lehrbuchmarxismus verwendet. 

Gerd-Rüdiger Hoffmann (Jg. 1952), Philosoph und Initiator der Reihe "Reden über Philosophie, Kunst und Politik", wird nach zwei Veranstaltung zu Griechenland nun darüber sprechen, ob man mit Blick auf die Politik von SYRIZA sagen könne, „warum Marx recht hat“ (Terry Eagleton, 2012) oder doch besser von einem „erratischen Marxismus“ (Yanis Varoufakis, 2013) auszugehen sei. 

Außerdem wird zu zeigen sein, dass das, was unter dem Begriff erratischer Marxismus verstanden wird, gar nicht so neu ist. 

LESETIPPS: Yanis Varoufakis. Wie ich zum erratischen Marxisten wurde (2013). In: nd-Dossier Griechischer Frühling. Berlin 2015. S. 16-24 // Terry Eagleton. Warum Marx recht hat. Berlin 2012 // Hans Jörg Sandkühler. Marxismus? Geschichte + Kritik = historische Selbstkritik. In: Zeitschrift Marxistische Erneuerung. Wiesbaden. Heft 2/1990. S. 6-20 

Das erste nd-Griechenland-Dossier ist unter diesem Link einsehbar. 

Weitere Informationen zur Veranstaltungsreihe ... 

 

11. September 2015

Benefizkonzert für "Refugees welcome" im Amphitheater Senftenberg

Unter dem Titel „Welcome Rock“ lädt die Senftenberger Initiativgruppe „Refugees Welcome“ am Freitag, dem 11. September 2015, ab 19 Uhr zum großen Benefizkonzert in das Amphitheater am Senftenberger See in Großkoschen. Die Gäste erwartet ein lockerer Konzertabend mit einer musikalischen Mischung, die für jeden Geschmack etwas bereithält. Der Eintritt beträgt 7 Euro. Karten gibt es an der Theaterkasse in Senftenberg sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

Mit den Erlösen des Konzerts möchten die mittlerweile weit mehr als 100 Mitglieder der Flüchtlingsinitiative weitere Projekte realisieren, die Asylsuchenden in der Region sowie insbesondere den Bewohnerinnen und Bewohnern der vorübergehenden Unterkunft im Schullandheim in Senftenberg und den Einwohnerinnen und Einwohnern der Stadt zu Gute kommen. So sollen beispielsweise neue Bücher zur Vermittlung der deutschen Sprache erworben werden. Außerdem sind weitere Begegnungstage und Begegnungsnachmittage sowie Sportveranstaltungen, bei den die Bewohnerinnen und Bewohner mit „Einheimischen“ zusammenkommen, geplant.

Darüber hinaus hat sich die Gruppe für das anstehende Konzert eine besondere Aktion einfallen lassen, um die Menschen einander näher zu bringen: Wer möchte, kann im Vorverkauf eine sogenannte „Patenkarte“ für Flüchtlinge oder Asylbewerber erwerben und diese im Pegasus abgeben. Die "Patenkarten" werden drei Tage vor dem Konzert an die im Schullandheim Wohnenden als Einladung übergeben. „Somit werden die Flüchtlinge in dieses Konzert mit einbezogen und es können Kontakte entstehen“, heißt es aus der Gruppe.

Musikalisch ausgestaltet wird der Abend durch Auftritte der Ska/Reggae-Bands "Berlin Boom Orchestra" aus der Bundeshauptstadt und "Yellow Umbrella" aus Dresden sowie durch das Senftenberger Liedermacher-Duo Senftenberg "Kleiner Sturm im Wasserglas" und die Band "Wundabunter Straszenpunk" , die Straßenmusik aus Berlin zum Besten gibt.

„Wir laden alle Interessierten sowie deren Freunde und Verwandte herzlich ein und freuen uns auf eine rege Beteiligung“, erklären die Organisatoren.

Das Benefiz-Konzert findet statt im Rahmen der „Interkulturellen Wochen im Landkreis Oberspreewald-Lausitz“, die noch bis zum 11. Oktober 2015 stattfinden. Das komplette Programm gibt es unter www.osl-online.de.

 

 

2. September 2015

Wendischer Nachmittag am 22. August in Senftenberg / Zły Komorow

Beitrag von Gerd-Rüdiger Hoffmann für die niedersorbische Zeitung Nowy Casnik

Zły Komorow (Senftenberg), das wissen nicht nur die Leserinnen und Leser dieser Zeitung, hat regelmäßig Bildendes und Unterhaltendes zur Kultur und Geschichte der Sorben/Wenden zu bieten. Dem teilweise heftigen Streit um die Frage, ob Zły Komorow zum sorbischen/wendischen Siedlungsgebiet zu rechnen sei, ist sicherlich geschuldet, dass es vor allem politische Bildungsveranstaltungen sind, die auf großes Interesse bei der Bevölkerung rund um Zły Komorow treffen. Das Lausitzbüro der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg kann ein Lied davon singen, wenn wieder einmal der Raum für eine geplante Bildungsveranstaltung zu klein war, etwa beim Philosophieabend über die sorbische Intellektuelle Marja Grólmusec. Auch die Veranstaltungen der Cottbuser Schule für Niedersorbische Sprache und Kultur in der Wendischen Kirche, einschließlich der Niedersorbisch-Sprachkurs, sind stets gut besucht. Die Domowina-Ortsgruppe ist inzwischen eine von der Lokalpolitik ernst genommene Instanz. Um die Teilnehmerzahl beim jährlich stattfindenden deutsch-wendischen Gottesdienst wird so manche Gemeinde im Siedlungsgebiet den Senftenberger Pfarrer Manfred Schwarz beneiden. Es sieht also recht gut aus im Bemühen, die sorbische/wendische Geschichte und Kultur in der Senftenberger Bevölkerung bewusst werden zu lassen und bei den Sorben/Wenden unter ihnen die Sprache zu revitalisieren. Mit der Wendischen Kirche als Symbol und Ort dieser Bemühungen im Zentrum der Stadt sind sehr gute Voraussetzungen gegeben.

Nun jedoch gab es zum wiederholten Mal im Rahmen dieser Anstrengungen von Domowina und Niedersorbischer Sprachschule eine Einladung in die Gaststätte der Gartensparte „Heimatruh“ am Rande der Stadt. Das ist eventuell riskant mit Blick auf Teilnehmerzahlen, aber mehr als eine symbolische Geste und sicher gut so. Die rührige Leiterin der wendischen Cottbuser Bildungseinrichtung Maria Elikowska-Winkler hatte zum ersten wendischen Nachmittag eingeladen, um gemeinsam mit der Tanzgruppe Bährenbrück und der Malerin Evelyn Pielenz Unterhaltsames und Unbekanntes vorzustellen. Unterstützung fanden sie beim Wirt Ralf Lapstich, selbst sorbischer Herkunft. Und so fühlten sich alle beim Zuschauen der Tänze, bei den Erläuterungen zu den unterschiedlichen Trachten und zur Sprache gut unterhalten. Mitmachen konnte man beim Quiz um Ortsnamen sowie beim Malen von wendischen Symbolen und Sagengestalten. Nicht zuletzt wurde Interesse an der Sprache geweckt, weil Maria Elikowska-Winkler, ganz Lehrerin, einige lustige Beispiele vorführte, was passiert, wenn ähnlich geschriebene Wörter durcheinander geraten. Den Unterschied zwischen žiwa und žywa oder zwischen žabys und zabiś werden sich viele nach diesem anregenden Nachmittag wohl merken. Vielleicht bekamen einige Gäste auch Lust auf den Niedersorbisch-Sprachkurs in der Wendischen Kirche. Schließlich wurde auch gemeinsam getanzt. Warum bei wendischer Folklore auch immer wieder die Annemarie-Polka dieses Nazi-Marschliederkomponisten Herms Niel (Hermann Nielebock) dabei sein muss, verstehe ich bis heute nicht. Aber warum sollte diese Frage nicht Gegenstand einer weiteren Veranstaltung sein?

 

Der Beitrag ist in der aktuellen Ausgabe des Nowy Casnik auf Niedersorbisch (zum Lesen hier klicken) und auf Deutsch (zum Lesen hier klicken) erschienen.

Zur Tageszeitung Nowy Casnik...

 

 

21. August 2015

Auch in diesem Jahr: vier besondere Filme unterm Sternenzelt

Kranich e.V. und die Evangelische Kirchgemeinde laden in die Wendische Kirche ein

Seit vielen, vielen Jahren gibt es die Reihe "Der besondere Film" in der Wendischen Kirche in Senftenberg. Auch in diesem Jahr laden der Kranich e.V. und die Evangelische Kirchgemeinde an vier Freitagabenden in den Hof des Bürgerhauses "Wendische Kirche" (Baderstraße 10, 01068 Senftenberg) zu besonderen Filmerlebnissen ein. 

Der Eintritt beträgt jeweils 3 Euro, Beginn ist etwa um 20:30 Uhr, auf jeden Fall bei Anbruch der Dunkelheit. Die Filme werden auch bei schlechtem Wetter gezeigt - dann in der Regel in der Wendischen Kirche. 

Der Kranich e.V. hat die Informationen auch in einem Faltblatt zusammengestellt ... 

Ausgewählt wurden für dieses Jahr: 

  • 21.08.2015: Das Mädchen Wadjda (Saudi Arabien/ Deutschland 2012; R: Haifaa Al Mansour, 97 min, deutsche Fassung, Spielfilm) Auf ihrem täglichen Schulweg kommt Wadjda an einem Spielzeuggeschäft mit einem grünen Fahrrad vorbei. Dabei wünscht sie sich jedes Mal, dieses grüne Rad zu besitzen. Denn dies würde bedeuten, sich endlich gegen Abdullah durchzusetzen und dem Nachbarsjungen davonfahren zu können. Doch in Saudi Arabien ist es Mädchen und Frauen untersagt Fahrrad zu fahren… „Ein charmanter, handwerklich makelloser Film über die Stellung der Frau in einer streng islamischen Gesellschaft. Gedreht von einer Frau, in einem Land, in dem es keine Filme und keine Kinos gibt und auch dieser Film nicht gezeigt werden kann."[KulturSPIEGEL]
  • 28.08.2015: Antônia (Brasilien 2006; R: T. Amaral, 90 min; Spielfilm, OmU) "Preta, Barbarah, Mayah und Lena, vier schwarze Brasilianerinnen, sind in einem von Armut geprägten Vorort Sao Paulos aufgewachsen. Seit kurzem haben sie ihren Job als Background-Sängerinnen an den Nagel gehängt, um als R'n'B-Quartett den Traum von der eigenen Karriere zu realisieren. Bis sie aber das Stadtviertel mit seiner Bandenkriminalität hinter sich lassen können, müssen sie hart arbeiten und den Widerstand der gesamten Machowelt überwinden …" [kino.de] Die Authentizität des Filmes entsteht durch die vier Hauptdarstellerinnen. Diese sind tatsächlich Rapperinnen und wurden mit dem Film zu Stars in Brasilien.
  • 04.09. Auf dem Weg zur Schule (Frankreich 2013; R: P. Plisson, 77 min; Dokumentarfilm, deutsche Fassung) Der elfjährige Jackson und seine jüngere Schwester laufen jeden Morgen 15 Kilometer durch die kenianische Steppe, um zu ihrer Schule zu gelangen. Gefährlich können Ihnen dabei die Elefanten werden, deren Revier sie durchqueren müssen. Noch weiter ist der Schulweg für die zwölfjährige Zahira, die 22 Kilometer weit durch das Atlasgebirge in Marokko gehen muss, um in ihre Schule zu kommen.…[bjf] „Der Regisseur Pascal Plisson ist eigentlich Tierfilmer, aber er begegnete mitten in der Wildnis von Kenia immer wieder Kindern, die abenteuerliche Wege zurücklegten, um in die Schule zu kommen. Deshalb ist sein Film [.] ein grandioser Naturfilm mit wunderschönen Bildern von Steppen, Geröllpisten, kargen Berghängen und mutigen Kindern geworden. " [Zeit Online 9.12.2013]
  • 18.09. Le Havre (Finnland/ Frankreich/Deutschland 2011; R: A. Kaurismäki; 93 min; Spielfilm, deutsche Fassung) Eigentlich wollte sich Marcel Marx in Le Havre zur Ruhe setzen. Als ein Schiff mit afrikanischen Flüchtlingen in Le Havre einläuft und von der Polizei gestellt wird, kann nur der junge Idrissa fliehen und sucht bei Marcel Unterschlupf. Dieser braucht nun die Hilfe seines gesamten Viertels, um Idrissa vor der Polizei zu verstecken… „Europa zerfällt? Nicht in diesem Film! In seinem Flüchtlingsdrama "Le Havre" beschwört der finnische Großmeister Aki Kaurismäki zu nostalgischen Bildern die Solidarität der Schwachen untereinander. Die Moderne hat hier verloren - dafür regiert die Menschlichkeit.“ [Spiegel online Kultur 07.09.2011] 

     

27. August 2015

Alternativen zur aktuellen Griechenland-Politik. Ist es aus finanzökonomisch-fachlicher Sicht überhaupt sinnvoll, was Banken, EU und Bundesregierung von der griechischen Regierung verlangen?

Veranstaltung des Lausitz-Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg mit der Finanzstaatssekretärin des Landes Brandenburg

Das Regionalbüro Lausitz der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg e.V. lädt herzlich ein zu einer zweiten Veranstaltung zur aktuellen Politik mit / gegen Griechenland. Am 27. August 2015 wird Daniela Trochowski (Diplom-Volkswirtin, Finanzstaatssekretärin des Landes Brandenbrug) zu Gast in der Reihe "Reden über Philosophie, Kunst und Politik" zu Gast sein bei Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann (Philosoph; Senftenberg). Beginn der Veranstaltung in Tenglers Buchhandlung (Markt 11, 01968 Senftenberg) ist 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Fast jeder/jede hat eine Meinung zu Griechenland und ist schnell bereit, diese auch deutlich und mitunter laut zu vertreten. Griechenland polarisiert. Doch was trägt dazu bei? Das Auftreten der „Halbstarken von Athen “ (WAZ vom 5. 2. 2015)? Oder die Meinungsmacher von BILD: „Heute lesen, was morgen Meinung ist“? Oder haben das analytische Herangehen in Materialien der Rosa-Luxemburg-Stiftung und in ND-Dossiers eine Chance, beachtet zu werden?

Daniela Trochowski (Jahrgang 1969), Diplom-Volkswirtin und Finanzstaatssekretärin, wird neben einigen aktuell-politischen Zusammenhängen vor allem aus fachlicher Sicht der Frage nachgehen, welches Ergebnis für Griechenlands Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft mit der seit fünf Jahren herrschenden „Griechenland-Rettung“ erreicht werden soll. Was ist eigentlich „Austeritätspolitik“? Und sie wird ihre Position zur Frage darstellen, was denn passiert wäre, wenn die Bundesregierung die heute gegenüber Griechenland angewandte Logik nach 1990 für die Wirtschaft der neuen Bundesländer in Anschlag gebracht hätte.Gerd-Rüdiger Hoffmann (Jahrgang 1952), Philosoph und Initiator der Reihe REDEN ÜBER PHILOSOPHIE, KUNST UND POLITIK, wird nach dieser zweiten Veranstaltung zu Griechenland in einer dritten am 10. SEPTEMBER 2015 darüber sprechen, ob man mit Blick auf die Politik von SYRIZA sagen könne, „Warum Marx recht hat“ (Terry Eagleton, 2012) oder doch besser von einem „erratischen Marxismus“ (Yanis Varoufakis, 2013) auszugehen sei.

LESETIPP: Stephan Kaufmann. „Die Halbstarken von Athen“ (5.2.2015). Fünf Jahre Eurokrise - Irrtümer, Interessen und Profiteure. Rosa-Luxemburg-Stiftung. Materialien Nr. 7 (April/2015)

Link zur Broschüre...

 

13. Juli 2015

Frist für Bewerbungen zum diesjährigen Förderpreis der RLS Brandenburg endet am 31. August 2015

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg e. V. schreibt für jedes Jahr einen "Förderpreis der Rosa-Luxemburg-Stiftung" aus. Damit sollen publizistische Arbeitsergebnisse von jüngeren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bzw. Autorinnen und Autoren gefördert werden, die sich für die politische Bildungsarbeit der Stiftung besonders eignen und die durch eine Publikation sowie durch begleitende Veranstaltungen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Für den Förderpreis können sich Personen bewerben, die nicht älter als 35 Jahre sind und wissenschaftliches, publizistisches oder künstlerisches Werk geschaffen haben, das die folgenden Voraussetzungen erfüllt: 

 

  • Kritische Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen unserer Zeit
  • Analyse der bestehenden Wirklichkeit im Geiste Rosa Luxemburgs (siehe "Über die Stiftung" im Folgenden)
  • Orientierung am „eingreifenden Denken“ im Sinne von Brecht und Bloch
  • Zusammenführung von Denkbarem und Machbarem

Der jährliche Förderpreis der Rosa Luxemburg Stiftung Brandenburg beinhaltet ein Preisgeld in Höhe von 500 Euro und die Übernahme der Druckkosten für eine Publikation mit bis zu 250 Seiten (bei Texten) sowie die Bereitstellung von 20 freien Autor/innen-Exemplaren. 

Über die Auswahl entscheidet das wissenschaftliche Kuratorium der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg e.V. bis Ende November 2015, so dass beim Neujahrsempfang der Stiftung im Januar 2016 in Potsdam die Preisträgerin / der Preisträger der Öffentlichkeit präsentiert werden kann. 

Die Bewerbungsfrist endet am 31. August. Bis dahin können Interessentinnen und Interessenten ihre Bewerbung einreichen, die neben der Arbeit / dem künstlerischen Werk auch ein Exposé über Inhalt, Zielsetzung und Methodik sowie ein Gutachten bzw. eine Referenz und einen kurz gefassten Lebenslauf umfassen sollte. 

Weitere Informationen ... 

 

5. August 2015

Kein Land mehr für Kohle! Swěte su nam naše strony! Nie oddamy więcej wsi na węgiel!

5. Lausitzer Klima- & Energiecamp in Groß Gastrose vom 5. bis 9. August 2015

Energiedemokratie jetzt! - JA zur Lausitz – NEIN zur Kohle! - Global denken – lokal handeln! Unter diesen Stichworten findet Anfang August das 5. Lausitzer Klima- und Energiecamp - dieses Mal in Groß Gastrose. 

Aktuell sind in der Lausitz drei neue Tagebaue in Planung, ein weiterer auf der polnischen Seite. Das Dorf Groß Gastrose soll in Randlage zum geplanten Tagebau Jänschwalde Nord zusehen, wie die Nachbarorte Kerkwitz, Atterwasch und Grabko verschwinden, und dabei selbst jahrelang Staub, Lärm, mangelnde Trinkwasserversorgung und Grundwasserabsenkung hinnehmen. Die Gesundheit der lokalen Bevölkerung wird schon heute durch Schadstoffemissionen aus dem Kraftwerk Jänschwalde beeinträchtigt. Kohleabbau und -nutzung sind nicht nur in Deutschland ein Problem. 

Weitere Informationen und das aktuelle Programm zum 5. Lausitzer Klima- und Energiecamp gibt es unter diesem Link... 

    

14. Juli 2015

Tagungsband zur Konferenz von BTU und RLS Brandenburg zum "Recht auf Perspektive - Regionalentwicklung bei indigenen Völkern, europäischen Minderheiten und den Sorben/Wenden" erschienen

Im Dezember 2014 fand an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg eine gemeinsam mit dem Regionalbüro Cottbus der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg ausgerichtete Tagung zum Thema "Das Recht auf Perspektive – Regionalentwicklung bei indigenen Völkern, europäischen Minderheiten und den Sorben/Wenden" statt, von der einzelne Beiträge nun in einer Online-Broschüre veröffentlicht worden sind. 

Aus dieser Tagung ist ein weiterer Beitrag zum Thema des Guten Lebens hervorgegangen, der gesondert als einzelnes Heft in dieser Schriftenreihe erschienen ist: "Gut Leben in Harmonie: Emergenz, Diskurs und lokalindigene Erfahrung eines neuen Paradigmas im Schatten des Rechts auf Selbstbestimmung in Ecuador" von Johannes WaldenmüllerIn der Ankündigung heißt es: "Ausgehend vom andinen Raum ist das Konzept des Buen Vivir derzeit in zahlreichen Regionen und Facetten aktuell. In diesem Beitrag wird ein kurzer ideengeschichtlicher und inhaltlicher Abriss der als „Buen Vivir“ bezeichneten Bewegung skizziert. Buen Vivir und Sumak Kawsay haben innerhalb von rund 15 Jahren einen internationalen Boom an Fach- und Populärliteratur ausgelöst, wobei die „Verstaatlichung“ dieser Konzepte in Ecuador und Bolivien zu ihrem Erfolg beigetragen hat. Zugleich haben genau diese politischen Prozesse die Konzepte von innen her ausgehöhlt und alternative Bewegungen tendenziell geschwächt, insofern wenigstens echte Teilhabe neuer Akteure (z.B. indigener Parteien) am Regierungsprozess letztlich weitgehend verunmöglicht wurde. Der Beitrag analysiert diese Entwicklung und Versuche, welche den originären Geist der Formulierungen rund um Sumak Kawsay (mehr als Buen Vivir) wiederbeleben und zu verbreiten suchen."

Die Tagung vom Dezember schloss an Vorgängerveranstaltung an, die ebenfalls als WorkingPaper dokumentiert wurde (Häfner/Laschewski 2013). Gegenstand der Veranstaltung im Jahr 2013 war das das Verhältnis von (Minderheiten-)Kultur und Verfügungsmöglichkeiten an natürlichen Ressourcen - ausgehend von der internationalen Konvention der ILO 169 über die Rechte indigener Völker. In dieser Tagung wurde deutlich, dass die Frage „nach der Selbst-Bestimmung von regionaler Entwicklung und Entwicklung der Kultur (...) komplex und kompliziert [wird], wenn eine Minderheiten-Kultur auch nicht exklusiv und eineindeutig einem bestimmten Territorium zugeordnet werden kann, wenn also Minderheiten auch in ihrem ‚angestammten Gebiet‘ selbst Minderheiten (geworden) sind. Und dies ist ja bei den Sorben/Wenden der Fall“ (Laschewski/Häfner 2013, S. 2).

Die Beiträge im nun vorliegenden Band schließen auf unterschiedliche Weise an diese Fragestellung an und thematisieren den europäischen und nationalen Kontext mit Blick auf die Frage des Verhältnisses zwischen Mehrheitsgesellschaft und Minderheiten.

Auch der ehemalige Brandenburgische Landtagsabgeordnete, Philosoph und Afrikawissenschaftler Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann (Senftenberg) beteiligte sich mit einem Vortrag an der Veranstaltung und beleuchtete die Debatte um das „angestammte Siedlungsgebiet“ im Zuge der Novellierung des Sorben/Wenden-Gesetzes in Brandenburg. Er mahnte die Beachtung internationaler, wissenschaftlicher Standards an, nach denen sich die Bindung der Minderheitenrechte an ein bestimmtes Territorium eigentlich verbietet. Mobilität und Freizügigkeit sind selbstverständlich auch Angehörigen einer Minderheit zuzugestehen, ohne dass sie damit ihrer Rechte verlustig gingen. Angesichts der Fixierung auf ein bestimmtes Siedlungsgebiet, wenn es um die Ausreichung von Fördermitteln geht, erstaunt es laut Hoffmann dann doch sehr, dass im Zusammenhang mit dem Braunkohlenabbau niemand der Verantwortlichen auf die Idee kommt, dass die Kohle eigentlich den Sorben/Wenden gehörte. Es ist, so Hoffmann, an der Zeit, ein modernes Minderheitengesetz als höheres Allgemeingut anzusehen als eine rückwärtsgewandte Braunkohlentechnologie.

Den ausführlichen Konferenzbericht finden Sie weiter unten auf dieser Seite unter dem Datum vom 6. Dezember 2014..

Den Tagungsband können Sie hier einsehen... 

Der ausgekoppelte Vortrag von Johannes Waldenmüller steht hier zur Verfügung ... 

 

10. Juni 2015

Szenische Lesung zu den Tagebuchaufzeichnungen eines jüdischen Mädchens im polnischen Ghetto 1943

Außergewöhnliches Schultheaterprojekt feiert in Senftenberg Premiere

Am 10. Juni 2015 feiert ein außergewöhnliches Schultheaterprojekt in Senftenberg Premiere: „Rutkas Tagebuch“. Zwei Schülerinnen und ein Schüler der Bernhard-Kellermann-Oberschule haben sich unter der Regie des Dramaturgen Karl H. Gündel (Dresden) mit den Tagebuchaufzeichnungen des jüdischen Mädchens Rutka Laskier aus dem polnischen Ghetto Bedzin auseinandergesetzt und eine szenische Lesung erarbeitet. Diese wird am 10. Juni ab 17 Uhr im Veranstaltungsraum des Würfel e.V. (Kellermannplatz) zu erleben sein. 

 

Die szenische Lesung basiert auf dem Tagebuch des 14-jährigen polnischen jüdischen Mädchens Rutka Laskier. Die lückenhaften Aufzeichnungen erfassen den Zeitraum zwischen Januar und April 1943. Sie enden abrupt mit dem Abtransport eines Großteils der Familie in das Vernichtungslager Auschwitz.

Anders als im Tagebuch der Anne Frank zeichnet Rutka vor allem Alltagserlebnisse mit Freunden und der Familie auf: Erste versteckte Verliebtheiten, Eifersucht, Enttäuschungen, Hoffnungen, Selbstzweifel und die erwachende, unbestimmte Sexualität einer jungen Frau. Und alles vor der mörderischen Kulisse des Ghettos. In das eigentlich natürliche Gefühlsleben dieses „Teenagers“ brechen immer massiver Angst und Sorgen um die Zukunft ein. Die ist bekannt. Doch immer wieder kämpft sich Hoffnung durch das Dunkel, bis sich der Glaube ans Überleben erschöpft.

 

„Rutkas Tagebuch“ ist keine Heldengeschichte, sondern ein Menschenschicksal, das unter bestimmten Bedingungen jedem zustoßen kann. Dieser Gedanke ist auch der dramatische Ansatzpunkt der szenische Lesung: Zwei Mädchen von heute, die durch eine anonyme Macht ihres normalen Alltages beraubt werden, bis sie nur noch Nummern ohne Namen sind.

Unter der Leitung von Regisseur Karl H. Gündel spielen die SchülerInnen Lina Korilo, Lara Plobst und William Wolff in diesem gemeinsamen Projekt der Bernhard-Kellermann-Oberschule Senftenberg und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg. Alle Interessenten sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.

 

In der Lausitzer Rundschau ist am 12. Juni 2015 ein Bericht von Jürgen Weser zur Aufführung erschienen, der hier einsehbar ist.  

  

18. Juni 2015

Neues Tanzstück von Golde Grunske zum Thema Heimat hat Premiere: "ankommen"

Aufführungen in der Kufa Hoyerswerda, im Piccolo-Theater Cottbus, in Guben und in Horno

Probenfoto von "ankommen" (Foto: Marlies Kross, von der Seite www.golde-grunske.de/)

Am 18. Juni 2015 feiert ein neues Stück der Tanzkompanie Golde G. aus Cottbus Premiere: "ankommen ...".

Wo komme ich her, wo gehe ich hin? Das choreografische Tanzstück "ankommen …" widmet sich dem Thema Heimat und untersucht, was dieser Begriff für Menschen aus der Lausitzer Region bedeutet. Ist Heimat ein Sehnsuchtsort, was bewirkt Heimatverlust durch Umsiedlung oder Vertreibung und kann man eine neue Heimat finden? Auf der Grundlage persönlicher Erlebnisse und Geschichten entwirft die Tanzkompanie Golde G. eindrucksvolle choreografische 'Heimat'-Bilder.

Die "Tanzkompanie Golde G." wurde im Oktober 2008 von der Choreografin Golde Grunske in Cottbus gegründet und entwickelte seitdem mehrere Produktionen in unterschiedlicher Besetzung. Die oft thematisch ausgerichteten Choreografien sind im zeitgenössischen Tanz angesiedelt und entwickeln jeweils eine eigene Bild- und Formensprache.

Es tanzen Ioannis Avakoumidis, Juliane Bauer, Floris Dahlgrün, Denise Noack und Verena Wilhelm, Choreografie: Golde Grunske, Musik und Komposition: Miriam Wieczorek. 

Die Produktion wird unterstützt mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg.

Die Aufführungen finden zu folgenden Terminen statt:

  • 18. Juni, 19.00 Uhr,  Premiere von "ankommen...", Kulturfabrik Hoyerswerda
  • 19. + 20. Juni, 19.00 Uhr, "ankommen...", Piccolo Theater Cottbus
  • 21. Juni, 17.00 Uhr, "ankommen...",  fabrik e.V., Guben
  • 12. September, 19.00 Uhr, "ankommnen...", Horno/Lausitz,  (Hornoer Krug)

 Für weitere Informationen ...

 

 

4. Juni 2015

Weltgeschichte und Geschichten aus der Provinz (2015)

Konferenz des Kulturforums der Rosa-Luxemburg-Stiftung und des Regionalbüros Lausitz der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg

Das Kulturforum der Rosa-Luxemburg-Stiftung und die Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg laden herzlich ein zur fünften Kulturkonferenz PROVINZ VERSUS PROVINZIALITÄT – Weltgeschichte und Geschichten aus der Provinz, die am 4. Juni 2015 im Theater NEUE BÜHNE Senftenberg stattfinden wird.

"Provinz versus Provinzialität" heißt nicht, dass Provinzielles nur in der Provinz verbreitet ist und spannende Kunst und reichhaltiges kulturelles Leben nur in den Metropolen stattfinden. "Provinz" ist nicht abwertend gemeint, sondern soll selbstbewusst verwendet werden mit dem Wissen, dass Kreativität nicht an große Budgets, viel Scheinwerferlicht und Quote gebunden sein muss. Die Konferenzreihe konnte diesen Ansatz bisher als durchaus produktiven Ausgangspunkt für interessante und lehrreiche Debatten bestätigen.

Dazu gehört zuerst, dass Thema und Ort organisch miteinander verbunden sind. Das bedeutet für die Senftenberger Konferenz, dass ein Theaterstück fester Bestandteil der Konferenz ist – inhaltlich wie vom Ablauf her – und das Theater selbst, 1946 auf Anregung bzw. Befehl des sowjetischen Gardeoberst Soldatow gegründet, sich als Ort der Geschichte und von Geschichten vorstellt.

Es wird Vorträge, Interviews und Diskussionen zu den Komplexen "Gedenken und was wirklich war", "Geschichten aus der Provinz und wie es sein könnte", "Kunst, Beharrungsvermögen und Streben nach Neuem" und "Vom kritischen Eingedenken" geben.

Außerdem wird das Tanzstück "Häuten" von Golde Grunske (Cottbus) zu erleben sein, die bereits zur 4. Kulturkonferenz die Gäste begeisterte. Sorbisches/Wendisches ist selbstverständlich wie gewohnt integraler Bestandteil der Konferenz. Die Geschäftsführung des 25. Cottbuser Festivals des Osteuropäischen Films präsentiert Thema und Schwerpunkte des diesjährigen Festivalprogramms, das durchaus mit dem Thema dieser Kulturkonferenz korrespondiert. Und die Schauspielerin Ursula Memmert-Gerlach wird Texte von Walter Benjamin vortragen.

Am Abend wird Heiner Müllers "Germania 3. Gespenster am toten Mann" in der Inszenierung von Manuel Soubeyrand aufgeführt - zum letzten Mal. Die Konferenz-„Dramaturgie“ wird deshalb in einem wesentlichen Punkt dem Heiner-Müller-Stück folgen, nämlich Geschichtsbetrachtung als Collage versuchen. Dadurch soll es möglich werden, zum Beispiel solche Ereignisse wie den 70. Jahrestag der Befreiung von den Nazis sowie den 25. Jahrestag des Zusammenschlusses der beiden deutschen Staaten aus eher ungewohnter Perspektive zu beleuchten – eben aus der Perspektive der „Provinz“ und der „Weltgeschichte“.

Die Konferenz beginnt um 10 Uhr, Einlass ist ab 9.30 Uhr.

Aus organisatorischen Gründen bitten wir um Anmeldung, aber auch kurzentschlossene Gäste sind herzlich willkommen.

Ein Teilnahmebeitrag wird nicht erhoben. Die Karten für die Aufführung „Germania 3. Gespenster am toten Mann“ kosten 10 Euro, Reservierung erbeten. Verpflegung wird gegen Bezahlung vor Ort angeboten.

Ansprechpartnerin: Cathleen Bürgelt, RLS Brandenburg, Postfach 100134, 01957 Senftenberg; Telefon: 0176–20548695, E-Mail: rls-kulturkonferenz[at]gmx.de

Zum detaillierten Programm, zur Einladung und weiteren Informationen ...  

 

Das Einführungsreferat "Weltgeschichte und Bilder aus der Provinz. Warum dieses Thema? Warum in der NEUEN BÜHNE Senftenberg" von Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann ...

 

 

6. Mai 2015

Prof. Dr. Stock vom Potsdam-Institut zu Gast in Proschim/Prožym

Alternativen zur Energiepolitik im Land Brandenburg. Warum der Ausstieg aus der Braunkohle ein Gebot der Vernunft ist

Am Mittwoch, dem 6. Mai 2015, ist Prof. Dr. Manfred Stock vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung zu Gast im Kulturhaus Proschim/Prožym und wird einen Vortrag halten zum Thema "Alternativen zur Energiepolitik im Land Brandenburg. Warum der Ausstieg aus der Braunkohle ein Gebot der Vernunft ist".

Die Veranstaltung wird in Kooperation des Lausitz-Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg mit BUND-Netzwerk "Nachhaltiges Weltbild", Heimatverein Proschim, BTL Lausitz e.V., CDU Initiativgruppe "Energiewende" Berlin-Brandenburg und LEB KAG Spremberg e.V. durchgeführt.

Die Moderation hat Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann (Philosoph; Senftenberg) übernommen.

Alle Interessenten sind herzlich eingeladen. Beginn der Veranstaltung im Kulturhaus Proschim/Prožym (03119 Welzow, OT Proschim/Prožym), ist 19.00 Uhr.

   

23. April 2015

Griechenland: Last oder Hoffnung?

Einladung zur nächsten Veranstaltung in der Gesprächsreihe "Reden über Philosophie, Kunst und Politik"

Am siebenten Abend der Gesprächsreihe REDEN ÜBER PHILOSOPHIE, KUNST UND POLITIK ist am Donnerstag, dem 23. April 2015, TOM STROHSCHNEIDER (Journalist, Chefredakteur der Tageszeitung "neues deutschland"; Berlin) zu Gast bei Dr. GERD-RÜDIGER HOFFMANN (Philosoph; Senftenberg). Beginn der Veranstaltung im Bürgerhaus WENDISCHE KIRCHE (Badstraße 10, 01968 Senftenberg / Zly Komorow) ist 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. 

Es soll in dieser öffentlichen Veranstaltung um das heutige Griechenland gehen, also um ein Thema, zu dem relativ wenig gewusst wird. Jedoch umso heftiger prallen in den Medien und bei Diskussionen auf der Straße sehr unterschiedliche Meinungen aufeinander. Auch der Journalist Tom Strohschneider, Jahrgang 1974, hat eine Meinung zu den Ereignissen in Griechenland vor und nach der Wahl. Und er ist bereit, über die Politik der regierenden Linkspartei Syriza oder das Reden und Handeln deutscher und europäischer Politik zu streiten. Das tut er in seiner ruhigen und freundlichen Art. Allerdings gehört er zu den Journalisten, die auf Grundlage von zuverlässigen Informationen streiten möchten. Bloße Meinung ohne Wissen macht anfällig für ideologischen Unsinn oder kraftlosen Optimismus. Auf seine in den letzten Monaten verfassten gründlichen Griechenland-Dossiers greifen auch gern Kolleginnen und Kollegen zurück. 

Strohschneider hat in Berlin und Graz Geschichte, Ästhetik, Politikwissenschaft und Soziologie studiert. Bevor er 2012 als Chefredakteur zur Tageszeitung „neues deutschland“ ging, arbeitete er bei der Wochenzeitung „der Freitag“ sowie bei der „Tageszeitung (TAZ)“. Dem TAZ-Journalisten Stefan Reinecke ist schleierhaft, warum einer wie Strohschneider zum verschlafenen ND gehen konnte, denn: „Der war immer wahnsinnig schnell, gewandt, hatte die gesamte Medienlandschaft im Blick.“ Reinecke sagt aber auch, dass Tom Strohschneider das „neue deutschland“ überraschend schnell aufpoliert habe.

Die Tageszeitung "neues deutschland" hat auf ihren Internetseiten ein Dossier zusammengestellt - verschiedene Beiträge sind vor kurzem auch in einer gedruckten Sonderausgabe veröffentlicht worden. Wir werden versuchen, ein paar Exemplare davon auch im Umfeld des Gesprächsabend anzubieten. 

 

 

12. März 2015

Lausitzbüro der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg beteiligt sich an der 25. Brandenburgischen Frauenwoche

Veranstaltung des Lausitzbüros der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg e.V. in der Reihe "Reden über Philosophie, Kunst und Politik"

Gabriele Gün Tank (Migrationsbeauftragte IG Metall, Journalistin, "Die Böden Mädchen e.V."; Berlin) [Foto: http://www.politeia.webproductions.de/tank.html]

Das Motto der diesjährigen brandenburgischen Frauenwoche heißt WEITE WEGE ZUR GERECHTIGKEIT. Dieses Thema greifen wir für die Reihe REDEN ÜBER PHILOSOPHIE, KUNST UND POLITIK im Rahmen der Aktivitäten des Lausitzbüros der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg gern auf.

Zu Gast in der gemeinsam mit der Stadt Senftenberg organisierten Veranstaltung am 12. März 2015 (18 Uhr) ist Gabriele Gün Tank, Ende 30, in Deutschland geboren, von vielen jedoch als Türkin wahrgenommen. Zu Hause fühlt sie sich tatsächlich in der Türkei und in Deutschland, obwohl Berlin ihre Heimat ist. Sie sagt: „Ich habe nie das Gefühl gehabt, zwischen zwei Stühlen zu sitzen, sondern immer auf einem großen Sofa.“

Aber genau dieses große Sofa ist nicht ohne Probleme. Nach dem Studium der Kommunikationswissenschaften an der Marmara-Universität in der Türkei beschäftigte sie sich intensiv mit diesen Problemen, mit den Themen Rassismus und Diskriminierung, aber auch mit partizipativer Demokratie und interkultureller Bildung – als Journalistin, als Vorstandsmitglied des IG-Metall-Migrationsausschusses und seit wenigen Wochen als Vorstandsmitglied der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Hauptberuflich ist sie Integrationsbeauftragte in einem Berliner Stadtbezirk. Sie ist Mitbegründerin der deutsch-türkischen Mädchenband „Die bösen Mädchen“ und des gleichnamigen Vereins.

Ihr Anliegen ist es, einen neuen Begriff von Inklusion zu entwickeln: Maximale Teilhabe bei minimaler sozialer und struktureller Ausgrenzung. Darüber wird sie am 12. März 2015 im Senftenberger Rathaus mit allen Interessierten diskutieren. Sie sind herzlich eingeladen.

Weitere Informationen zur "25. Brandenburgischen Frauenwoche - Weite Wege zur Gerechtigkeit" finden Sie hier ...

Das Programmheft des Landkreises Oberspreewald-Lausitz ist hier... einsehbar.

Das Faltblatt mit den Veranstaltungen in Senftenberg kann hier... eingesehen werden.

Und Informationen zur Veranstaltungsreihe gibt es hier...

 

19. Februar 2015

Freiheit und Sozialstaat. Doch welche Freiheit ist gemeint, wenn der Sozialstaat zum Almosenstaat wird? (Sozialreport 2014)

Veranstaltung des Lausitzbüros der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg e.V. in der Reihe "Reden über Philosophie, Kunst und Politik"

Cornelia Hildebrandt (Referentin für Parteien und soziale Bewegungen in der Rosa-Luxemburg-Stiftung; Berlin)

Mit diesem fünften Vortrag in der Reihe „Reden über Philosophie, Kunst und Politik“ des Lausitzbüros der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg geht es scheinbar um reine Politik. Oder geht es gar vor allem um Ursachen der „Politikverdrossenheit“?

Auch diese Frage wird im Vortrag von Cornelia Hildebrandt (Referentin für Parteien und soziale Bewegungen in der Rosa-Luxemburg-Stiftung; Berlin) eine Rolle spielen, wenn sie sich mit dem Sozialreport 2014 „Die deutsche Vereinigung – 1990 bis 2014. Positionen der Bürgerinnen und Bürger“ auseinandersetzt. Den Kern des Reports fasst Cornelia Hildebrandt so zusammen: „Dieser Sozialreport wirft einen Blick auf den Istzustand des jetzigen Deutschlands, auf die Wahrnehmung der politischen Institutionen, den Zustand der Demokratie und beschreibt die sich verändernden Wertevorstellungen, wobei Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit als die wichtigsten Werte angesehen werden. Zugleich wird eine starke Kritik am Zustand der Demokratie formuliert.“

„‘Politikverdrossenheit‘ erweist sich als Demokratieverdrossenheit“, meint Gerd-Rüdiger Hoffmann, der Initiator dieser Veranstaltungsreihe. „Deshalb besteht die eigentliche Herausforderung der etablierten Parteien doch darin, Demokratie als nützlich und sogar als sinnlich positiv erlebbar zu gestalten. Es reicht nicht, immer wieder bloß davon auszugehen, dass die Regierenden schon gute Arbeit leisten würden, auch DIE LINKE nur das Beste für die Menschen will, allerdings das Botschaftsmanagement dringend zu verbessern sei. Es ist eben nicht so, dass fast alles gut ist, es lediglich Mängel beim Erklären dieser guten Politik gegenüber dem ‚Volk‘ gäbe. Einige Defizite liegen tiefer. Deshalb sieht die Rosa-Luxemburg-Stiftung ihre Aufgabe in der politischen Bildung darin, Wertvorstellungen, Vorurteile, Traditionen, Hoffnungen und Hoffnungslosigkeit als durchaus philosophische Fragestellung mit aktueller Politik zu verbinden. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Politik der Linkspartei, insbesondere als Regierungspartei in Brandenburg, kann deshalb nicht ausbleiben. Diese Kritik, ganz im Sinne eines kritischen Marxismus, verstehen wir allerdings als solidarische Ermunterung, mehr partizipative und argumentative Demokratie zu wagen, sich dafür weniger durch eine gewisse Binnensicht auf die sicherlich ebenfalls schwierigen Fragen des Funktionierens einer Partei und der – nicht immer öffentlich zu verhandelnden – Kontroversen innerhalb der Regierungskoalition zerreiben zu lassen“, so Hoffmann.

Eine Anmeldung in der Buchhandlung wird wegen des begrenzten Platzangebotes dringend empfohlen (Telefon: 03573 79 45 70).

Mehr zu dieser Veranstaltungsreihe des Lausitzbüros der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg e.V. ...

 

 

22. Januar 2015

Soviel Vernunft - in Büchern. Doch was kommt raus? Oder: Dürfen Dummköpfe nicht Dummköpfe und Rassisten nicht Rassisten genannt werden, nur weil sie viele sind?

Nächste Veranstaltung des Lausitzbüros der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg e.V. in der Reihe "Reden über Philosophie, Kunst und Politik"

In diesem vierten Vortrag der Senftenberger Reihe „Reden über Philosophie, Kunst und Politik“ der Rosa-Luxemburg-Stiftung stellt Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann die Frage, ob Dummheit eben keine Dummheit mehr sein kann, wenn es (plötzlich) viele sind, die (öffentlich) zum Beispiel die eindeutig falsche Parole herausgeben, dass das „Abendland“ durch den Islam bedroht sei. Oder sollte aus taktischen Gründen diese Dummheit und der damit verbundene Rassismus nicht so benannt werden? Träumen nicht alle Parteien davon, dass sie eine griffige Formel für ihr jeweiliges Programm finden und ihnen deshalb Massen folgen? Welche Möglichkeiten haben Argumente, Analysen und vernunftbasierte Politik, um Stimmungen und dumpfen Wellen zu begegnen? Schließlich geht es auch um die Frage, was Meinungsumfragen eigentlich wissen wollen.

Doch bevor aktuelle politische Ereignisse in diesem Zusammenhang diskutiert werden, wird im Vortrag an ein Projekt des Instituts für Sozialforschung Frankfurt am Main aus Anfang der 1950er Jahre erinnert. Im sogenannten „Gruppenexperiment“ gingen Max Horkheimer, Theodor W. Adorno und Friedrich Pollock fünf Jahre nach der Naziherrschaft der Frage nach, ob bzw. wie lange sich vorherrschende Einstellungen, kollektive Mentalitäten der Deutschen, halten können. Es ging auch um die recht praktische Frage, ob ein „Re-Education“-Programm für die Deutschen überhaupt eine Chance hätte. An die Kraft der Bildung glaubte schließlich auch der sowjetische Gardeoberst Iwan D. Soldatow, der 1946 maßgeblich die Gründung des Senftenberger Theaters veranlasste. Verbunden damit war in beiden Fällen die Hoffnung, die Deutschen durch Wiederbelebung ihrer eigenen humanistischen Traditionen wieder zur Vernunft zu bringen. Denn, so Herbert Marcuse, Tatsache ist, „dass Freiheit unvereinbar ist mit Unwissenheit.“

Der Vortrag mit DR. GERD-RÜDIGER HOFFMANN (Philosoph; Senftenberg / Zły Komorow) findet am Donnerstag, dem 22. Januar 2015, ab 19 Uhr in Tenglers Buchhandlung auf dem Senftenberger Markt statt. Der Eintritt ist frei. 

 

 

11. Januar 2015

Zu den Ereignissen in Frankreich: Das war ein Angriff auf ein immer wieder neu einzulösendes Freiheitsideal

Trauer um die Opfer und Aufgaben politischer Bildung

von Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann

Die der Kommunistischen Partei Frankreichs nahestehende Tageszeitung „L’Humanité“ drückt am 8. Januar 2015 auf schwarzer Titelseite ihre Trauer um ihre Kollegen der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ aus, indem es dort sinngemäß heißt, dass es die Freiheit sei, die mit diesem Attentat ermordet werden soll -  „C’est la liberté, qu’on assassine“.

Wer in Frankreich „Freiheit“ („Liberté) sagt, meint in diesem Kontext stets mehr als „Meinungsfreiheit“ oder „Toleranz“. Gemeint sind dann die ursprünglichen Ideale der Französischen Revolution insgesamt: „Liberté, égalité, fraternité“ („Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“). Außerdem sind nicht zuletzt wegen der weiteren Entwicklung der Französischen Revolution die Schwierigkeiten der Freiheit mitzudenken. Mit dem Wissen von heute meint „Freiheit“ dann auch, dass es eben nicht um irgendeinen von einer dominierenden Gruppe oder selbst von der Mehrheit religiös oder national definierten Einheitsbrei gehen kann, sondern um die Anstrengung, ein Leben in Vielfalt als die normale Bewegungsform der menschlichen Gesellschaft zu begreifen und politisch zu gestalten. Islamisten, Pegida und andere Antidemokraten sehen das anders. Mit „Liberté, égalité, fraternité“, diesen ständig neu einzulösenden Idealen der Französischen Revolution, haben sie nichts im Sinn.

Bezeichnend ist, dass sich der AfD-Fraktionsvorsitzende Gauland in seiner Rede zur Konstituierung des neuen Landtages als Alterspräsident auf einen der größten Hasser dieser Ideale, Edmund Burke (1729 – 1797), bezog. Wie Burke nicht zu den dummen Konservativen gehört, so war die Gauland-Rede zwar kein intellektuelles Glanzstück, wie sogar einige linke Abgeordnete meinten, jedoch auch kein plattes rechtsradikales Gebrüll.

Soll allen Antidemokraten dieses trotzige „Je suis Charlie!“ entgegenschallen! Als Ersatz für eine gründliche Auseinandersetzung mit den Ursachen für Terror, Gewalt, „nichtäquivalenter Kriegführung“ und religiösem Fanatismus reicht das jedoch nicht. Auch der komplizierte Zusammenhang, warum islamistischer Terror und Pegida (einschließlich der Unterstützer in AfD und NPD) zwei Seiten einer Medaille sein könnten, wird auf Kundgebungen, und seien sie noch so groß, nicht herauszuarbeiten sein.

Mehrere der ermordeten Journalisten des Satiremagazins hatten auch für die „L’Humanité“ gearbeitet. Heute, am Sonntag nach den Morden, erschien eine Sondernummer dieser Zeitung mit dem Titel: „Contre la haine. LIBERTÉ, ÉGALITÉ, FRATERNITÉ“ („Gegen den Hass. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“). Und ebenfalls heute gab es die Verabredung während des Neujahrsbrunchs der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin, weiterhin die politische Bildung darauf zu konzentrieren, an die Wurzeln aktueller Erscheinungen vorzudringen und damit Schlussfolgerungen für linkes demokratisches Handeln zu ermöglichen. Mögen politische Reflexe auf schreckliche Ereignisse auch verständlich sein, für mich ist wichtig, dass wir mit den Veranstaltungen des Senftenberger Lausitzbüros und der brandenburgischen Rosa-Luxemburg-Stiftung insgesamt auch weiterhin dem Anliegen einer argumentativen Demokratie verpflichtet bleiben. Darum ging es bei der Gründung der Interessengemeinschaft Dritter Weg Senftenberg wie auch der DDR-Volksbewegung 1989/1990.

Der Auftakt der Europäischen Linken für 2015 in der Berliner Volksbühne machte in beeindruckender Weise deutlich, dass Terrorismus und Krieg sich gegenseitig bedingen. Wer Terrorismus also bekämpfen will, muss auch die Kriege des „Westens“ gegen die „Barbaren“ ablehnen. Und es wird herausragende Aufgabe der Linken bleiben müssen, ständig Kritik an jenen zu üben, die den Terrorismus mit Mitteln bekämpfen wollen, die Teil der Ursachen der Entstehung des Terrorismus sind: Auslandseinsätze, Waffenexporte, Abschottung des „Abendlandes“, Arroganz gegenüber anderen Kulturen, Spaltung der Gesellschaft in Arme und Reiche …

Nicht „die westliche Welt“ muss jetzt ihre Werte verteidigen, wie einige Journalisten und europäische Spitzenpolitiker sofort riefen, sondern Menschen aller Kulturen müssen dafür einstehen, dass überall auf der Welt ein Leben in Würde möglich wird. Die Hindernisse für ein solches Leben sind nicht in nationaler Abschottung oder durch „abendländischen“ Überlegenheitstaumel zu beseitigen. Ja, ein erster Schritt kann das Vereintsein in Trauer nach so schrecklichen Taten wie in der vergangenen Woche in Frankreich sein. Zum Eintreten für Menschenwürde gehörte dann jedoch auch, dass es keine Hierarchie der Trauer geben darf. Oder sind die Opfer der Boko-Haram-Terrormilizen im Norden Nigerias oder die durch Drohnenangriffe getöteten Hochzeitsgesellschaften in Afghanistan von geringerem Interesse, weil nicht zur "westlichen Wertegemeinschaft“ gehörend? „Charlie Hebdo“ übrigens hätte diese Frage nicht so harmlos gestellt.

Dass Denkweisen mit tief sitzendem Rassismus bei vielen Menschen, von ihnen  selbst oft unbemerkt, ihren Platz haben, zeigt sich in Reden wie „obwohl er Muslim ist, kamen alle mit ihm aus“. Die französische Philosophin Simone Weil (1909 – 1943) hat diese Haltung bereits während ihres Deutschlandaufenthaltes 1932 am Beispiel eines verinnerlichten Antisemitismus selbst bei Linken beobachtet.

Selbstverständlich sind die Akteure der Rosa-Luxemburg-Stiftung tief betroffen von den Ereignissen, den Morden, in Frankreich. Wir sind traurig und wütend. Jedoch, das allein reicht nicht. Außer Empathie, dem Wärmestrom, wie Bloch es nannte, muss auch ein kühler Kopf, die Analyse, dazu kommen. Darum geht es in der politischen Bildung. Nicht zuerst um spektakuläre oder publikumswirksame Veranstaltungen kann es gehen, sondern vielmehr um Beharrlichkeit und einen langen Atem, um politische Bildung langfristig gegen Politikmüdigkeit, die sich immer mehr als Demokratiemüdigkeit erweist, in Anschlag zu bringen. Denn, um mit Herbert Marcuse auf die Ausgangsüberlegung zurückzukommen, Tatsache ist, „dass Freiheit unvereinbar ist mit Unwissenheit.“

Links:

zur Zeitung L´Humanité

zur Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung "Trügerische Ruhe im Paradies?. Zur Entwicklung von Ressentiments und rechtsextremen Stimmungslagen im Alltagsbewusstsein der Deutschen"

 

 

3. Januar 2015

Mehr Poesie und Philosophie, damit Sachzwänge nicht zu Denkzwängen und die Macht der größeren Zahl nicht zum wichtigsten Maßstab für Politik werden

Gruß zum Neuen Jahr 2015

Im Garten des Malers Dietrich Lusici (Foto: Gerd-Rüdiger Hoffmann, 2014)

„Wenn man in den Schriften von Marx und Engels liest, dann stößt man auf starke metaphysische Momente, auf Poesie. Das wird gern verdrängt, man möchte die klare, eindeutige Ratio. Der Kleinbürger hat Angst vor Metaphysik, er will die Katechisierung der Dinge, um sich nicht verunsichern zu lassen. Aber Verunsicherung ist die erste Pflicht, in die sich gerade auch das linke Denken begeben muss.HANS-ECKARDT WENZEL (in: neues deutschland vom 27. Oktober 2014)

Für das neue Jahr wünschen wir alles Gute und stets freundliche Menschen in der Nähe! Wer mit uns weiterhin oder zum ersten Mal über Philosophie, Politik und Kunst diskutieren möchte und metaphysische Verunsicherung aushält oder widersprechen will, ist gern bei den Veranstaltungen der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg in Senftenberg und anderswo willkommen.

Gerd-Rüdiger Hoffmann & Cathleen Bürgelt

(Wenzel-CDs und aktuelle Programmzettel in Tenglers Buchhandlung, Markt 11, 01968 Senftenberg / Zły Komorow)

 

6. Dezember 2014

Recht auf Perspektive -

Tagung an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg beschäftigte sich erneut mit verschiedenen internationalen Vorbildern in Bezug auf die Regionalentwicklung durch Minderheiten und insbesondere die Sorben/Wenden

Steffen Groß, Klaus-Jürgen Nagel, Johannes Waldmüller, Lutz Laschewski, Gerd-Rüdiger Hoffmann und Thomas Zschornak (v.l.n.r.; Foto: Daniel Häfner)

von Cathleen Bürgelt

Bereits im Oktober 2013 hatten der Lehrstuhl für sozialwissenschaftliche Umweltfragen der BTU Cottbus-Senftenberg und das Regionalbüro Cottbus der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg zu einer Tagung eingeladen, die das Potential des „Übereinkommens über eingeborene und in Stämmen lebende Völker in unabhängigen Ländern“ der Internationalen Arbeiterorganisation, ILO 169, für die sorbische/wendische Minderheit in der Lausitz ausloten wollte. Auch wenn es auf den ersten Blick für einige Verwirrung sorgen mag, die Sorben/Wenden als „indigenes Volk“ zu bezeichnen, so war vor einem Jahr doch deutlich geworden, dass sich aus der Konvention fruchtbare Ansätze für die Formulierung und Ausgestaltung der Rechte der Sorben/Wenden finden lassen.

Da es in dem – von Deutschland bisher nicht ratifizierten – Übereinkommen vor allem auch um die kollektiven Verfügungsrechte an natürlichen Ressourcen wie Land und Bodenschätze geht, lag es nahe, sich nun in einer weiteren Tagung den daraus ergebenen Ideen hinsichtlich der „Regionalentwicklung bei indigenen Völkern, europäischen Minderheiten und den Sorben/Wenden“ zu widmen und auszuloten, welche Impulse von Indigenen für ein nachhaltiges, solidarisches, gemeinschaftliches Wirtschaften und Zusammenleben ausgehen können.

Zu Beginn der Tagung gab der Schriftsteller und Lyriker Udo Tiffert einen Problemaufriss durch vier seiner Texte, die die Ambivalenzen der vom Bergbau geprägten Region sehr anschaulich verdeutlichten.

Der ehemalige Brandenburgische Landtagsabgeordnete, Philosoph und Afrikawissenschaftler Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann (Senftenberg) beleuchtete in seinem Beitrag die Debatte um das „angestammte Siedlungsgebiet“ im Zuge der Novellierung des Sorben/Wenden-Gesetzes in Brandenburg und mahnte die Beachtung internationaler, wissenschaftlicher Standards an, nach denen sich die Bindung der Minderheitenrechte an ein bestimmtes Territorium eigentlich verbietet. Mobilität und Freizügigkeit sind selbstverständlich auch Angehörigen einer Minderheit zuzugestehen, ohne dass sie damit ihrer Rechte verlustig gingen. Angesichts der Fixierung auf ein bestimmtes Siedlungsgebiet, wenn es um die Ausreichung von Fördermitteln geht, erstaunt es laut Hoffmann dann doch sehr, dass im Zusammenhang mit dem Braunkohlenabbau niemand der Verantwortlichen auf die Idee kommt, dass die Kohle eigentlich den Sorben/Wenden gehörte. Es ist, so Hoffmann, an der Zeit, ein modernes Minderheitengesetz als höheres Allgemeingut anzusehen als eine rückwärtsgewandte Braunkohlentechnologie.

Der Sozialwissenschaftler Dr. Johannes Waldmüller (Genf, Ecuador) stellte die Idee des „Buen Vivir“ vor, die im deutschsprachigen Raum meist als das „gute Leben“ übersetzt wird, obgleich es treffender wäre im Sinne eines Verbs von „Gutes leben“ zu sprechen. Das von den Indigenen entworfene alternative Entwicklungsmodell des „Suma Kawsay“ verbindet wesentliche Themen wie kollektive Rechte, Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und Dekolonialität. Als „Buen Vivir“ ist es mittlerweile zum Beispiel in Ecuador als Staatsziel in die Verfassung aufgenommen worden – jedoch in einem anderen Verständnis, was insbesondere seit dem extensiven Aufbau des Bergbaus zum Bruch mit den Indigenen oder namhaften Vertretern wie Alberte Acosta geführt hat. Waldmüller machte aber auch deutlich, wie lokale Projekte gegenwärtig versuchen, die Deutungshoheit über das Konzept zurückzuerlangen.

Verschiedene Autonomiemodelle, die für nationale Minderheiten in Europa Anwendung finden, stellte der Politologe Prof. Dr. Klaus-Jürgen Nagel (Barcelona) vor und machte am katalonischen Beispiel deutlich, wie sehr der Anstieg der Zustimmung für eine Unabhängigkeit mit der verweigerten Anerkennung zu tun hat. Auch in seinem Beitrag spielte das Engagement der Zivilgesellschaft eine zentrale Rolle, insbesondere wenn es darum geht, aufgrund von staatlichen Entscheidungen eigene Spielräume wiederzuerlangen oder neu zu schaffen.

Wie diese Freiräume im Konkreten genutzt werden können, machte Thomas Zschornak anschaulich, Bürgermeister der sorbischen Gemeinde Nebelschütz. Zentral ist dabei vor allem die materielle Verfügungsgewalt als Gemeinde über die Flächen, die zu ihr gehören, um selbstbestimmt Akzente setzen und Freiräume für die Dorfentwicklung schaffen zu können. So ist es gegenwärtig möglich, Ackerland auf Beschluss des Gemeinderates an einen jungen Ökobauern zu verpachten. Im Vorfeld der geplanten Neueröffnung eines ökologisch-kreativen sorbischen Kindergartens fand in der Gemeinde eine Zukunftswerkstatt mit den Eltern statt, in der das pädagogische Konzept der Einrichtung gemeinsam erarbeitet wurde. Die Gemeinde sieht auch in der Sensibilisierung für die ortstypische Architektur eine wichtige Aufgabe und unterstützt entsprechende Sanierungen auch durch in einer Sozialwerkstatt gesammelte und aufgearbeitete Baumaterialien. Gegenwärtig wird zwischen den Gemeinden im Umland ein Ausschuss neukonstituiert, der sich um sorbische Belange kümmern wird.

Angesichts des gegenwärtig diskutierten Serbske Sejmik, einer kollektiven Vertretung sorbischer Interessen auf politischer Ebene, schilderte der Historiker und Rechtsanwalt Heiko Kosel (Watha) aufgrund seiner Erfahrungen als Kreistagsabgeordneter in Bautzen und ehemaliger sächsischer Landtagsabgeordneter, wie wichtig aus Sicht der Sorben/Wenden die Kompetenzen in den Bereichen Bildung, Kultur und Jugend sind. Allerdings müssten sie über die eines Kreistags noch hinausgehen, da man sich sonst nur neue Fesseln anlegt. Ohne andere Rahmenbedingungen, ohne eine Dynamisierung der Mittel läuft man Gefahr, das Elend nur selbstbestimmt zu verwalten.

Die Debatte im Laufe der Tagung gewann durch die verschiedenen Sichtweisen und internationale Erfahrungen und entwickelte sich vor allem entlang der Ambivalenzen der Bindung von Minderheitenrechten an ein bestimmtes Territorium, der Vor- und Nachteile einer Verrechtlichung und der Bedeutung der Sprache.

Der Ökonom und Philosoph PD Dr. Steffen Groß (Cottbus) verwies darauf, dass in der globalisierten Welt ein Bezug zu einem bestimmten Territorium auch im Selbstverständnis nicht zu unterschätzen ist. Ein effektiver Minderheitenschutz wird wohl gegenwärtig ohne den Bezug auf ein Territorium nicht funktionieren, muss aber durch einen personenbezogenen Schutz ergänzt werden. Im Grunde gelte es, stärker den Gestaltungsspielraum auszuloten, die Gesetze, auch wenn sie eher als Abwehrrechte konzipiert sind, bieten.

Am ecuadorianischen Beispiel war jedoch auch erkennbar geworden, dass eine zu starke Verrechtlichung, insbesondere nach westlichen Standards und zugunsten der ökonomischen, sozialen und kulturellen Rechte die Gefahr einer Folklorisierung und fixierten kulturellen Identität birgt, wobei das Moment der Dynamik und Weiterentwicklung verloren geht. Kultur ist immer in Entwicklung und geprägt von Diskurs und Diversität. Dies in Gesetzen und Verordnungen auch wiederzuspiegeln, scheint die eigentliche Schwierigkeit zu sein. Umso wichtiger ist es, sich Orte, Freiräume für emanzipatorische Alternativen zu suchen oder sie zu schaffen.

Ausgehend vom ursprünglichen Konzept des Buen Vivir stellten insbesondere junge Studierende aus Cottbus und Leipzig die Frage nach dem sorbischen „Buen Vivir“, nach dem anderen Erzählen, Wirtschaften und Leben in der Lausitz und den Möglichkeiten, das Zusammenleben in und mit der Unterschiedlichkeit gemeinschaftlich zu organisieren. Dies aber ist vielleicht Gegenstand einer kommenden Tagung.

Den Organisatoren Daniel Häfner und Dr. Lutz Laschewski ist es zu danken, dass die BTU Cottbus-Senftenberg mit dieser Tagung eine andere Perspektive auf die für die Zukunft der Lausitz so wichtige Frage der Regionalentwicklung eröffnete. An der einzigen Universität im Kerngebiet der Sorben/Wenden müsste der bikulturelle Charakter der Region sehr viel öfter Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtung sein.

Links:

zum Programm der Veranstaltung

Ein Tagungsband ist in Vorbereitung. Die Beiträge der ersten Konferenz sind im Internet bereits einsehbar.


 

29. September 2014

Abschied vom Abgeordnetenbüro und Auftakt einer neuen Reihe des Lausitz-Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg e.V.

Im Oktober 2014 schließen wir das Abgeordneten-Büro von Gerd-Rüdiger Hoffmann in der Senftenberger Bärengasse 3, das gleichzeitig das Lausitz-Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg beherbergte und Ort zahlreicher kultureller und politischer Veranstaltungen war.

Am Ende einer zehnjährigen Arbeit unternehmen wir am 29. September 2014 im Bürgerhaus Wendischen Kirche den Versuch , Bilanz zu ziehen.

Gleichzeitig eröffnen wir im Rahmen dieser Abschiedsveranstaltung die neue Reihe REDEN ÜBER PHILOSOPHIE, KUNST UND POLITIK der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg, bei der der Musiker und Intendant Tobias Morgenstern (Theater am Rand Zollbrücke im Oderbruch) und Johannes Kapelle aus Proschim/Prožym, der "Opa ohne Lobby", mit Gerd-Rüdiger Hoffmann ins Gespräch über die Frage kommen, warum es sinnvoll sein kann, selbst unter dem Druck von Alltagssorgen oder existentiellen Problemen wie der geplanten Abbaggerung der Heimat Gespräche über Kunst, Philosophie und Politik zu führen.

Die musikalische Gestaltung des Abend übernehmen Oksana Weingardt-Schön (Klavier) und Gerald Schön (Bariton).

Einen Rückblick auf diese Veranstaltung, die Reden von Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann und Cathleen Bürgelt sowie ein paar Fotos haben wir im Nachgang hier zusammengestellt.